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Wirtschaft
04/17/2021

Bauholzpreise gehen durch die Decke

Leimbinder und Co. Seit Beginn des Jahres hat sich Preis nahezu verdoppelt. Die Gründe sind vielschichtig

von Anita Kiefer

„Aktuell bekommt man weder eine Preisauskunft noch eine Zusage für einen Liefertermin.“ Der Preis für Holzbauprodukte – etwa Holzleimbinder – steigt. Helmut Hödl, Geschäftsführer der Hödl Ingenieurholzbau GmbH aus Mautern in der Wachau, beobachtet die Preisentwicklung seit Jahresanfang mit Sorge. Der Preis für Holzbauprodukte habe sich seit Jänner nahezu verdoppelt.

Das Problem für Unternehmen wie das seine: Viele Aufträge wurden vergangenen Winter ausgehandelt und von seiner Seite dem Kunden Preise zugesichert – hier zahle man drauf, und im schlimmsten Falle würden für ihn Pönalen für eine durch die Holzknappheit verzögerte Lieferung fällig.

Überwiegend Fichte

Am Bau in Österreich wird in erster Linie Fichte eingesetzt. Gründe für die hohen Bauholz-Preise gibt es viele. Der Bauboom, der die Nachfrage in die Höhe treibt, ist einer davon. Ganz allgemein sind die Baupreise auf Rekordniveau, auch bei Stahl und Co.

Durch die Pandemie wird der Bauboom verstärkt – viele Menschen konsumieren weniger und investieren lieber ins Eigenheim. Schon davor war durch das Niedrigzinsumfeld ein gewisser Trend zum Bauen spürbar. Das ist aber kein österreichisches, sondern ein weltweites Phänomen. Überrascht vom starken Preisanstieg sind weder Herbert Jöbstl, Obmann der heimischen Holzindustrie, noch Felix Montecuccoli, Präsident der Land- und Forstbetriebe Österreich (sowie einer der größten privaten Waldbesitzer im Land).

Nur, dass es jetzt so schnell ging. Schon nach dem Sommer 2020 habe sich abgezeichnet, dass die Nachfrage steigt, sagt Jöbstl. Davor wurde weltweit, bedingt durch die Lockdowns, die Produktion von März bis Mitte Mai 2020 reduziert.

Als die Produktion wieder anzog, sei man mit vollen Lagern in die erhöhte Nachfrage gegangen. Die Lager sind mittlerweile leer. Der Verbrauch ist weltweit aber weiter groß. Hinzu komme ein in Europa relativ kalter Winter mit mehr Schnee als sonst, der die Produktion gedämpft habe. „Auch jetzt liegt etwa in Kärnten und Osttirol noch viel Schnee, nicht alles konnte abtransportiert werden.“

Dazu kommt eine stark gestiegene Nachfrage aus Amerika – Stichwort US-Konjunkturpaket und Käferplage in Kanada. Deutschland exportiere viel nach Amerika, so Jöbstl – angesichts attraktiver Preise. Natürlich fehle das Holz so in anderen Staaten Europas.

Auch die Preise für Rundholz – also das Holz, das vom Wald an die Sägewerke geliefert wird – sind gestiegen: auf aktuell gut 90 Euro pro Festmeter, erklärt Montecuccoli.

Im Vorjahr waren es noch rund 60 Euro. Schuld am extrem niedrigen Preis 2020 war das Überangebot durch die starke Borkenkäferproblematik im Jahr 2019.

Aktuell sei man wieder am Preisniveau der 80er-Jahre, rechnet er vor, habe aber Inflation und gestiegene Kosten zu bewältigen.

Vom aktuellen Niveau wäre daher noch „ein deutlicher Sprung notwendig“, sagt er. Von den hohen Preisen für Bauholz bekämen die Waldbesitzer nicht „den fairen Anteil“. Er wisse nicht, wo die Wertschöpfung liegen bleibe – jedenfalls „außerhalb des Waldes“.

„Nicht wir in Österreich machen die Weltmarktpreise – das ist umgekehrt“, sagt Holzindustrie-Obmann Jöbstl zur Preisentwicklung. Aber: „Der Heimmarkt wird immer gewinnen, schon wegen der Kostenvorteile beim Transport.“ Er sei sich sicher, dass sich Angebot und Preis wieder einpendeln. „Wie immer.“

„Wir werden liefern“

„Verwundert“ zeigt sich Montecuccoli über die Sägeindustrie, die das aktuell geringe Holzangebot am heimischen Markt beklage.

Immerhin sei es stets so, dass von März bis Mai in den Wäldern aufgeforstet und nicht geschlagen werde, die Holzernte starte erst danach. Pro Jahr werden in heimischen Wäldern in der Regel 17 bis 19 Millionen Festmeter Holz geerntet, 2020 war dieser Wert leicht darunter bei 16,4 Millionen Festmeter. „Wir werden auch heuer das Holz liefern, wie jedes Jahr.“

Die heimische Sägeindustrie mit rund 1.000 Betrieben und 6.000 Mitarbeitenden sei aktuell jedenfalls ziemlich ausgelastet, so Jöbstl.

„Wir können nicht auf die Schnelle 20 Prozent mehr Holz schneiden. Einige Betriebe können sicher noch Schichten dazunehmen, aber große Sprünge sind nicht möglich.“

Rund 60 Prozent der heimischen Sägeprodukte gehen in den Export. Im Jänner hätten die Exporte von Nadelschnittholz im Vergleich zum Vorjahr abgenommen, sagt Jöbstl – nämlich laut Statistik Austria um 12 Prozent. Neuere Zahlen gibt es noch nicht.

Noch ein Blick in die Zukunft: Dass die Nachfrage nach Holz weiter steigen wird, davon ist Jöbstl überzeugt. Wichtig sei daher aus seiner Sicht, bei der Verarbeitung noch effizienter zu werden – also mit weniger Kubikmetern Holz gleich viel Haus zu bauen – und das Thema Recycling voranzutreiben. „Etwa kann man bereits bei Planung und Bau schon darauf achten, dass man Produkte bei einem Abriss des Hauses später wieder voneinander lösen kann“ – und das verwendete Holz beispielsweise als Biomasse einsetzen kann.

Angst vor Käfer

Ein Thema der Zukunft ist auch der altbekannte Borkenkäfer, der sich in gewissen Lagen an der heimischen Fichte gütlich tut. Dass der Käfer auch heuer ein Problem darstellen wird, ist Felix Montecuccoli sicher. „Der Klimawandel ist ja nicht abgesagt.“

Die Frage sei nur, wie groß das Problem werde – das hänge vom Niederschlag in den kommenden Monaten ab.

Er hofft jedenfalls, dass es nur eine „Krise und keine Katastrophe“ wird – denn Krisen könne man managen. Das Jahr 2019 war übrigens in Sachen Käfer-Kalamitäten eine Katastrophe, sagt er.

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