Die Fertigung bei Herstellern wie Daimler läuft wieder, allerdings mit reduzierten Kapazitäten.

© EPA/RONALD WITTEK

Gipfel
05/05/2020

Autoindustrie fordert Kaufprämien

Die deutsche Regierung berät sich heute mit Herstellern. Umweltschützer lehnen Kaufzuckerl ab.

von Martin Meyrath

Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung am Montag mitgeteilt hat, ist die Geschäftslage in der Autobranche derzeit schlecht wie nie. Die großen Hersteller mussten im Zuge der Corona-Krise vorübergehend ihre Produktionen aussetzen und die weiteren Aussichten werden durch Arbeitslosigkeit und die Einkommenseinbußen vieler Haushalte getrübt.

„Die Autoindustrie gehört zu den am härtesten von der Krise getroffenen Ökosystemen und ist so stark in den europäischen Binnenmarkt integriert wie keine andere“, konstatierte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton und stellte der Branche umfangreiche Mittel aus dem Wiederaufbau-Fonds in Aussicht.

Die deutsche Bundesregierung hat die Branchenvertreter angesichts dieser Situation für heute, Dienstag, zu einem Autogipfel geladen. Dabei soll über die Unterstützung der Branche nach dem Vorbild der Abwrackprämie im Schatten der Finanzkrise von 2009 beraten werden.

Autoindustrie und Fahrzeughandel, sowohl in Deutschland als auch in Österreich, fordern solche Kaufprämien. Der Verband der österreichischen Kraftfahrzeug-Betriebe (VÖK) erhofft sich dadurch eine volkswirtschaftliche und ökologische „Win-win-Situation“. Josef Schirak, Handelsvertreter in der Wirtschaftskammer (WKÖ), verwies in einer Aussendung darauf, dass in Österreich 350.000 bis 400.000 Arbeitnehmer „direkt oder indirekt mit dem Auto verbunden sind“.

Während Branchenvertreter auf Zusagen drängen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorab erklärt, dass es am Dienstag keine Beschlüsse geben werde. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich bereits im April dafür ausgesprochen, etwaige Unterstützungsleistungen an ökologische Auflagen zu binden.

Klimafrage

Geht es nach der Industrie, soll die Förderung freilich nicht nur alternative Antriebe erfassen, sondern auch für Benziner und Dieselfahrzeuge gelten, zumal diese inzwischen schadstoffarm seien. Kritiker verweisen hingegen darauf, dass die Herstellung eines neuen Fahrzeuges im Schnitt so viel verursache, wie 30.000 Kilometer zu fahren.

Greenpeace hat erwartungsgemäß wenig Freude mit dem Konzept. „Käufer von Neuwagen fahren selten Autos an der Grenze zur Nutzungsdauer“, heißt es in einem Papier der Umweltorganisation. „Entsprechend vernichtet eine Abwrackprämie nicht nur schrottreife Autos, sondern auch Zigtausende funktionstüchtige Fahrzeuge in der Mitte ihres Lebenszyklus.“

Gegenwind hat die Maßnahme allerdings auch aus der Wissenschaft. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, bezeichnete sie als „entbehrlich“, für die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer handelt es sich dabei um „puren Lobbyismus“. Geht es nach Forschern der Uni Wien und der Universität für Bodenkultur, sollte die Politik stattdessen in die Mobilitätswende investieren.

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