Wirtschaft
04/08/2019

Ausgekocht: Fragwürdige Riesenpleite eines Wiener Nobelrestaurants

Die Umsätze 2017 sollen "extrem geschönt", der Eigenverbrauch und die Einladungen in Höhe von 593.000 Euro erst kürzlich entdeckt worden sein. Vorwürfe werden bestritten.

Diese Gastro-Pleite könnte sich am Ende eher als Krimi entpuppen: Ende des Vorjahres kam zu einem Zerwürfniss zwischen dem (früheren )handelsrechtlichen Geschäftsführer und den neuen Eigentümern, teilt das Gastro-Unternehmen dem Gericht mit. Trotz Kapitalzuschüssen wurde die wirtschaftliche Situation nicht besser. Dazu kam, dass der Steuerberater beim Erstellen der Bilanz 2017 (Entwurf) „leider auf eine böse Überraschung gestoßen" sein soll. Alleine die Einladungen und der angebliche Eigenverbrauch (der Alt-Gesellschafter) sollen im Jahr 2017 rund 593.000 Euro ausgemacht haben. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe als völlig haltlos zurückgewiesen.

Jetzt musste die Reißleine gezogen werden. Die Rede ist von der Wiener LAV Restaurantsbetrieb GmbH, die am Wiener Graben 30, das Nobel-Resturant LAV betreibt. Sie hat laut Gerhard Weinhofer von Gläubigerschutzverband Creditreform am Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren beantragt. Das Unternehmen wird von der renommierten Anwaltskanzlei SUP Schulyok Unger & Partner vertreten. Als Insolvenzverwalterin wurde die Sanierungsanwältin und Gastro-Expertin Eva Wexberg bestellt.

11.528 Facebook-Follower

Seit November 2018 gibt es auch einen neuen Geschäftsführer. Eigentümer der LAV sind Loran Pejcinoski und Emilija Grankova je zur Hälfte. Sie waren zuvor nicht in der Gastronomie-Branche tätig. Sie sollen sich angeblich auf die Angaben der früheren Gesellschafter und offenbar auf den im Dezember 2018 abgelösten handelsrechtlichen Geschäftsführer verlassen haben.

Detail am Rande: Das Name LAV ist offenbar ein kroatischer bzw mazedonischer Vorname und die Söhne der Eigentümer tragen diesen als zweiten Vornamen. Das LAV selbst ist ein angesagtes Lokal, auf Facebook hat es eine Community von 11.528 Personen. Die Öffnungszeiten sind von 09.00 Uhr bis 00.00 Uhr. Laut Restaurantführern sollen aber Hunde nicht erlaubt sein. (Angaben zum weiteren Firmennetz der Familie siehe unten)

Lokaleröffnung mit viel Prominenz

Das Lokal wurde am 9. Juli 2018 neu eröffnet, bei der Eröffnung dabei der britische Beau und DJ Jack Guiness, die DJane Amber Le Bon, FC-Bayern-Kicker David Alaba mit Mutter Gina, Hubertus von Hohenlohe mit Begleitung, Lilan Klebow, Fußballer Stefan Maierhofer, Designerin Anelia Peschev, Werber Rudi Nemecek und der ORF-Beau Roman Rafreider moderierte.

Die Speisekarte des LAV kann sich sehen lassen, die Preise entsprechen der Toplage in der Innenstadt.

Der Hintergrund der Pleite

"Mitte März hat sich die tatsächliche Lage des Betriebs offenbart, wonach nicht nur der Umsatz wesentlich geringer war als anläßlich des Kaufes der Geschäftsanteile der G30 Restaurantbetriebs GmbH (im Februar 2018) ausgewiesen, sondern auch die Verbindlichkeiten wesentlich höher war als angenommen und das Unternehmen massiver Verluste machte", wurde dem Gericht mitgeteilt. Dazu kamen zu hohe Personalkosten aufgrund einer hohen Anzahl teurer Mitarbeiter. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe als völlig haltlos zurückgewiesen.

Laut KSV1870 soll das Lokal zu Hochzeiten 67 Mitarbeiter beschäftigt haben.

Und bei der Finanz sollen zusätzlich 100.000 Euro offen sein. Außerdem gab es "unvorteilhafte bis nicht erfüllbare Lieferverträge", die dem Betrieb "jeden Spielraum beim Einkauf genommen" haben sollen. Die Auflösungen eines Vertrages mit dem Kaffeelieferanten kostet angeblich mehr als 40.000 Euro und beim Bierlieferanten steigen die Zahlungsverpflichtungen auf potenziell 120.000 Euro.

 

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 983.200 Euro beziffert, davon entfallen 395.800 Euro auf Lieferungen und Leistungen, 202.700 Euro auf Mieten, 200.700 Euro auf Abgaben und 183.900 Euro auf die Mitarbeiter.

Die Aktiva bestehen aus Investitionen in Höhe von 2,106 Millionen Euro, davon entfallen 1,625 Millionen Euro auf Investitionen einen "fremden Betrieb bzw. fremdes Geschäftsgebäude", weitere 74.100 Euro in den Gastgarten, 117.400 Euro in die Beleuchtungs- und Beheizungsanlage, 141.700 Euro in die Küche, 67.300 Euro in Büromaschinen und EDV und weitere 74.750 Euro in die Geschäftsausstattung. Das Umlaufvermögen wird mit 110.500 Euro beziffert, davon entfallen 80.700 Euro auf Vorräte und knapp 30.000 Euro auf Bar- und Bankguthaben.

Missstände im Rechnungswesen

Da die neuen Eigentümer dem bestehenden Rechnungswesen ihrer Vorgänger nicht über den Weg trauen, haben sie neue Steuerberater mit der Aufarbeitung der Buchhaltung beauftragt. Diese sollen aber wochenlange von der früheren Steuerberatung keine Unterlagen erhalten haben. Das wird jedenfalls im Sanierungsantrag behauptet.

3,855 Millionen Euro Schulden

Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 wurde am 29. Dezember 2018 eingereicht, also von den Neuen Eigentümern. Darin werden der Bilanzverlust mit 1,466 Millionen Euro und der Schuldenberg mit 3,855 Millionen Euro beziffert. Das negative Eigenkapital beträgt 1,431 Millionen Euro. Sechs Tage zuvor wurde bereits der handelsrechtliche Geschäftsführer abgelöst und ein neuer Geschäftsführer eingesetzt.

Dazu muss man wissen, dass das Lokal unter der früheren Bezeichnung "Graben 30" nicht nur 2017, sondern auch 2016 Verluste schrieb. Der Bilanzverlust 2016 wird mit 815.600 Euro bezifffert, das negative Eigenkapital mit 780.600 Euro und die Verbindlichkeiten mit 3,28 Millionen Euro.

Das Vermögen bestand 2017 vor allem aus Sachanlagen (2,072 Millionen Euro), Vorräten (80.700 Euro), Forderungen und andere Vermögensgegenstände (182.000 Euro) und 88.800 Euro Bankguthaben.

Die Zukunft

Das Lokal wurde in den vergangenen Wochen Restrukturierungsmaßnahmen unterzogen. Die Speisekarte wurde vereinfacht, das Personal reduziert und unvorteilhafte Lieferverträge gekündigt. Mit diesen Maßnahmen soll ein positiver Fortbetrieb ermöglicht werden. Den Gläubigern soll laut Creditreform ein Sanierungsplan geboten werden.

Weitere Pleite

Am 3. April 2019 wurde auch über die Euris Handel GmbH mit Sitz in Wiener Graben 30 ein Konkurs eröffnet. Die Firma gehört zu 70 Prozent Marko Pejcinoski und den Rest der Anteile hält Loran Pejcinoski. Marko ist Lorans Vater. Beide sind auch als Geschäftsführer eingetragen. Die Aluminiumhandelsfirma Euris kaufte im Sommer 2012 von der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank eine Beteiligung an der kroatischen Alu-Gruppe TLM-TVP. Die Euris Handel hatte früher zehn Angestellte.

Nicht insolvent

Zu Loran Pejcinoskis Firmennetz gehören auch eine 50-Prozent-Beteiligung an der Urban Air Holding, deren Tochterfirma einen Indoor-Adventure-Park in der SCS betreibt, sowie je 50 Prozent an der B-Individual Clothing GmbH und an der Finatrust Immobilien. Diese Firmen sind nicht von der Insolvenz betroffen.