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Heim-Test
11/12/2015

Dieser Test zeigt, wie lange Sie noch fruchtbar sind

Die Eizell-Reserven von Frauen können mittels Bluttest erhoben werden.

von Laila Daneshmandi

Manche haben noch Jahre Zeit, andere sollten den Kinderwunsch nicht mehr aufschieben. Ein neuer Heim-Test will Frauen zeigen, wie lange sie noch fruchtbar sind. Dafür sind ein paar Tropfen Blut aus der Fingerkuppe nötig, die man per Post einschickt – wenige Tage später folgt online die Auswertung.

"Juno" nennt sich der neue Fruchtbarkeitstest um 189 Euro, der Frauen eine langfristige Planung ihres Kinderwunsches ermöglichen will. Der Geschäftsführer und Kinderwunsch-Experte Alexander Just erklärt: "Die Patientin bekommt eine Orientierung, wie lange sie sehr gut, mittelgut und ab wann sie schlecht schwanger werden kann." Dazu wird der sogenannte AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) erhoben, der Auskunft darüber gibt, wie groß die Eizellreserve der Patientin noch ist.

Der Reproduktionsmediziner Prof. Wilfried Feichtinger vom "Wunschbaby Institut" sieht den Heim-Test kritisch: "Der Test kann genauso gut bei den meisten Gynäkologen durchgeführt werden und kostet da nur 50 Euro. Außerdem zeigt der AMH-Wert nur, wenn die Eizell-Reserve niedrig ist. Aber das ist wie bei der Tankuhr im Auto – auch da kann man noch immer einige Kilometer fahren."

Alter sagt nichts aus

Mit seinem Test will Just Frauen aber genau davor bewahren, sich erst mit dem Thema zu befassen, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht so recht klappt: "Ist die Zahl der verfügbaren Eizellen erst einmal unter eine bestimmte Schwelle gefallen, ist auch mithilfe der Reproduktionsmedizin keine Schwangerschaft mehr möglich." Das Alter sei dafür ein schlechter Maßstab: "Es gibt Frauen, die mit 32 noch super schwanger werden können und andere, die mit 32 schon im Wechsel sind."

Außerdem würde bei seinem Fruchtbarkeitstest nicht nur der AMH-Wert bestimmt – dieser werde mit einer standardisierten Software kombiniert, die nach einem Algorithmus präzise Aussagen machen soll. Dafür müssen die Frauen zuvor in einem Online-Fragebogen diverse Lebensstilfaktoren zum Thema Rauchen, Bewegung oder die Art der hormonellen Verhütung ausfüllen. Just: "Wenn eine 32-Jährige einen AMH-Wert von 0,2 hat, dann ist es ein Unterschied, ob sie schlank und Nichtraucherin ist oder übergewichtig und Raucherin. Der Algorithmus berechnet alle wissenschaftlich bekannten Faktoren viel genauer als ein Arzt das könnte. Wer schlechte Werte und einen Kinderwunsch hat, wird sich folglich viel eher mit einem Arzt beraten."

Der Kinderwunsch-Mediziner will mit seinem Test dem Trend entgegenwirken, dass Frauen immer später Kinder bekommen: "Viele schieben den Kinderwunsch ewig vor sich hin und oft ist es zu spät. Wir wollen die Patienten in die Lage versetzen, dass sie wissen, wie es um ihre Fruchtbarkeit steht."

In dem Kontext kritisiert er Gynäkologen-Kollegen, die ihren Patientinnen nur aufgrund des Ultraschalls sagen, dass die Eierstöcke etwa gut aussehen und dass alles passt. Die Fruchtbarkeit könne man nur mit einem Bluttest erheben. Den Frauen würde damit falsche Sicherheit vermittelt und sie sind dann bitter enttäuscht, wenn sie nicht mehr schwanger werden können.

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