"Handwerkerbonus Neu" soll 6.000 zusätzliche Jobs schaffen

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Wirtschaftskammer will damit "Abwärtsspirale" bei Klein -und Mittelbetrieben verhindern. Ökonom begrüßt Maßnahme gegen Pfusch

Die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe werden noch länger an der Corona-Krise leiden  - wenn auch unterschiedlich stark.  Einer Umfrage der KMU Forschung Austria zufolge waren 92 Prozent aller Gewerbe- und Handwerksbetriebe in Österreich negativ vom Corona-Lockdown betroffen, nur für drei Prozent hatte die Krise auch positive Auswirkungen. Erst 22 Prozent der Betriebe konnten durch die Lockerung der Maßnahmen wieder annähernd auf Vorkrisenniveau zurückkehren, zwei Drittel rechnen frühestens bis Jahresende mit einer Erholung.

 "Wir sehen die Gefahr einer Abwärtsspirale ab Herbst", schlägt  WKO-Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster bei einer Pressekonferenz am Dienstag Alarm. Durch die krisenbedingten Auftrags- und Umsatzrückgänge würden sich die Betriebe bei den Investitionen sowie bei Neueinstellungen zurückhalten. Hier müsse rasch gegengesteuert werden, so die Branchenvertreterin.

"Handwerkerbonus Neu" soll 6.000 zusätzliche Jobs schaffen

WKO-Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster

Bonus für Renovierungen

Konkret fordert sie unter anderen die rasche Wiedereinführung eines "Handwerkerbonus", also eine staatliche Förderung für Handwerksarbeiten in Privathaushalten. Beim "Handwerkerbonus Neu" soll es eine Förderung von 25 Prozent auf Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten von Wohnungen oder Wohnhäusern bis zu 20.000 Euro geben. Die Aktion soll zwei Jahre laufen und mit 50 Millionen Euro dotiert werden, so Scheichelbauer-Schuster. Dies könnte zusätzlich 6.000 Jobs im Handwerk schaffen. "Wir könnten das rasch einführen, um noch Impulse vor dem Sommer zu bekommen".

Burgenland macht's vor

Den Handwerkerbonus gab es zuletzt zwischen 2014 und 2017, allerdings geringer dotiert. Ziel des Bonus war es auch, den Pfusch einzudämmen. Das Burgenland führte als einziges Bundesland bereits zu Jahresbeginn einen landesweiten Handwerkerbonus ein. Der Fördertopf wurde krisenbedingt erst kürzlich um eine Million Euro aufgestockt und beträgt nun drei Millionen für 2020 und zwei Millionen für 2021. Die bisherigen Förderhöchstbeträge wurden bei Sanierungsarbeiten von 5.000 auf 10.000 Euro, bei energieeffizienten Maßnahmen von 7.000 auf 14.000 Euro erhöht. 

Anti-Pfusch-Maßnahme

Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider begrüßt eine rasche Neuauflage des Handwerkerbonus. Er sieht darin  auch eine wichtige Maßnahme gegen die in der Krise  angestiegene Schattenwirtschaft. „Wenn der Bonus auf die Arbeits- und nicht Materialkosten abzielt, hat das einen unmittelbar positiven Effekt auf die Beschäftigung“, sagt Schneider zum KURIER. Die jährliche Deckelung der Fördersumme hält er für problematisch, weil  der Bonus dann „schnell vergriffen“ ist.

"Handwerkerbonus Neu" soll 6.000 zusätzliche Jobs schaffen

Ökonom Friedrich Schneider, Experte für Schattenwirtschaft

Grundsätzlich stärke ein Handwerkerbonus die regionale Wirtschaft, weshalb er sich auch länderweise unterschiedliche Förderhöhen vorstellen kann: „Niemand verlegt seinen Wohnsitz, nur weil es in einem anderen Bundesland einen höheren Handwerkerbonus gibt.“ Skeptischer ist  IHS-Ökonom Helmut Hofer, der  „hohe Mitnahme-Effekte“  beim Bonus ortet: „Nur wegen der Förderung wird nicht mehr renoviert als sonst.“

Eigene Branchenlösungen

Für die größten Verliererbranchen durch die Corona-Maßnahmen, den Tourismus-Zulieferbetrieben sowie der Eventbranche (Veranstaltungstechnik), fordert die WKO eigene Sonderprogramme zur Liquiditätssicherung. "Die benötigen ganz einfach Cash", so Scheichelbauer-Schuster

Weiters pocht sie auf die Umsetzung von bereits geplanten Regierungsmaßnahmen wie den Reparaturbonus, die Förderung von Photovoltaik-Anlagen (1 Million Dächer-Programm) sowie erhöhte Investitionsfreibeträge für energieeffiziente Neubauten. „Handwerk und Gewerbe hat den Lockdown und das Hochfahren gemeistert, jetzt geht es ums Weiterfahren“, so die Obfrau. In der Sparte Gewerbe und Handwerk sind rund 800.000 Menschen (46.000 Lehrlinge) beschäftigt.

Unterschiedliche Betroffenheit

Im April 2020 lagen die Umsätze in der gesamten Sparte laut KMU Forschung Austria um 31 Prozent unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. In den Fällen mit vollständigen Betriebsschließungen lagen die Umsätze um 70 Prozent unter Vorjahresniveau. Nach Branchen waren der Holzbau und das Bauhilfsgewerbe am wenigsten stark betroffen, Veranstaltungstechniker sowie Floristen am meisten. Während Friseure im Mai wieder ein Plus von 3 Prozent einfahren konnten, lagen Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure im Mai immer noch bei minus 32 Prozent.  Große Betroffenheit gab es zudem bei den Fotografen und Konditoren, während Müller am wenigsten betroffen waren.

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