Wellness
27.10.2017

Schützt guter Schlaf vor Traumatisierungen?

Forscher haben den Zusammenhang zwischen Schlaf und der psychischen Widerstandsfähigkeit des Menschen untersucht – und spannende Erkenntnisse herausgefunden.

Guter Schlaf regeneriert, fördert die Konzentration, beugt Alzheimer und Parkinson vor, wirkt sich positiv aufs Sexleben aus und ist der Schlüssel zu weniger Streitigkeiten mit dem Partner. Das konnten Wissenschafter in der Vergangenheit nachweisen. Eine neue Studie legt nahe, dass eine hohe Schlafqualität auch Angstzustände reduzieren kann.

Bei Angst- und Depressionserkrankungen gehören Schlafstörungen in den meisten Fällen zum Krankheitsbild. Auch bei der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung, einer verzögerten psychischen Reaktion auf extrem belastende Ereignisse, rückt geruhsamer Schlaf bei Betroffenen meist in weite Ferne. Welchen Einfluss Schlaf auf das Angstgedächtnis hat, wurde in der Vergangenheit bereits vielfach untersucht. Nun hat sich ein Forscher-Team der US-amerikanischen Rutgers University damit befasst, wie sich die Schlafgewohnheiten eines Individuums auf die Entwicklung des Angstgedächtnisses auswirken. Sprich, ob guter Schlaf einen Menschen mehr oder weniger anfällig für eine Posttraumatische Belastungsstörung macht. Publiziert wurde die Studie im Journal of Neuroscience.

Für die Untersuchung wurden 17 Studenten der Universität im US-Bundesstaat New Jersey rekrutiert. Der Schlaf der Teilnehmer wurde über den Zeitraum von einer Woche hinweg gemonitort. Dafür mussten die Probanden nachts Schlaftracker am Kopf (für die Messung der Hirnaktivität und des REM-Schlafes) und am Arm (für die Messung der Armbewegungen) tragen. Außerdem wurden sie angewiesen ein Schlaftagebuch zu führen. Dann nahmen die Studenten an einem Experiment teil, bei dem sie konditioniert wurden, gewisse Bilder mit einem leichten elektrischen Schock zu assoziieren. Dabei wurde die Hirnaktivität der Probanden erneut überprüft.

Guter Schlaf, weniger Angst

Guter Schlaf, beziehungsweise eine lange REM-Schlafphase, ging mit einer verringerten Aktivität in jenen Hirnregionen, die für die Angstkonditionierung verantwortlich sind, einher. Konkret konnten die Forscher eine verringerte Vernetzung zwischen dem Hippocampus, der Amygdala und dem präfrontalen Cortex feststellen. Der Hippocampus, lokalisiert im Schläfenlappen, ist ein wichtiges Lernzentrum und mitverantwortlich für die Konsolidierung, also dafür dass gelernte Informationen vom Kurz– ins Langzeitgedächtnis überführt werden. Die Amygdala, auch bekannt als Mandelkern, schließt sich an den vorderen Bereich des Hippocampus an. Hier werden emotionale, insbesondere Angst und Aggression betreffende, Informationen verarbeitet und Angstreaktionen veranlasst. Damit übernimmt die Amygdala eine wichtige Aufgabe bei der Entwicklung des Angstgedächtnisses. Und die Prozesse, die in der Amygdala ablaufen, werden wiederum vom präfrontalen Cortex kontrolliert.

Die Wissenschafter folgern daraus, dass geruhsame Nachstunden auch die Fähigkeit, mit potenziell traumatischen Erlebnissen umzugehen, verbessern könnten. Relevant seien die Erkenntnisse in diesem Kontext beispielsweise für Soldaten, die in Kriegsgebieten im Einsatz und dort oft mit traumatisierenden Vorfällen konfrontiert sind. "Letztendlich könnten unsere Erkenntnisse belegen, dass REM-Schlaf ein Biomarker für die Widerstandsfähigkeit oder Anfälligkeit für Traumatisierungen sein könnte", so die Forscher in ihrem Bericht.