Der Test gibt Aufschluss über die Spermaqualität.

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Per App: Männer können Fruchtbarkeit jetzt selbst testen
01/26/2017

Per App: Männer können Fruchtbarkeit jetzt selbst testen

Mit dem Handy die Fruchtbarkeit testen, das soll Männern dank einer App jetzt möglich sein.

Für Frauen gibt es den Fruchtbarkeitstest für zuhause schon länger, für Männer ist die eigenhändige Ejakulatsprüfung neu. Mit einer App und einem dazugehörigen Clip-on-Mikroskop für das Smartphone erhalten Männer künftig Auskunft über die Qualität ihrer Spermien.

Wie funktioniert der Sperma-Test?

Entwickelt wurde das Gadget von dem Startup Yo. Es besteht aus einem Mikroskop-Aufsatz für die Smartphonekamera, einem Becher für die Spermaprobe, einem Objektträger, einer Plastikpipette und einem Pulver, das die Spermien verflüssigen soll. Derzeit ist der Mikroskop-Aufsatz allerdings nur mit iPhones oder Samsung-Smartphones kompatibel.

Nachdem die Spermaprobe mit dem Pulver vermischt wurde, muss man zehn Minuten warten, bevor man sie auf den Objektträger träufeln kann. Dieser wird dann in den Aufsatz eingesetzt. Etwa 30 Sekunden dauert es, bis ein Bild am Display erscheint, das die stark vergrößerte Videoaufnahme der Probe zeigt. Einige Minuten später wird eine Analyse der aufgezeichneten Daten ausgespielt, inklusive Spermienzahl und deren Beweglichkeitsfaktor. Anschließend kann sowohl das Video, also auch die Analyse abgespeichert und für einen etwaigen Arztbesuch aufgehoben werden.

Derzeit kann man das Gerät online vorbestellen, ab dem 31. Jänner werden die Produkte ausgeliefert. Kostenpunkt für zwei Test Kits: 49,95 Dollar, das sind umgerechnet etwa 54 Euro.

Was sagt der Experte?

"Ich kenne kein Produkt dieser Art, finde es aber wirklich toll, weil es so praxisorientiert ist", beurteilt Dr. Mathias Brunbauer, Leiter der Kinderwunschklinik Wien, den portablen Fruchtbarkeitstest. Sinnvoll findet er derartige Selbsttests vor allem im Hinblick auf die Hemmschwelle und Scham, die für Männer mit einem Besuch beim Fruchtbarkeitsexperten verbunden ist. "Manche Männer haben richtiggehend Angst davor, zum Arzt zu gehen und ihre Fruchtbarkeit testen zu lassen. Das ist oft mit viel Unbehagen und unangenehmen Gefühlen verbunden", schildert der Experte. Oft seien die Bedingungen in den Labors bei der Probenabgabe auch nicht wirklich angenehm – "da kann so ein Test für daheim schon sinnvoll sein."

Die Validität, also die Messgenauigkeit des Gerätes, müsste man jedoch prüfen. Brunbauer zeigt sich optimistisch, dass die angewandte Technologie, die technisch gut umgesetzt und dennoch simpel in der Handhabung wirkt, mehr oder weniger treffsichere Ergebnisse liefern könnte. "Auch für Labore gibt es automatisierte Systeme, die Spermiogramme erstellen. Die sind meistens sehr treffsicher. Das müsste man sich bei diesem Selbsttest gesondert ansehen. Ich denke aber, dass ein halbwegs passendes Bild entstehen könnte", sagt der Mediziner.

Im Zeitalter von Dr. Google würden viele Patienten ohnehin beim ersten Verdacht erst einmal ins Netz gehen, um sich zu informieren. "Wenn man also beim Thema Fruchtbarkeit als Mann mal vorfühlen möchte, würde sich so ein Test sicherlich anbieten." Für die Interpretation der Daten und weitere Schritte bleibt einem der Besuch beim Arzt jedoch nicht erspart.

Der Fruchtbarkeitstest für die Frau

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es Fruchtbarkeitstests für die Frau schon seit geraumer Zeit in der Do-it-yourself-Ausführung.

Mit dem Fertilitätstest namens Juno kann man beispielsweise die Eizellenreserve mittels Bluttest erheben (der KURIER berichtete). Es wird also ausgetestet, wie viele Eizellen noch in den Eierstöcken vorrätig sind. Basierend auf diesen Daten wird dann die allgemeine Fruchtbarkeit berechnet. Je nachdem, wie viele Eizellen noch vorhanden sind, wird anschließend eine voraussichtliche Fruchtbarkeit berechnet. Experten zeigten sich bei der Markteinführung des Produkts 2015 allerdings skeptisch.

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