Viele Betriebe kämpfen ums Überleben. Die Branche hofft auf weitere staatliche Hilfe.

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Wirtschaft
09/09/2020

Bewährte Mittel gegen neue Probleme

Goldener Boden. Sechs Monate Corona-Krise haben Spuren im Handwerk und Gewerbe hinterlassen.

von Martin Meyrath

Der Corona-bedingte Einbruch in der Branche Handwerk und Gewerbe hat die Form eines V. Im Zuge des Lockdowns im März und April brachen die Umsätze stark ein, um sich ab Mai relativ zügig wieder zu erholen. Der Tiefpunkt wurde mit minus 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat im April erreicht. In den Sommermonaten lagen die Umsätze noch sieben Prozent unter dem Vorjahreswert.

„Von wirtschaftlicher Normalität sind wir weit entfernt“, warnt Renate Scheichlbauer-Schuster, Spartenobfrau in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Denn was in Anbetracht des stärksten Konjunktureinbruches der Nachkriegszeit glimpflich klingen mag, wirkt sich bei den Betroffenen fatal aus.

So sind beispielsweise der Veranstaltungssektor und der Kreativ- und Designbereich ungleich stärker getroffen. Insgesamt fehlen den 230.000 Betrieben der Branche im Zeitraum Januar bis August etwa acht Mrd. Euro an Umsätzen. Bis Jahresende könnten es elf Mrd. Euro sein.

Die WKÖ fordert von der Bundesregierung deswegen weitere Hilfsmaßnahmen. Kurzarbeit, Zahlungsstundungen und Fixkostenzuschuss hätten zwar gut gewirkt und Schlimmeres verhindert, dennoch fehlen aufgrund der schwachen Konjunktur derzeit Aufträge. Es sei deswegen wichtig, dass öffentliche Investitionen möglichst zeitnah durchgeführt würden.

Das betrifft zum Beispiel thermische Sanierungen und andere Investitionen im Sinne der Nachhaltigkeit, etwa Förderungen für Heizkesseltausch und den Ausbau von Photovoltaik.

Handwerkerbonus

Um die Auftragslage zu verbessern wünschen sich die Branchenvertreter eine Wiedereinführung des Handwerkerbonus für zwei Jahre. Private Haushalte sollen demnach einen Zuschuss von 25 Prozent und maximal 5.000 Euro für Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten bekommen. Die Erfahrung von 2014 bis 2017 hätte gezeigt, dass diese Maßnahme zu einer „Win-win-win-Situation“ für Haushalte, Betriebe und auch den Staat führten, so Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte.

Die Kosten von 50 Mio. Euro pro Jahr seien überschaubar, insbesondere, wenn man bedenke, dass das Geld direkt in die Volkswirtschaft fließe und ein Vielfaches an Investitionen anstoße. Dadurch würden Arbeitslosigkeit verhindert und Steuereinkommen generiert.

Beim Reparaturbonus fordern die Branchenvertreter eine Ausdehnung auf den Bereich Elektrogeräte. Nach aktuellem Stand gilt die Befreiung von der Mehrwertsteuer nur für Fahrräder, Textilien und Leder. Sollte es dabei EU-rechtliche Probleme geben, wäre auch eine Umsetzung in Form von Reparatur-Wertgutscheinen für Bürger denkbar.

Lehrstellen

Etwa die Hälfte der 92.000 österreichischen Lehrlinge entfällt auf die Branche Gewerbe und Handwerk, die Anzahl der Auszubildenden ist im Jahresvergleich stabil. Einen generellen Lehrstellenmangel sehen die Branchenvertreter im Gegensatz zur Arbeiterkammer (AK) nicht. Zu den vor der AK gezählten Lehrstellen, kommen laut der WKÖ etwa noch mal so viele, die in absehbarer Zeit verfügbar sein sollen.

Allerdings gebe es eine Ost-West-Spaltung. Während Lehrlinge im Westen laut WKÖ sogar gesucht werden, herrscht Einigkeit darüber, dass es in Wien zu wenig Ausbildungsplätze gibt. Um die Qualität der Ausbildung auch während Phasen der Kurzarbeit zu sichern, seien laut WKÖ Ausbildungsverbünde mehrerer Unternehmen und ein überbetriebliches Kurssystem denkbar.

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