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Wirtschaft
11/07/2019

Jobabbau: AUA streicht bis zu 800 Stellen

Sparpaket: Vom Ziel, heuer Gewinn zu schreiben, hat sich die Luftlinie schon verabschiedet.

Heuer noch Gewinn zu schreiben - von diesem Ziel hat sich die Austrian Airlines endg√ľltig verabschiedet. Man k√∂nne rote Zahlen im Gesamtjahr 2019 nicht mehr ausschlie√üen, erkl√§rte AUA-Finanzchef Wolfgang Jani Donnerstagfr√ľh in einer Aussendung. Schon l√§nger wurde spekuliert, dass die Lufthansa-Tochter √ľber ein dickes Sparpaket die R√ľckkehr in die Gewinnzone schaffen will. Nun ist das Volumen bekannt: 90 Millionen Euro sollen eingespart werden.

"Keinen Millimeter zur√ľckweichen"

700 bis 800 Planstellen sind laut KURIER-Informationen betroffen, der Gro√üteil soll bis 2021 √ľber nat√ľrliche Fluktuation abgebaut werden. Der Abbau soll sozial vertr√§glich sein und alle Bereiche - Boden und fliegendes Personal - betreffen. Alle Crew-Basen in den Bundesl√§ndern werden geschlossen, Mitarbeiter erhalten Wechselangebote nach Wien. Die Verbindung nach Miami wird sofort gestrichen, die letzte Maschine von dieser Strecke landet am Freitag in Wien.

Zur Verteidigung des Standortes Wien werden kleinere Flugzeuge gegen gr√∂√üere ausgetauscht, da dadurch mit weniger Personal mehr Passagiere bef√∂rdert und Kosten eingespart werden k√∂nnen. AUA-Chef Alexis von Hoensbroech will am Wiener Flughafen "um keinen Millimeter zur√ľckweichen". Er will sich nicht in die Low-Cost-Ecke dr√§ngen lassen und die Nummer-1-Position der AUA in Wien halten.

‚ÄěDiese Katastrophe war absehbar. Dass es soweit kommen musste, daf√ľr ist die Wirtschaftskammer √Ėsterreich zum Gutteil mit in die Verantwortung zu ziehen", sagt Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. Sie habe seit Jahren Sozialpartnerverhandlungen √ľber einen Branchen-Kollektivvertrag f√ľr die Airlines mit Heimatbasen am Flughafen Wien verweigert und die Standortpolitik an die ausl√§ndischen Vorstandsetagen diverse Airlines delegiert.

Jetzt vernichte der beinharte Wettbewerb die ersten 500 Jobs. Mit einer Sozialpartnereinigung √ľber einen Branchen-KV und einer gemeinsamen Standortpolitik im Sinne der √∂sterreichischen Volkswirtschaft h√§tte das verhindert werden k√∂nnen.

"Die Billigflieger-Schwemme und die gestiegenen Kerosinkosten dr√ľcken auf die Ticketpreise und somit auf unser Ergebnis", erkl√§rte AUA-Finanzchef Jani. Der AUA-Vorstand versch√§rft deshalb seinen Sparkurs. Anstatt 30 Mio. Euro sollen nun die Personal- und Sachkosten bis Ende 2021 j√§hrlich um 90 Mio. Euro gesenkt werden. √úber Details will die AUA zu Mittag in einer Pressekonferenz in Schwechat informieren. Es wird erwartet, dass die AUA Mitarbeiter abbaut. Aktuell hat das Unternehmen 7.038 Mitarbeiter, vor einem Jahr waren es noch 7.104.

Nach neun Monaten ist der bereinigte operative Gewinn (Ebit) um 85 Prozent, von 110 auf 17 Mio. Euro, eingebrochen. In den Sommermonaten, dem dritten Quartal, lag das Ergebnis bei 70 Mio. Euro, um 33 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Während die Erlöse in den ersten drei Quartal um zwei Prozent auf 1,696 Mrd. Euro sanken, stiegen die Kosten um vier Prozent auf 1,679 Mrd. Euro. Die Kerosinrechnung alleine ist den Angaben zufolge heuer bisher um 47 Mio. Euro höher ausgefallen, das ist ein Anstieg um 14 Prozent.

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