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Wirtschaft
05/03/2019

Millionenpleite: Krimi um Hausverwaltung weitet sich aus

Mutmaßlicher Schaden soll bereits auf 4,6 Millionen Euro angestiegen sein.

Eine Selbstanzeige bei der Polizei und ein dürftiger Konkursantrag erschütterten Anfang März 2019 die österreichische Hausverwaltungsbranche. Jürgen R., Geschäftsführer der Online Hausverwaltung & Immobilientreuhand GmbH, soll darin eingeräumt haben, Kundengelder in Höhe von drei Millionen Euro „zweckwidrig verwendet zu haben“. Mittlerweile hat der Insolvenzverwalter die Aufräumarbeiten massiv vorangetrieben.

Laut Aktenlage soll den Kunden in einem Zeitraum von sieben bis neun Jahren ein mutmaßlicher Schaden in Höhe von 4,6 Millionen Euro zugefügt worden sein. Der größte Kunde war ein Immobilienunternehmen eines namhaften Wiener Unternehmers mit 60 Häusern, der zweitgrößte ein Luxemburger Fonds mit mehr als 20 Objekten.

Rund 400 Konten bei einer Bank benutzt

So sollen sich die angeblichen Manipulationen auf die Konten der Kunden konzentriert haben, auf denen die Online-Hausverwaltung die Mieteinnahmen, Betriebskosten und Rücklagen für die Instandhaltung verwaltete.

Es handelt sich um rund 400 Konten bei einer einzigen Bank, wovon nur zwei Geschäftskonten der Online-Hausverwaltungen waren. Der Schaden soll „durch unrechtmäßige Überweisungen von Treuhandkonten und von Kundenkonten“ auf Konten im näheren Umfeld des Geschäftsführers Jürgen R. entstanden sein.

80 Prozent der Kunden-Gelder für zwei Firmen

So sollen 80 Prozent der Gelder zwei Wiener Software-Firmen des Jürgen R. zugeflossen sein, die in der Zwischenzeit auch pleite gingen. „In einem untergeordneten Maßstab soll Geld auch zur Erhaltung des eigenen Lebensstandards verwendet worden sein“, heißt es in den Akten. Außerdem soll er Kundengelder in Höhe von angeblich 947.600 Euro zur Finanzierung der Online-Hausverwaltung verwendet haben. „Derartige Zuflüsse sind aber offenkundig weder der Buchhalterin noch dem Steuerberater aufgefallen“, heißt es weiter. Der mutmaßliche Trick: Es sollen fingierte Rechnungen von fiktiven Kunden bezahlt worden sein.

Mutmaßliche Tricks bei Telebanking

Über den mutmaßlichen Schaden der einzelnen Kunden soll er sogar Buch geführt haben. „Die Verschleierung der Fehlbeträge bei den Kunden war angeblich deshalb möglich, weil von den meisten Kunden keine Kontoauszüge verlangt wurden“, heißt es weiter. Sogar das von der Online-Hausverwaltung verwendete Telebanking soll derart manipuliert worden sein, „dass es Kontostände anzeigen konnte, die ohne Manipulation zu erwarten gewesen wären“.

Dem größten Kunden soll R. einen Monat vor der Pleite noch 700.000 Euro zurückgezahlt haben. Das Geld soll laut Aktenlage "von Konten von bis dahin nicht geschädigten Kunden entnommen worden sein“.

Ermittlungen laufen

Indes will die Staatsanwaltschaft Wien derzeit keine Angaben zum anhängigen Ermittlungsverfahren gegen Jürgen R. machen. Auch ein bereits ausgemachter Verkauf der Verwaltungsmandate  um kanpp 500.000 Euro an eine neue Hausverwaltung soll geplatzt sein. Denn der Insolvenzverwalter hat eine Klage in dieser Höhe gegen diese Hausverwaltung bei Gericht eingebracht haben.

Und der größte Ex-Kunde der Online-Hausverwaltung, dem einen Monat vor der Pleite 700.000 Euro zurückkgezahlt wurden, wird sich höchstwahrscheinlich mit gerichtlichen Anfechtungsansprüchen der Masse bzw. des Masseverwalters auseinandersetzen müssen.

Indes bestreitet der ehemalige größte Kunde der Online Hausverwaltung diese Behauptung "als falsch". Man habe "ausnahmslos Gelder von den eigenen Liegenschaften zuordenbaren Anderkonten erhalten", heißt es in einem Mail an den KURIER.