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Wirtschaft
11/12/2021

Bergbau: Das Kärntner Lithium-Lotto

Seit zehn Jahren gibt es Pläne, den begehrten Batterie-Rohstoff auf der Koralpe abzubauen. Warum das Projekt noch immer nicht auf Schiene ist.

von Anita Staudacher

Lithium, wichtigster Batterie-Rohstoff für die Elektromobilität, ist knapp und teuer. Der Preis für eine Tonne Lithiumhydroxid hat sich binnen zwei Jahren von 9.000 Dollar auf 20.000 Dollar mehr als verdoppelt. Weltweit, auch in Europa, werden daher neue Minenprojekte in Angriff genommen, um das „weiße Gold“ zu schürfen und sich von der Abhängigkeit einiger weniger Länder zu lösen.

Bei diesem Preisniveau würde sich auch ein Lithium-Abbau in Österreich rechnen, sagt Dietrich Wanke, Vorstandsvorsitzender der australischen Bergbaufirma European Lithium. Das in Sydney und Frankfurt gelistete Explorationsunternehmen verfolgt seit fast zehn Jahren entsprechende Pläne auf der Koralpe in Kärnten, wo es im Besitz einer in den 1980er-Jahren erschlossenen Lagerstätte ist. Doch das Projekt kommt nur langsam in die Gänge.

„Wenn es nach uns ginge, hätten wir schon gestern mit dem Bergbau angefangen“, sagt Wanke im Gespräch mit dem KURIER. Man sei im Prinzip startklar. „Wir haben ein Bergwerk, wo wir rausholen können, so viel wir wollen und mit dem Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxit auch schon ein Endprodukt und mögliche Abnehmer. In Deutschland steht eine Lithium-Aufbereitungsanlage als Pilotanlage.

Machbarkeitsstudie

Bis zum Startschuss dürften trotzdem noch einige Jahre vergehen, denn den Australiern fehlt immer noch die entscheidende Voraussetzung für den Lithium-Abbau: Die finale Machbarkeitsstudie. Das mehr als 1.000-seitige Dokument ist sowohl für die fehlenden Genehmigungen als auch für den Businessplan und damit die Finanzierung von Abbau und Weiterverarbeitung nötig.

Warum sich die Machbarkeitsstudie nun schon viele Jahre in die Länge zieht, erklärt Wanke mit strengen börse-regulatorischen Auflagen für Bergbauunternehmen, mit der Corona-Pandemie und zum Teil falschen Erwartungshaltungen. Ein Bergwerksprojekt sei keine Batteriefabrik, die in einem Jahr aus dem Boden gestampft werden könne, sondern benötige wegen der Auflagen rund 10 Jahre von den ersten Probebohrungen bis zum endgültigen Start.

Das chemische Element Lithium gehört zur Gruppe der Alkalimetalle. Lithium kommt in Mineralien gebunden vor. Das  daraus gewonnene Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid wird  für Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt.
Vorkommen
70 Prozent des weltweit geförderten Lithiums stammt aus Mineralsalzen in unterirdischen Salzseen v. a. in Südamerika und China. 30 Prozent  werden bergmännisch abgebaut, vorwiegend in Australien 

Probebohrungen abgeschlossen

Auf der Koralpe wurden die seit 2016 laufenden Probebohrungen mit 20 Bohrlöchern bis zu acht Kilometer in den Berg im Sommer abgeschlossen. „Wir sind da schon im letzten Viertel unterwegs“, so Wanke. Mit der Fertigstellung der Machbarkeitsstudie rechnet er jetzt mit Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals 2022. Danach sei „ab 2024 ein Start jedenfalls technisch machbar“, unterstreicht der Manager, der selbst über jahrzehntelanger Bergbau-Erfahrung verfügt. „Was regulatorisch noch auf uns niederprasseln wird, ist freilich ein Blick in die Glaskugel“, schränkt er ein.

Auch ziviler Widerstand regt sich. Zuletzt gab es Aufregung in Deutschlandsberg/ Steiermark wegen möglicher Trinkwassergefährdung, was die Firma mit einem Gutachten zu entkräften versuchte. Laut Plan sollen jährlich 70.000 Tonnen Material vom Untertage-Abbau am Berg zur Weiterverarbeitung in eine noch zu errichtende Anlage im Lavanttal befördert werden. Täglich sollen das nicht mehr als 20 Lkw erledigen, sagt Wanke und will damit Sorgen über Lärm- und Staubbelästigung entgegnen. Bis zu 400 Jobs sollen in der Region mit Bergbau und Weiterverarbeitung entstehen.

Finanzierungsfrage

Ein Grund für die säumige Machbarkeitsstudie sind auch fehlende finanzielle Mittel, denn von den australischen Eigentümern fließt nur spärlich Geld. Und die Investorensuche gestaltet sich schwierig. Die Finanzierung durch einen Schweizer Investor endete im Vorjahr im Rechtsstreit. Auch mit der Finanzaufsicht (FMA) gibt es Probleme. Im Juni verhängte die FMA eine Geldstrafe in Höhe von 160.000 Euro wegen Marktmanipulation. Laut FMA sind falsche und irreführende Signale in Bezug auf ein Finanzinstrument an den Markt ausgesendet worden.

Lithium aus der Ukraine

Um als Unternehmen größer und damit am Kapitalmarkt attraktiver zu werden, hat European Lithium erst in der Vorwoche sein Portfolio mit zwei großen Lithiumprojekten in der Ukraine erweitert. Die in den 1980er- und 1990er-Jahren entdeckten Lagerstätten in der Region Donezk sowie in Dobra in der Westukraine sollen „signifikante Ressourcen“ enthalten, heißt es in einer Aussendung. Von einem kommerziellen Abbau ist man aber auch hier noch viele Jahre entfernt.

Größte Anteilseigner an dem Bergbau-Explorations- und Erschließungsunternehmen European Lithium sind die australische Cyclone Metals sowie die australischen Direktoren des Unternehmens, die Mehrheit befindet sich im Streubesitz. In Österreich ist die Börsefirma mit der Tochter ECM Lithium AT GmbH vertreten. Für Investoren seien Explorationsgeschäfte wie ein Casino, wo mit Erwartungen spekuliert wird. „Unser Ziel ist aber ganz klar der Bergbau“, unterstreicht Wanke die Firmenstrategie.

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