Weltweit leiden etwa 40% der Männer unter vermindeter Fruchtbarkeit.

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Hartnäckiges Tabu: Unfruchtbarkeit beim Mann
11/03/2016

Hartnäckiges Tabu: Unfruchtbarkeit beim Mann

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann für Paare zur Beziehungsprobe werden. Die Gründe dafür liegen zu rund einem Drittel beim Mann.

Am 3. November ist Weltmännertag. Anlass genug, um sich aktuellen Erkenntnissen rund um die männliche Fruchtbarkeit zu widmen. Wer bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ein Jahr lang nicht verhütet, sollte schwanger werden. So definiert es die Weltgesundheitsorganisation WHO. Bleibt eine Schwangerschaft aus, so herrscht bei vielen Paaren erst einmal Ratlosigkeit. Dann wird rasch Ursachenforschung betrieben. Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann sind in rund einem Drittel aller Fälle für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich. Zu einem Drittel liegen die Gründe bei der Frau, zu einem Drittel liegt es an beiden Partnern.

Während Frauen immer offener mit ihren eigenen Fruchtbarkeitsproblemen umgehen und ihre Erfahrungen auch immer häufiger mit anderen teilen, ist die Unfruchtbarkeit beim Mann nach wie vor stark tabuisiert. Scham und die mit der Unfruchtbarkeit konnotierte "Unmännlichkeit" spielen hierbei eine große Rolle. Oft fühlen sich Männer mit der Diagnose allein und isoliert. Dabei haben dänische Langzeitstudien gezeigt, dass die Spermienqualität im Laufe der vergangenen zehn Jahre bei Männern merklich abgenommen hat.

"Männer leiden häufig stärker im Verborgenen. Deshalb ist es wichtig, auch sie in den Fokus zu rücken. Viele sind sich dessen gar nicht bewusst, dass sie ihre Fruchtbarkeit bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können", so Univ. Prof. Andreas Obruca, Gründer und Leiter des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz.

Stress, Rauchen, Übergewicht - die bösen Drei

Die Gründe für Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann sind tatsächlich vielfältig. So sind unter anderem Stress, Rauchen und Übergewicht wesentliche Faktoren, die die Spermienqualität beeinflussen können. Eine Studie der Universität Kopenhagen zeigt, dass sich bei Männern, die stark unter Stress stehen die Spermiengesamtanzahl um bis zu 34 Prozent, die Spermienkonzentration sogar um bis zu 38 Prozent verringern kann. Insbesondere psychische Belastung spielt hier eine maßgebliche Rolle und kann einen negativen Einfluss auf Anzahl und Qualität der männlichen Keimzellen haben.

Auch der Body Mass Index ( BMI) korreliert mit der Fruchtbarkeit des Mannes. Dieser hängt stark mit Fortpflanzungshormonen, wie Testosteron, zusammen. Ein erhöhter BMI kann das Ejakulatvolumen, die Spermakonzentration als auch deren Beweglichkeit massiv beeinträchtigen. "Wenn eine Schwangerschaft auf sich warten lässt und Übergewicht vorliegt, kann bereits moderate Bewegung und eine geringe Gewichtsreduktion Abhilfe schaffen", erklärt Obruca. Die Betonung liegt hier eindeutig auf moderat, denn Sport ist nicht in jedem Fall eine Wohltat für Spermien: Während sehr intensivem Training kann es zu einem starken Abfall der Hormone kommen. Insbesondere betroffen ist hier meist das luteinisierende Hormon (LH), welches für die Reifung und Produktion der Geschlechtszellen zuständig ist. Die gute Nachricht ist, dass sich die Spermienqualität schnell wieder erholen kann.

Auch die Rolle der Ernährung darf nicht unterschätzt werden. Ein zu hohes Maß an rotem Fleisch, Süßigkeiten und Vollmilchprodukten reduziert die Samenqualität und verzögert daher den Eintritt einer Schwangerschaft. Aber auch externe Faktoren wirken sich auf die männliche Fruchtbarkeit aus. So kann beispielsweise der Grad an Luftverschmutzung im Umfeld oder auch die richtige Temperatur der Hoden mitbestimmend sein.

Geteiltes Leid

Doch die Männer sind naturgemäß nicht allein. Auch die Fruchtbarkeit, beziehungsweise die Qualität der Eizellen, der Frau kann durch verschiedenste externe Faktoren gemindert werden. Rauchen, Übergewicht und Kunststoffrückstände in Nahrungsmitteln und der Umwelt sind hierbei zuallererst zu nennen. Eine wichtige Erkenntnis, bedenkt man, dass viele Frauen immer später Kinder bekommen wollen und sich die Familienplanung in der westlichen Welt immer weiter nach hinten verschiebt. Mehr dazu lesen Sie hier.

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