Wellness | Sorglosessen
29.03.2017

Frustessen macht gar nicht froh

Schokolade gegen den Frust, Pasta fürs Wohlbefinden, Eiscreme bei Liebeskummer: Gute Laune geht für viele durch den Magen. Doch kann Nahrung wirklich die Stimmung beeinflussen? Nein, sagen deutsche Forscher.

Wissenschafter der Universitäten Gießen und Marburg haben den Zusammenhang zwischen Ernährungsverhalten, Wohlbefinden und Stress erstmals unter Alltagsbedingungen untersucht. 77 Erwachsene führten über vier Wochentage hinweg Tagebuch zu ihrem Ess- und Trinkverhalten sowie zu ihrer Stimmungslage. Speichelproben wurden ebenfalls abgegeben. Diese wurden unter anderem auf das Stresshormon Cortisol untersucht. Auch die Auswirkungen des klassischen Frustessens – also der Aufnahme meist kalorienreicher, ungesunder Kost – wurden untersucht: Ein stressreduzierender Effekt konnte nicht festgestellt werden.

Diverses Frustessen

"Die Vermutung, dass Essen generell das Wohlbefinden verbessert, lässt sich anhand unserer Daten allerdings so nicht bestätigen", sagt Jana Strahler, Klinische Psychologin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Getränke wie Saft, Kaffee und Alkohol würden zwar zu einer kurzfristig besseren Stimmung führen, der Zusammenhang zwischen Essen und langfristigem Wohlbefinden sei hingegen vom jeweiligen frustgesteuerten Essverhalten des Einzelnen abhängig. Die Forscher machten unterschieden zwischen "emotionalem" und "gezügeltem" Essverhalten: Bei Ersterem neigt man unter Stress zu verstärktem Essen, bei gezügelten Essern verhält es sich umgekehrt.

Gezügelte Esser berichteten nach dem Konsum von Süßigkeiten über ein höheres Stresserleben, während bei emotionalen Essern das Stressgefühl sank. "Dies deckt sich mit Befunden aus der Essstörungsforschung, die zeigen, dass Frauen mit Anorexie oder Bulimie nach dem Erleben einer Essattacke vermehrt negative Stimmung berichten. Gezügelte Esser erleben den Verzehr hochkalorischer Speisen möglicherweise als Misserfolg. Bei emotionalen Essern scheint der gewünschte hedonische, belohnende, Effekt der Nahrung jedoch aufzutreten", erklärt Strahler.

Die Einnahme fettreicher Nahrung führte zudem zu einer deutlichen Verschlechterung des allgemeinen Wohlbefindens.

Essen als Medizin

Und dennoch: Viele Experten sehen in der Nahrung einen Schlüssel zum psychischen Wohlbefinden, also zum Glücklichsein. Dass Essen wie Medizin wirken kann, erklärte der Onkologe Univ.-Prof. Florian Überall von der MedUni Innsbruck 2015 im Interview mit dem KURIER: "Im Körper finden zahlreiche biochemische Abläufe statt. Damit es uns gut geht, braucht er Serotonin. Das kann man nicht essen, es muss aus der zugeführten Ernährung gebildet werden. Voraussetzung dafür ist wiederum die Aminosäure Tryptophan."

Überall rät daher, regelmäßig tryptophanhältige Lebensmittel wie heimische Gerste zu sich zu nehmen. Auch Nüsse, Schokolade, Haferflocken und Kürbiskerne enthalten viel Tryptophan – und gelten deshalb als Gute-Laune-Snacks.

Kaffee macht Angst, Wurst depressiv, Olivenöl glücklich:

Kaffee macht Angst, Wurst depressiv, Olivenöl glücklich

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Essen kann Emotionen regulieren, Angst oder Stress reduzieren und – so wie Schokolade – auch glücklich machen. Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ingrid Kiefer ist gemeinsam mit Dr. Cem Ekmekcioglu den Geheimnissen des Essens auf den Grund gegangen. „Es gibt so viele Ratgeber und Mythen zum Thema Ernährung. Wir haben nach Studien gesucht und wollten Fakten liefern“, sagt Kiefer.

Mehr Gesellschaft, mehr auf dem Teller. Es ist nicht egal, wer mit isst. Tischnachbarn haben einen großen Einfluss auf unser Essverhalten. Untersuchungen zeigten, dass bereits die Anwesenheit von zwei weiteren Personen dazu führt, dass um 47 Prozent mehr gegessen wird.

Bei drei Personen steigt der Konsum um 58 Prozent, bei vier um 69 Prozent. Ausschlaggebend ist, wer da mitschmaust.

Wer mit Fremden isst, fasst sich bei Gesprächen kürzer und nimmt weniger zu sich. Die Anzahl der Männer bei Tisch spielt ebenso eine Rolle. Interessant: Frauen wählen in männlicher Begleitung energieärmere Speisen aus.

Männern hingegen ist das völlig egal: Sie lassen sich nicht so leicht in ihrer Kalorienaufnahme beeinflussen – weder vom Geschlecht noch von der Anzahl der Personen am Tisch.

Wenig Schlaf mach dick. Bereits drei Stunden weniger Nachtruhe führen dazu, dass der Mensch zusätzlich 200 Kilokalorien aufnimmt. Wer pro Nacht nur vier Stunden schläft, ist beim Frühstück oder beim Abendessen hungriger und isst mehr.

