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Wirtschaft
11/30/2020

Commerzialbank: Puchers gescheiterter Nahost-Deal

Der gefallene Banker war auf Du und Du mit dem Scheich, die Millionen blieben ihm aber verwehrt

von Patrick Wammerl

Martin Pucher Arm in Arm mit Scheich Saeed Bin Khalifa Al Nahyan aus dem Herrscherhaus des mĂ€chtigen Emirates Abu Dhabi. Um angesichts der Misswirtschaft sein zusammenbrechendes Kartenhaus vielleicht doch noch zu retten, hatte der gefallene Banker sein gewohntes Terrain des grĂŒnen Rasens in Mattersburg verlassen und sich in den WĂŒstenstaat begeben. Wie der KURIER erfuhr, verfolgte Pucher tatsĂ€chlich den Plan, mit der Herrscherfamilie ein MilliardengeschĂ€ft in den Emiraten abzuschließen. Doch das Vorhaben scheiterte. Anstatt ein Vermögen zur Rettung der angeschlagenen Bank einzunehmen, setzte Pucher mutmaßlich zig Millionen in den Sand.

Wie vom KURIER bereits berichtet, ruhte Puchers Hoffnung auf das große Geld in einer Reihe von Umweltpatenten des deutschen Erfinders Franz Joseph Philipp. FĂŒr Kredite in diverse Entwicklungen sicherte Pucher der Commerzialbank Anfang der 2000er-Jahre ĂŒber die „Macom“-Gmbh (Ma fĂŒr Mattersburg und Com fĂŒr Commerzialbank) 24 Prozent der Firmenanteile plus alle Patentrechte.

Den großen Geldregen am Weltmarkt erhoffte er sich von der Macom-Fix Ölbinder-Technologie. „Es handelt sich um einen keramischen Schwamm, der große FlĂ€chen von Böden und GewĂ€ssern entgiftet. Jedes Kohlekraft- oder Stahlwerk kann mit diesem Chemikalienbinder anfallende Giftstoffe neutralisieren. Es gibt dafĂŒr einen riesen Markt in der Industrie“, so Philipp.

Laut dem Erfinder steckte Pucher ĂŒber einen langen Zeitraum monatlich zwischen 200.000 und 400.000 Euro in den Aufbau der „Polamar Engineering GmbH“ zur Erzeugung des Macom-Fix in einer Werkshalle im deutschen Kretz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Er mietete dort zehn Jahre lang eine riesige ProduktionsstĂ€tte zur Herstellung von 1.500 Tonnen des Grundmaterials pro Tag. Wie sich im Ermittlungsverfahren heraus gestellt hat, war es das Geld der Sparer, mit dem im großen Stil auf anderer BĂŒhne jongliert wurde.

Pucher soll sich sicher gewesen sein, dass die Erfindung irgendwann ein Vermögen einspielt und ihn aus dem Schlamassel holt. Seine gewagte Prognose dazu: „Das wird grĂ¶ĂŸer als das Ding in der Dose“. (Gemeint war damit Red Bull, Anm.d.Red.).

Ab 2010 reiste er deshalb mehrmals nach Abu Dhabi, um die Technologie dem Scheich und interessierten Investoren schmackhaft zu machen. Es kam nicht nur zu mehreren persönlichen Treffen mit dem Herrscher, sondern tatsĂ€chlich auch zur GrĂŒndung der „Convolant Emirates Group“, die Anfang 2011 im Technologiepark Abu Dhabi in einem Joint Venture verschiedene Produktionslinien des Macom-Fix voran treiben sollte. Pucher hielt ĂŒber die Macom alle Rechte. Zur Eröffnung im JĂ€nner 2011 gab es einen feierlichen Termin. „Unser internationaler Technologiepark wird die Vision von Abu Dhabi unterstĂŒtzen, sich zu einem der weltweit fĂŒhrenden grĂŒnen Technologiezentren und Industriestandorte zu entwickeln“, begrĂŒĂŸte Saeed Bin Khalifa Al Nahyan die Bestrebungen in seinem Emirat.

Puchers Anwalt, Norbert Wess bestĂ€tigt, dass es im Nahen Osten großes Interesse an den Patenten gegeben hat. Allerdings kam es zu keinem Vertragsabschluss, weil Philipp einen Zusammenbruch erlitt und nach einem langen Aufenthalt im „Sheikh Khalifa“-Krankenhaus zur Behandlung zurĂŒck nach Europa musste.

Milliardenbewertung

Nur Monate spĂ€ter bewertete ein GutachterbĂŒro die Deutschland-Niederlassung der Polamar Engineering bezogen auf das Produkt Macom-Fix mit beachtlichen 1,73 Milliarden Euro. Die Rettung fĂŒr die Bank? Eher nicht. „KaufmĂ€nnisch ist die Sache völlig in die Hose gegangen. Es gab Investoren, die bereit waren mehrere Hundert Millionen Euro fĂŒr die Entwicklung auszugeben. Alle wollten die Mehrheitsrechte. Das hat Pucher aber nicht zugelassen. Er wollte immer sagen wo es lang geht“, so Philipp.

Die Rechte fĂŒr die Patente sind immer noch alle in der Hand der Commerzialbank. Philipp ist sich sicher, dass ein „fĂ€higer GeschĂ€ftsfĂŒhrer“ die Macom-Rechte zugunsten der GlĂ€ubiger zu viel Geld machen könnte. DarĂŒber ist ein Streit mit dem Masseverwalter entbrannt (siehe Zusatzbericht ĂŒber die Patentrechte).

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