Shell ist einer der weltgrößten Mineralöl- und Gaskonzerne und beschäftigt 86.000 Mitarbeiter.

© APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Wirtschaft
10/29/2021

Beim Ölmulti Shell ist ein Machtkampf ausgebrochen

Der amerikanische Starinvestor Daniel Loeb will den britisch-niederländischen Konzern aufspalten.

von Martin Meyrath

Der britisch-niederländischen Ölriese Shell hat Ärger im eigenen Haus, denn ein neuer Miteigentümer stellt die Konzernstruktur radikal infrage.

Der US-Hedgefonds Third Point hat eine Beteiligung im Wert von 643 Mio. Euro erworben und ist damit einer der größten Anteilseigner des Konzerns. Wie das Wall Street Journal und das Handelsblatt berichten, drängt Third Point darauf, Shell aufzuspalten: Ein Unternehmen soll weiterhin das traditionelle Geschäft mit Öl und Gas betreiben, der Bereich der erneuerbaren Energieträger soll in ein zweites ausgelagert werden. Der Versuch, unterschiedliche Investoreninteressen zu bedienen, führe zu einer in sich widersprüchlichen Konzernstrategie, so die Argumentation.

Bei Shell reagierte man zwar diplomatisch und verwies auf offene Gespräche mit allen Investoren, inklusive Third Point. Allerdings ließ das Management wenig Zweifel an seinem Standpunkt in der Frage. Finanzvorständin Jessica Uhl kommentierte, die Aufspaltung sei vielleicht finanziell überzeugend, würde „im echten Leben“ aber nicht funktionieren. Der Vorstandsvorsitzende Ben van Beurden reagierte auf den Vorwurf der widerstrebenden Ziele, indem er erklärte, die Strategie von Shell sei kohärent und würde von den meisten Investoren auch gut angenommen.

Der Ölgigant will seine CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2016 halbieren und bis 2050 klimaneutral werden. Shell steht allerdings unter Druck, mehr zu tun. Ein niederländisches Gericht hat den Konzern heuer dazu verpflichtet, seine CO2-Emissionen, inklusive derer aus Verbrennung seiner Produkte, bis 2030 um 45 Prozent zu reduzieren. Shell hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Aktivistischer Investor

Shell ist am Kapitalmarkt etwa 137 Mrd. Euro wert, Third Point hält also nicht mal ein halbes Prozent der Konzernaktien. Hinter dem New Yorker Hedgefonds steht der 59-jährige Amerikaner Daniel Loeb. Er gilt als „aktivistischer Investor“, was bedeutet, dass er versucht, die Strategie der Unternehmen, an denen er sich beteiligt, zu verändern.

Im Jahr 2012 kaufte er sich bei dem Internetkonzern Yahoo ein und erreichte einen Wechsel an der Konzernspitze. Im Folgejahr kaufte sich Loeb bei dem Elektronikkonzern Sony ein, seine Pläne zur Aufspaltung scheiterten jedoch. Der Hedgefonds Third Point verwaltet ein Vermögen von etwa 12,9 Mrd. Euro, unter anderem mit großen Aktienpaketen des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé.

Die Aktie von Shell brach am Donnerstag um etwa fünf Prozent ein, nachdem der Konzern enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatte. Abschreibungen und die Folgen des Hurrikans Ida führten zu einem Verlust von 383 Mio. Euro. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn betrug 3,5 Mrd. Euro.

1907
Wurde das Unternehmen gegründet, das zu einem der größten Mineralöl- und Erdgaskonzernen der Welt werden sollte. Shell beschäftigt 86.000 Mitarbeiter.

180,5 Milliarden US-Dollar
betrug der Umsatz des Konzerns 2020.

260 Tankstellen
betreibt Shell in Österreich. Das Unternehmen ist bereits seit 1924 im Land aktiv.

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