© Wald4Leben

Chronik Niederösterreich
04/12/2021

Dem Waldviertel gehen die Bäume aus

Dem enormen Kahlschlag ist kaum hinterherzukommen. Start-up „Wald4Leben“ pflanzt nun klimafitte Bäume nach, die Firmen und Private finanzieren.

von Marlene Penz

Rund 20.000 Hektar Kahlschlagfläche – die hat der Borkenkäfer im Waldviertel seit 2017 hinterlassen. Die Wiederaufforstung ist jetzt die Hauptaufgabe für die Waldbesitzer – und da kommt man nicht hinterher.

Klimafitte Bäume

Laut Branchenvertretern fehlt es an Arbeitskraft, viele bewirtschaften den Wald nebenberuflich. Außerdem ist die Aufforstung nicht mehr so einfach wie einst, denn die pflegeleichte Fichte hat ausgedient, in den Waldviertler Höhenlagen gilt sie nicht mehr als zukunftsträchtig. „Die klimafitten Bäume sind Laubbäume wie Rotbuche und Feldahorn oder Weißtannen – sie brauchen mehr Pflege“, erklärt Lukas Schmalzbauer, Bio-Bauer und Waldbesitzer aus Göpfritz/Wild (Bezirk Zwettl). Das, und die Erfahrungen der letzten Jahre haben viele Waldbesitzer von der Wiederaufforstung abgehalten. „Viele wollen nicht mehr und werfen das Handtuch“, so der 28-Jährige.

Den Wald bzw. die Kahlflächen aber sich selbst zu überlassen bzw. gar wieder Fichten zu pflanzen, hält er für einen Fehler. Deshalb hat er gemeinsam mit Bernhard Trinko (32) im Vorjahr „Wald4Leben“ gegründet. „Wir möchten die Waldbestände wieder aufforsten und nachhaltig nutzbar machen“, erklärt Schmalzbauer.

Digitale Unterstützung

Und das passiert über Baumspenden durch Unternehmen oder Privatpersonen. „So kann jeder aktiv etwas zum Klimaschutz beitragen“, erläutert er. Mithilfe der Digitalisierung kann man ortsunabhängig daran teilhaben und die Wälder „besuchen“ – egal, „ob man in Salzburg, Graz oder Prag sitzt“. Alles wird digital über eine Onlineplattform abgewickelt – man kann mittels Virtual-Reality-Technik auch die Flächen besichtigen. „Außerdem haben wir Kameras installiert, die alle zwei Tage ein Bild machen. Irgendwann kann man dann im Zeitraffer den Bäumen beim Wachsen zusehen“, führt Schmalzbauer aus. Mittels Geolocation soll es außerdem jedem Spender möglich sein, seinen Baum bzw. seine Bäume auch „in echt“ wiederzufinden.

Auf dem ersten Projektgebiet – der eigenen Forstfläche von Schmalzbauer im Bezirk Waidhofen/Thaya – werden nun die ersten Bäume gepflanzt. „Wir wollten den Ball am Anfang flach halten, aber immer mehr Waldbesitzer haben sich bereits gemeldet und wir haben jetzt schon Partnerbetriebe, wo wir mit der Aufforstung beginnen“, erzählt er. Die Partner haben mit der Aufforstung keine „Arbeit“, die übernimmt „Wald4Leben“, genauso wie die Pflege für die ersten zehn Jahre. „Dann sind die Bäume zirka zimmerhoch, der Bestand gilt dann als in sich gesichert. Dann heißt es wachsen“, erläutert der Experte. Ab da übernehmen wieder die Waldbesitzer. 80 bis 100 Jahre später werden die Bäume dann gefällt – es ist also ein „Generationenprojekt so ein Wald – von dem zukünftige Generationen etwas haben“, meint Schmalzbauer.

"Aktiver Beitrag zum Klimaschutz"

Auch bei den Unternehmen stößt das digitale Aufforstungsprojekt auf Interesse, das erfolgreiche Wiener Technologie-Start-up Refurbed etwa lässt für jeden Mitarbeiter einen Baum pflanzen und möchte künftig für Verkäufe weitere kaufen. Eine Zusammenarbeit mit einem großen Player im Einzelhandel wird laut „Wald4Leben“ auch demnächst bekannt gegeben. Am Ende des Tages würden alle Beteiligten von der Wiederaufforstung und den klimafitten Mischwäldern profitieren. „Die Firmen können einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz direkt in Österreich leisten und die regionale Wertschätzung wird gesteigert“, betont Schmalzbauer.

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