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Wirtschaft

AK: Hoher Jobfrust bei den Handelsangestellten

Viele Überstunden und psychischer Stress durch aggressive Kunden setzen den Beschäftigten zu.

von Anita Staudacher

12/15/2022, 11:41 AM | Aktualisiert am 12/15/2022, 11:41 AM

Die Arbeitszufriedenheit bei den rund 560.000 Beschäftigten im heimischen Handel ist rapide gesunken, geht aus einer Studie von WIFO und IHS im Auftrag der Arbeiterkammer Wien hervor. Grund sind hohe Überstunden wegen Personalengpässen und gesundheitlicher Belastungen. So mussten 6 von 10 Handelsbeschäftigten bis zu 10 Tage im Quartal länger als 10 Stunden pro Tag arbeiten. Viele mussten auch trotz Krankheit arbeiten. Als belastend wurden vor allem schwere körperliche Anstrengung, lange stehende Tätigkeit oder ständig künstliches Licht angeführt.

Aggressive Kunden im Handel

Die allgemeine Gereiztheit durch Teuerung und Pandemie sorgt laut GPA-Chefin Barbara Teiber auch für immer aggressivere Kundschaft. Es gebe immer mehr Rückmeldungen über "wirklich aggressive Kunden".  Es komme zu Beschimpfungen bis hin zu Handgreiflichkeiten. Waren es vor kurzer Zeit noch Coronamaßnahmen wie die Maskenpflicht, die manche Einkäufer in Rage brachten, so sind es jetzt die enorm gestiegenen Preise. "Wir appellieren an die Kunden, den Handelsangestellten respektvoll gegenüber zu treten", so Teiber. Von den Arbeitgebern würden sich die Beschäftigten erwarten, dass sie hinter ihnen stehen, wenn es zu aggressiven Situationen kommt.

Diskrepanz Teilzeit, Vollzeit

Bereits jede zweite Arbeitskraft im Handel arbeitet Teilzeit, vor allem Frauen mit Betreuungspflichten. Jede Vierte würde gerne länger arbeiten, um mehr zu verdienen. Bei den Vollzeitkräften hingegegen wollen immerhin 43 Prozent reduzieren, um ein Drittel mehr als vor der Pandemie. Der Druck in der Arbeit für Vollzeitkräfte ist oft so hoch, dass diese auch Einkommenseinbußen in Kauf nehmen würden, heißt es in der Studie.

„Schon jetzt haben wir 20.000 offene Stellen im Handel. Nur durch bessere Arbeitsbedingungen kann der Personalknappheit entgegengewirkt werden. Die Betriebe müssen ihren Beschäftigten mehr Flexibilität beim Ausmaß und bei der Lage der Arbeitszeit einräumen, etwa mit Öffnungszeiten, die Rücksicht auf die Beschäftigten nehmen", fordert Teiber. Auch müssten die Betriebe mehr auf die Wunscharbeitszeit der Arbeitskräfte eingehen.

Forderung nach mehr Planbarkeit

Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordern Arbeiterkammer und GPA unter anderen planbare Arbeitszeiten und eine leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche. Bei der Diensteinteilung ist eine Vorankündigungszeit von 14 Tagen gesetzlich vorgeschrieben, wird aber laut AK häufig nicht eingehalten. Hier brauche es wirksame Strafen.

Für die Samstagsarbeit soll es künftig nicht mehr zwei Halbtage in der Folgewoche geben dürfen, sondern einen ganzen Tag arbeitsfrei. So könne es öfter eine Fünftagewoche auch im Handel geben. Häufig werde auch die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit überschritten. "Deshalb muss es auch bei Teilzeit einen 50-prozentigen Zuschlag schon ab der ersten Stunde Mehrarbeit geben", fordert AK-Präsidentin Renate Anderl. Für Teilzeitkräfte müsste auch die berufliche Aus- und Weiterbildung erleichtert werden.

Trefelik: "Nicht unter Generalverdacht stellen"

Kritik an der Studie von GPA und AK übt der Obmann der Handelssparte in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Rainer Trefelik: "Eine ganze Branche komplett unter Generalverdacht zu stellen kann es ja wirklich nicht sein", zürnte Trefelik gegenüber der APA und warf den Arbeitnehmervertretern widersprüchliche Aussagen vor. Zwar gebe es bedauerliche Einzelfälle, von strukturellen Missständen könne aber keine Rede sein. Zudem bestätige die Studie, dass rund drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handel zufrieden seien, betonte Trefelik.

Die Teilzeit werde oft gewünscht und diene der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Durchrechnungszeiträume seien gesetzlich geregelt, nicht auf Sozialpartnerebene. Mehr Vollzeit würde auch den Unternehmen die Planbarkeit erleichtern, argumentierte der Arbeitgebervertreter. 

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