© Ankerbrot/Katharina Schiffl

Ankerbrot
09/19/2020

Ankerbrot: Mehr Homeoffice, weniger Kunden

Geschäftsführer Walter Karger über Kurzarbeit, verändertes Kundenverhalten und neue Vertriebskanäle.

von Kid Möchel

Die Bäckerei-Gruppe Ankerbrot wurde 1891 gegründet und hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Zwei Weltkriege wurden überlebt und manch’ andere Krise. In neuerer Zeit ist es auch zu Eigentümerwechseln gekommen. Seit 2013 gehört Ankerbrot zur Austro Holding und Grosso Holding um den Investor Erhard Grossnigg. Es handelt sich um ein langfristiges Investment. Heute betreibt das Unternehmen unter den Marken Anker und Linauer Backstube rund 130 Filialen mit Schwerpunkt Wien. Walter Karger ist seit Anfang 2018 Geschäftsführer von Ankerbrot. Ende 2021/Anfang 2022 soll mit dem Bau des neuen Ankerbrot-Standorts in Wien-Simmering begonnen werden.

KURIER: Herr Karger, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ankerbrot?

Walter Karger: Wir haben uns seit Beginn auf drei Punkte fokussiert. An erster Stelle steht natürlich der Schutz unserer Kundinnen und Kunden und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommt, dass wir uns unserer Verantwortung als Produzent von Grundnahrungsmitteln bewusst sind, und auch in der Lockdown-Phase alles unternommen haben, um hier den Betrieb aufrecht zu erhalten.

… und wirtschaftlich?

Und der dritte Punkt ist natürlich die wirtschaftliche Situation. Da haben auch wir alle Möglichkeiten, die uns die Bundesregierung zur Verfügung gestellt hat, wie Kurzarbeit und Stundungen von diversen Abgaben, in Anspruch genommen. Das hat uns geholfen, uns bisher relativ stabil durch die Krise zu bringen.

Wie viele Leute schickten Sie in Kurzarbeit?

Die Ankerbrot-Gruppe besteht aus mehreren Gesellschaften und wir beschäftigen insgesamt rund 1.300 Mitarbeiter. Wir haben fast alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit angemeldet, mit ein paar wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel die Brotproduktion. Diese ist kontinuierlich durchgelaufen. Mit Ende Juni haben wir die Kurzarbeit so gut wie beendet. Es gibt nur noch an ein paar wenigen Standorten, wo die Kundenfrequenz extrem schlecht ist, eine Verlängerung der Kurzarbeit.

Sie sind durch die Corona-Krise ja mehrfach betroffen, da Ihnen Vertriebswege weggebrochen sind.

Wir sind in drei wesentlichen Vertriebskanälen tätig, das größte Volumen hat unser Filialgeschäft. Hier waren wir durch die Ausgangsbeschränkungen im Frühling und das Wegbleiben unserer Kunden stark betroffen.

Ihr zweites Standbein ist die Belieferung des Lebensmittelhandels.

Dort hätte ich mir erwartet, dass wir als Produzent von Grundnahrungsmitteln nicht betroffen sind. Das war anfangs auch der Fall, als verstärkt eingekauft wurde. Da sind wir in drei Schichten rund um die Uhr gefahren. Danach ist die Frequenz der Einkaufsaktivitäten aber deutlich zurückgegangen und es wurden Produkte mit längerer Haltbarkeit gekauft. Da hat der Verkauf von frischem Gebäck gelitten. Und die Gastronomie ist uns mehr oder weniger komplett weggebrochen.

Sie haben aber auch neue Produkte in der Krise auf den Markt gebracht.

Wir haben sehr rasch überlegt, wie wir auf das geänderte Kundenverhalten reagieren können. Für unsere Kunden aus dem Lebensmittelhandel haben wir einige neue verpackte Produkte entwickelt. Unsere Partner können sich auf uns verlassen. Wir waren immer und bleiben das natürlich auch in Zukunft: ein verlässlicher, stabiler, österreichischer Lebensmittellieferant.

Aber es gibt Filialen, wie am Flughafen und in der Wirtschaftsuni Wien, die geschlossen wurden.

Den Standort am Flughafen haben wir wieder eröffnet mit reduzierten Öffnungszeiten. Die Filiale bei der Wirtschaftsuniversität war insofern stark betroffen, dass die Gastronomie nicht betrieben werden konnte und seit März keine Studenten an der Uni waren. Seit Anfang September haben wir auch dort wieder geöffnet. Wir wissen aufgrund der aktuellen Lage allerdings nicht, wie sich die Frequenzen nun im Herbst und Winter entwickeln.

Die Gastronomie wurde Ende Mai wieder hochgefahren, wie schaffen Sie das heurige Jahr wirtschaftlich?

Etliche unserer Kunden aus der Gastronomie haben erst gar nicht aufgesperrt, einige funktionieren sehr gut. In unseren Filialen haben sich die Geschäfte wieder etwas verbessert. Wir haben aber eine sehr unterschiedliche Filialstruktur, in Wohngebieten haben wir in der Phase des Lockdowns die Nahversorgung übernommen. Wir haben aber auch Filialen an sehr hochfrequenten Standorten wie auf Hauptbahnhöfen, wo die Frequenz enorm zurückgegangen ist. Und wie gesagt: Wie sich die Situation jetzt im Herbst und Winter darstellen wird, das wissen wir alle nicht. Es wird also ein sehr schwieriges Jahr für die gesamte österreichische Wirtschaft werden.

Sie hatten 2019 einen Umsatz von 111,6 Millionen Euro, den werden sie nicht erreichen?

Es wird sicherlich kein dreistelliger Umsatz mehr sein.

Wann glauben Sie, dass sie wieder das Vorkrisenniveau erreichen?

Beim Lebensmittelhandel bin ich sehr optimistisch, dass wir mit Innovationen und neuen Produkten das normale Niveau wieder erreichen werden. Beim Filialbereich ist es für mich extrem schwer, abzuschätzen, inwieweit sich das Verhalten der Konsumenten langfristig verändern wird. Wenn beispielsweise zukünftig generell mehr Homeoffice stattfindet, kann dies auch dauerhaft in eine reduzierte Kundenfrequenz münden. Ich denke, dass es bei den Filialen sehr schwer wird, das Vor-Corona-Niveau zu erreichen. Wir haben aber auch neue Wege beschritten und zum Beispiel Kooperationen genutzt, wo wir den Kunden Produkte nach Hause liefern. Da gibt es das Mjam-Konzept mit Zustellung einerseits und man kann andererseits Vorbestellungen auf unserer Homepage tätigen, um sich möglichst kurz in der Filiale aufzuhalten.

Stimmt es, dass Sie für Ihre Produkte nur österreichisches Mehl beziehen?

Da gibt es keine Kompromisse. Wir verarbeiten ausschließlich österreichisches Mehl und setzen bei den restlichen Rohstoffen - wann immer es möglich ist - auf österreichische Herkunft. Dadurch, sowie durch eine vorausschauende Einkaufspolitik, die auf langjährige Partnerschaften setzt, können wir grundsätzlich Engpässe ganz gut vermeiden. Ich bin überzeugt, dass das Thema Regionalität zukünftig noch stärker auf das Kaufverhalten Einfluss nehmen wird.

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