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Insolvenzverfahren
03/28/2019

Ausgefuchst: Millionenpleite eines Online-Zustelldienstes

Geschäftsidee ging nicht auf, Gesetzesänderung läutet das Aus ein. Fast vier Millionen Euro Schulden.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Realistischer Weise ist kein relevantes, verwertbares Vermögen vorhanden. Bilanziell bildet den Asset-Teil hauptsächlich aktivierte Software, welche jedoch nur unter Fortführungs-Annahmen einen Wert darstellt. Es gibt zwei Kfz einen Smart und und einen Jaguar“, heißt es im Insolvenzantrag. „Eine Fortführung macht aus derzeitiger Sicht nur für einen kurzen Zeitraum, der zur allfälligen Verwertung des Unternehmens als Ganzes und zwar mit aufrechtem Geschäftsbetrieb genutzt werden könnte, Sinn. Mit dem Insolvenzverwalter wird es zeitnah zu evaluieren sein, wann eine Schließung sinnvoll sein wird.“

3,98 Millionen Euro Schulden

Die Postserver Onlinezustelldienst GmbH mit Sitz in der Wiener Mariahilfer Straße hat am Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Konkursverfahrens beantragt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Das Unternehmen hat 3,35 Millionen Euro Schulden bei Banken und 630.000 Euro „sonstige Verbindlichkeiten. Das Unternehmen wird vom renommierten Sanierungsexperten und Anwalt Georg Unger vertreten.

 

Viel Fremdkapital

„Das Unternehmen ist im Bereich der gesicherten E-Zustellung, also der digitalen, postalischen Zustellung tätig“, teilt das Unternehmen dem Gericht mit.  „Die Finanzierung des Unternehmens erfolgte zum Teil durch Eigenkapital, jedoch großteils über Fremdkapital. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen auf der Suche nach einem Eigenkapitalinvestor, wobei es mehrere sehr konkrete Gespräche gab, welche am Ende leider erfolglos blieben.“

Der Hintergrund

Grund für die Pleite soll vor allem der Wegfall eines relevanten Marktpotentials durch gesetzliche Änderungen sein. „Das Deregulierungsgesetz 2017, welches einen marktmäßigen Durchbruch für die E-Zustellung bedeutet hätte, wurde seitens der Politik in einem für die Antragstellerin wesentlichen und kritischen Bereich massiv eingeschränkt“, heißt es weiter. „Die Grundidee, ein Gesamtverzeichnis aller möglichen Teilnehmer -  aus FinanzOnline, Bundesrechenzentrum BRZ, Post, Postserver, etc. - zu schaffen, welches von jedem registrierten Versender, unter zu Hilfe eines Versanddienstes abgefragt werden kann, wäre der Durchbruch für das Unternehmen gewesen.“

Und weiter heißt es: Leider aber wurde nun bekannt, dass sämtliche Privatwirtschaften (Firmen) und Private als mögliche Versender ausgeschlossen werden sollen. Dies bedeutet, dass nur noch Behörden - und dies nur zum Zwecke der Versendung von RsA und RsB Schreiben dieses Verzeichnis abrufen dürfen. Kein Unternehmen und kein Privater bekommt Zugang zu diesem Teilnehmerverzeichnis.“ Somit wurde der Antragstellerin die Basis für eine weitere positive Unternehmensentwicklung entzogen."

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