Auch bei Kleinkindern gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Gewicht. Schlummern Zweijährige bis zu ihrem siebenten Lebensjahr konstant kurz, haben diese eine höhere Körperfettmasse. Dafür sind appetitanregende Hormone verantwortlich. Allgemein schlafen die Menschen schlechter, je später sie essen und je kürzer die Zeitspanne bis zum Schlafengehen ist.

Mittelmeerküche gegen Depression. Olivenöl, Fisch, Gemüse und Kräuter wirken positiv auf die Psyche. 10.000 Spanier, die sich mediterran ernährten, zeigten in einer Studie ein um 30 Prozent niedrigeres Depressionsrisiko als Spanier mit hohem Fastfoodkonsum.

Auch in Japan, wo viel Fisch verzehrt wird, gibt es weniger Betroffene.

Hoher Fleisch-und Wurstkonsum steht ebenfalls in Verbindung mit einer hohen Anfälligkeit für Depression.

Schokolade und Nudeln machen glücklich. Schoko, Kekse & Co. sind als „comfort food“ bekannt. Aus gutem Grund: Sie vermindern negative Gefühle. Schokolade enthält bestimmte Aminosäuren, die für die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin verantwortlich sind.

Auch wie sie schmeckt, spielt eine große Rolle. Das untermauert ein Versuch, bei dem Schokolade so präpariert wurde, dass keine Geschmack mehr vorhanden war. Die Stimmung blieb trist.

Kohlenhydrate (Nudeln, Kartoffeln, Reis und Brot) sowie fettreiche Lebensmittel haben eine ebenso beruhigende Wirkung und mindern Stress. Dennoch gilt: In Maßen genießen! Kohlenhydrate zum Frühstück fördern die Leistung und liefern Energie. Als Mittagsmahlzeit machen sie müde.

Aggressiv durch Softdrinks. Hoher Zuckerkonsum steht in Verbindung mit aggressivem Verhalten. Eine US-amerikanische Studie zeigte: Schülerinnen und Schüler, die mehr als vier Gläser Softdrinks pro Tag konsumierten, waren zu Hause und gegenüber ihren Mitschülern deutlich aggressiver.

Die Getränke verursachen Unterzuckerungserscheinungen (Nervosität, schneller Herzschlag, Aggression) und stören das innere Gleichgewicht. Auch Traubenzucker, der oft vor Prüfungen genommen wird, kann, je nach Dosis, nach 45 bis 90 Minuten Unterzuckerung hervorrufen.

Angstmacher Kaffee: Die schwarze Bohne ist umstritten. Koffein steigert die Leistungsfähigkeit und enthält Substanzen mit zellschützender Wirkung (Antioxidantien). Diese eliminieren freie Radikale, die durch Stress, Umweltverschmutzung oder Alkohol entstehen und den Körper angreifen.

Jedoch zeigten Studienergebnisse, dass Kaffeekonsum in hohen Mengen zu Angst- und Panikattacken führen kann. Nach einer Untersuchung gaben spanische Studenten an, ein steigendes Angstempfinden, in Abhängigkeit von der Koffeindosis (75 bis 300 mg), zu spüren.

Frühstück als Antriebsmotor. Kohlenhydrate am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. Sie halten den Blutzuckerspiegel konstant und versorgen den Körper regelmäßig mit Energie.

Menschen, die am Frühstückstisch getreidereiche Mahlzeiten zu sich nehmen, sind glücklicher und gelassener.

Bei Kindern verbessern sich die kognitiven Funktionen, die Merkfähigkeit und sogar die Schulnoten. Dennoch sollte das Frühstück nicht all zu üppig ausfallen. Wer sich in der Früh den Bauch voll schlägt, fühlt sich nicht besser.

Würzige Leistungsbringer: Curry und Pfefferminz kurbeln die Leistung an. Eine Untersuchung von 26 Büroangestellten ergab, dass sie unter Einwirkung von Pfefferminzgeruch schneller und präziser beim Tippen waren. Curcumin, der Hauptbestandteil von Curry, ist reich an Antioxidantien.

Das hat einen wesentlichen Effekt auf die Gehirngesundheit. Auch bei älteren Menschen führt häufiger Curry-Konsum zu einer Verbesserung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit.

Obst und Gemüse statt Zigaretten: Wer sein Gewicht langfristig halten will, sollte verstärkt zu Obst- und Gemüse greifen. Sie gehören zu den Lebensmitteln, die pro 100 g sehr wenige Kalorien liefern. Ihre Ballaststoffe sind für das Sättigungsgefühl zuständig.

Davon profitieren besonders Raucher, die aufhören wollen. Sie nehmen durch den Konsum von Obst und Gemüse weniger zu. Wissenschaftliche Beweise für die fettverbrennende Wirkung von Enzymen aus Ananas, Papaya oder Kiwis gibt es nicht.

AGNBILD zu OTS - Österreich feiert am 01. Oktober zum siebten Mal den "Tag des Kaffees". Mit dabei natürlich auch Jacobs - verkörpert diese Kaffeemarke doch seit jeher die Verbindung von Kaffeetradition mit innovativem Zeitgeist und bietet vielfält