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Wirtschaft
06/05/2021

Bauholz: Kein Ende der hohen Preise in Sicht

Richard Stralz, Obmann von proHolz Austria, sieht in naher Zukunft wegen der weiterhin hohen Nachfrage und internationaler Entwicklungen keine Entspannung.

von Anita Kiefer

„Was wir jetzt erleben, hat es in den vergangenen 40, 50 Jahren nicht gegeben.“ Richard Stralz, Obmann der Interessensvertretung proHolz Austria und CEO der Mayr Melnhof Holz AG, spricht von der Preisentwicklung beim Bauholz. Anders als andere sieht er die Entwicklung aber nicht so dramatisch, wie sie hĂ€ufig erscheint. „Wir befinden uns jetzt erstmals in guter Gesellschaft mit allen anderen Materialien – Metall, Stahl, Beton, DĂ€mmstoffe, Befestigungen, Glas.“ Denn auch hier steigen die Preise, weil die Nachfrage seit Monaten konstant hoch ist, wie der KURIER mehrfach berichtete. Holz sei aber von allen angesprochenen Materialien eines, das gut verfĂŒgbar ist – wenn auch bei deutlich höheren Preisen und lĂ€ngeren Lieferzeiten, ist er sicher.

Im MĂ€rz 2021 lag der Schnittholzpreis-Index laut Fachverband der Holzindustrie Österreichs bei 141,5 Prozent – ein neuer Höchstwert. GegenĂŒber dem MĂ€rz 2020 bedeutet das einen Anstieg um gut 26 Prozentpunkte. Bei den GrĂŒnden fĂŒr diesen Anstieg mĂŒsse man aber „die Kirche im Dorf lassen“, meint Stralz. „Ja, Amerika ist in aller Munde, China ist in aller Munde.“ Aber: „Der Schnittholzmarkt in Europa umfasst rund 100 Millionen Kubikmeter. Davon gehen jetzt rund acht Millionen Richtung Amerika, und davor waren es drei oder vier Millionen Kubikmeter.“ Er sieht in der allgemein gestiegenen Nachfrage den Hauptgrund fĂŒr die gestiegenen Preise.

Das GerĂŒcht, es gĂ€be eine kĂŒnstliche Verknappung – dass Betriebe Holz in großen Mengen aufkaufen und einlagern –, kenne er, so Stralz, könne es aber fĂŒr die produzierende Industrie „ausschließen. Bei uns geht alles raus.“ Die LagerstĂ€nde seien „extrem niedrig“∙

Die Diskussion rund um den Vorwurf der Forstwirtschaft, die Wertschöpfung aus den gestiegenen Bauholzpreisen bleibe ĂŒberall anders liegen, nur nicht beim Forst, bezeichnet Richard Stralz als „heißes Eisen“. Er argumentiert: „Ich bin extrem froh, dass die gesamte Wertschöpfungskette endlich wieder Geld verdient.“ Auch die Preise fĂŒr Rundholz seien seit August des Vorjahres ja um 45 Prozent angestiegen. Die Preissteigerung sei von der Urproduktion bis zum Endkunden durchgĂ€ngig. Die Aufteilung des Kuchens könne man „natĂŒrlich immer diskutieren“.

Einen RĂŒckgang der Preise am Weltmarkt sieht er in absehbarer Zukunft „eher nicht“. In Amerika werde der Bedarf weiter hoch bleiben. PrĂ€sident Joe Biden hat erst kĂŒrzlich den Einfuhrzoll fĂŒr Schnittholz aus Kanada wieder auf knapp 20 Prozent erhöht. Auch der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat ein Gesetz verabschiedet, das den Rundholz-Export fast unterbindet – und China habe allein an Rundholz zwischen sechs und acht Millionen Festmeter importiert. „Dazwischen sind wir EuropĂ€er“, sagt Stralz.

Eine der großen Diskussionen der Zukunft ist aus Stralz’ Sicht, wie es eine möglichst gleichförmige Versorgung mit Holz geben kann. „Die Großbetriebe ernten sehr gut planbar.“ Das Thema seien die kleinen und kleinsten WĂ€lder, die rund 50 Prozent der WaldflĂ€che in Österreich ausmachen. Hier brĂ€uchte es eine bessere Zusammenarbeit und AufklĂ€rung der Interessensvertretungen.

Neues Werk

Bei der Mayr Melnhof Holz AG selbst hat vor Kurzem der Spatenstich zum neuen Brettsperrholzwerk im steirischen Leoben stattgefunden. Es handelt sich laut Angaben des Unternehmens mit 150 Millionen Euro um die grĂ¶ĂŸte Investition der Firmengeschichte. In Leoben gibt es bereits ein SĂ€gewerk, das neue Werk soll Ende 2022 bis Anfang 2023 in Vollbetrieb gehen.

Die PlĂ€ne, ein neues Werk in Amerika zu kaufen, gebe es nach wie vor, bestĂ€tigt Stralz gegenĂŒber dem KURIER. Allerdings sei jetzt „nicht die beste Zeit“ fĂŒr einen Kauf. Es gebe aktuell nichts Konkretes. Aber: „Wir halten die Augen offen.“

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