© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
11/05/2019

Wie Austrian Airlines mit neuem Boardingsystem flotter abheben wollen

Lufthansa, AUA und Swiss testen ab Donnerstag ein neues Einsteigsystem. Damit soll Zeit gespart werden.

Passagiere des Lufthansa-Konzerns mĂŒssen sich beim Einstieg ins Flugzeug auf ein neues Verfahren einstellen, mit dem die Fluggesellschaft wertvolle Zeit sparen will. "Zwei Minuten hören sich erst einmal nicht viel an, sind aber schon rund zehn Prozent des Boarding-Prozesses", sagt Vicky Scherber, die seit einem guten Jahr an dem neuen System tĂŒftelt.

Nebenbei sollen mit der neuen Methode die stressigen Konflikte minimiert werden, die beim Gerangel um den richtigen Sitz und ausreichenden Platz fĂŒr das HandgepĂ€ck entstehen.

Im Grundsatz werden die Passagiere kĂŒnftig danach aufgeteilt, ob sie einen Platz am Fenster, in der Mitte der Sitzreihe oder am Gang gebucht haben. Bei amerikanischen Fluggesellschaften, aber auch bei Air France oder British Airways lautet die Reihenfolge beim Einsteigen lĂ€ngst "Window-Middle-Aisle", liebevoll auch "Wilma" abgekĂŒrzt. Der Lufthansa-Konzern will dieses Konzept ab Donnerstag (7. November) auf Europa-FlĂŒgen seiner Netz-Gesellschaften Lufthansa, Austrian Airlines (AUA) und Swiss ĂŒber den Winter einfĂŒhren.

Gruppen 1 bis 5

Auf der fĂŒr Wenigflieger ohnehin schon komplexen Bordkarte werden die Lufthansa-Gesellschaften neben Abflug-Gate und Sitzplatz-Nummer eine weitere Rubrik eintragen, nĂ€mlich die Boarding-Gruppen 1 bis 5. UnverĂ€ndert dĂŒrfen zunĂ€chst Familien mit kleinen Kindern und hilfsbedĂŒrftige oder mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte GĂ€ste einsteigen, sagt Scherber, die bei der Lufthansa-Group fĂŒr die Passagier- und GepĂ€ckprozesse verantwortlich ist.

Dann kommen in den Gruppen 1 und 2 die privilegierten Stammkunden (Senatoren, Hons) sowie Passagiere mit teuren Business- oder Ecoflex-Tickets, unabhĂ€ngig von der gebuchten Sitzposition. Gruppe 3 meint dann die Economy-Passagiere mit Fensterplatz, Gruppe 4 die Mitte und schließlich die 5 fĂŒr Menschen, die am Gang sitzen. Diese PlĂ€tze sind besonders bei groß gewachsenen Menschen beliebt.

Keine Trennung

Familien, Paare und Gruppen wĂŒrden zum Einsteigen aber nicht getrennt, versichert die Lufthansa-Expertin Scherber. Die Software sorge dafĂŒr, dass zusammen gebuchte Passagiere in dieselbe Boarding-Gruppe kĂ€men und dann auch gemeinsam einsteigen könnten. Zumindest dieses Problem gab es nach dem bisherigen System nicht, wo die Passagiere gestaffelt nach Sitzreihen ins Flugzeug gelassen wurden.

In Internet-Foren zeigen sich erfahrene Flugreisende nur wenig optimistisch, dass das neue Boardingverfahren vieles positiv verĂ€ndern wird. Den eigentlichen Grund fĂŒr die Staus im Gang sehen sie nĂ€mlich im knappen Platz in den GepĂ€ckschalen oberhalb der Sitze, den "Bins". Seitdem die Airlines fĂŒr jedes aufgegebene GepĂ€ckstĂŒck zusĂ€tzliche GebĂŒhren verlangen, reicht der Platz auf einem vollbesetzten Mittelstreckenflug nur noch fĂŒr die Utensilien einer guten HĂ€lfte der rund 200 Passagiere.

HandgepÀck als Problem

Ein weiteres Problem: Viele FluggĂ€ste sind zu Beginn des Boardings noch gar nicht am Flugsteig, sondern hetzen als Umsteiger auf den letzten DrĂŒcker zum Flieger. Selbst mit der besten Voreinteilung lĂ€sst sich daher nicht verhindern, dass auch ganz am Schluss des Prozesses noch Passagiere mit FensterplĂ€tzen in die Kabine kommen.

Wer zuletzt kommt, hat dann hĂ€ufig Probleme, noch eine LĂŒcke zu finden. Im Zweifel wandert sein GepĂ€ck noch in den Frachtraum. "Solange sie nicht endlich das HandgepĂ€ck auf eine Menge beschrĂ€nken, die in den Bins Platz hat, werden auch die ausgeklĂŒgeltsten Boarding-Verfahren nichts nĂŒtzen", unkt beispielsweise ein Vielflieger aus BrĂŒssel.

"NatĂŒrlich gehen wir im Zuge der Umstellung auch das Thema HandgepĂ€ck an", versichert Scherber. Es gebe inzwischen deutlich mehr Kontrollen und zudem verstĂ€rkt Aufforderungen, die Taschen und Rollkoffer doch noch kurz vor Abflug freiwillig und unentgeltlich abzugeben. Doch letztlich behalten viele Menschen ihre Sachen gerne bei sich, auch um am Zielflughafen Zeit zu sparen. Mit dem neuen Boarding-Prozess geht diese Rechnung fĂŒr Menschen, die gerne am Gang sitzen, wohl seltener auf.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare