Aus für alle fossilen Energieträger bedeutet auch keine Kohlekraftwerke mehr

© REUTERS/Peter Andrews

Klimawende
11/05/2021

Energiewende als Rohstoff-Fresser

Das Aus für alle fossilen Energieträger bedeutet neue Technologien in allen Sektoren. Die Rohstoffe dafür kommen aus dem „Globalen Süden“ – und werden selten „nachhaltig“ abgebaut

von Bernhard Gaul

Kaum ein Land hat in den vergangenen Jahrzehnten so akribisch seine strategischen Ziele in Afrika und Mittel- und Südamerika verfolgt wie China. Aus gutem Grund: Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen in allen Weltregionen steigt enorm. Die Weltbank erwartet allein für relevante Metalle wie Aluminium, Kobalt, Eisen oder Lithium einen Nachfrageanstieg von über 1000 Prozent bis zum Jahr 2050. Angesichts dieser Situation arbeiten alle mit Nachdruck an ihrer Rohstoffversorgung.

Auch der EU ist das schmerzlich bewusst: Allein für den Bereich der Batterietechnik benötigen die Länder der EU bis zum Jahr 2050 bis zu sechzig Mal mehr Lithium und fünfzehn Mal mehr Kobalt im Vergleich zu heute. Die Nachfrage nach seltenen Erden, die etwa für Elektrofahrzeuge, digitale Technologien oder Windgeneratoren gebraucht werden, könnte sich derweil verzehnfachen. Ein anderes, großes Problem betrifft den Abbau dieser Rohstoffe, meist in Ländern des globalen Südens. „Wenn man sich dort die Praxis des Bergbaus ansieht, egal ob für Technologien für die Energie- und Klimawende oder für konventionelle Produkte, geschieht das meist nicht unter menschrechtlich und ökologisch akzeptablen Standards. Das betrifft auch Rohstoffe wie Kobalt oder Lithium, beschränkt sich aber nicht auf diese.

Ökologischer Aufwand

Da hat die Industrie jedenfalls die Aufgabe, dass die Rohstoffgewinnung nachhaltiger und sozial verträglicher werden muss“, erklärt Rupert Baumgartner im KURIER-Gespräch. Er ist am Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung der Universität Graz tätig. Und er erklärt: Weil jedes Produkt einen ökologischen Aufwand bedeutet, sei jetzt das Thema Kreislaufwirtschaft so wichtig: „Dabei geht es um drei Kernpunkte: brauchen wir wirklich so viele Produkte, wie wir haben, etwa gleich viele E-Autos wie derzeit Verbrennerautos, oder haben wir künftig ein intelligenteres Verkehrssystem. Zweitens, kann ich die vorhandenen Rohstoffe wiederverwerten? Können wir die Produkte effizienter nutzen, etwa reparieren? Und können wir am Ende des Produktlebens die einzelnen Komponenten wieder verwenden und recyceln? Wir müssen lernen, mit unseren Rohstoffen effizienter umzugehen.“

Und wie könnten die Rohstoffe ökologisch vertretbarer abgebaut werden? „Da wird in vielen Staaten bereits über ein Lieferkettengesetz diskutiert, wo man genauer drauf schaut, was in der Rohstoffkette so passiert, und damit die Verträglichkeit sicherstellt.“

"Die größte Sünde"

Aber mit Blick auf den riesigen Rohstoffverbrauch für die Energiewende, zerstören wir da nicht mehr, als es Nutzen bringt? „Ganz ehrlich, nichts zu machen ist die größte Sünde. Wir brauchen neue Visionen und konkrete Schritte, um diese umzusetzen – und das schnell“, erklärt Harald Friedl. Er ist derzeit bei der Klimakonferenz in Glasgow und berät als Experte für Kreislaufwirtschaft unter anderem das Weltwirtschaftsforum und Österreichs Klimaministerium. „Wir haben aber noch nicht das notwendige infrastrukturelle Rückgrat, das notwendig ist für eine Green Economy. Daher sind die Maßnahmen und Investitionen in eine faire, saubere und CO2-neutrale Zukunft zu begrüßen. Was aufhören muss, sind rückwärtsgewandte Investitionen und verschwendete Ressourcen für einen Status quo, der uns nicht weiterbringt, sondern nur schadet.“

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