Wellness 01.03.2018

Warum man jetzt Männerhände nicht schütteln sollte

20 Sekunden sollten es zumindest sein - inklusive Fingerzwischenräume. © Bild: Getty Images/Peopleimages/iStockphoto

Beobachtung von 1000 Toilettenbesuchern zeigte: Handkontakt mit Männern birgt höheres Übertragungsrisiko mit Krankheitserregern. Insgesamt reinigten nur acht Prozent aller Beobachteten ihre Hände korrekt.

Noch ist die Grippewelle nicht vorbei - die Erkrankungszahlen gehen vorerst nur sehr langsam zurück. Durch Händewaschen lässt sich das Infektionsrisiko mit Influenza-Viren, aber auch anderen Viren und Bakterien um bis zu 99,9 Prozent verringern - aber nur dann, wenn die Handhygiene korrekt ausgeführt wird. Und das ist in den seltensten Fällen so, wie jetzt eine neue Studie zeigt.

Rund 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen, mit denen man im Durchschnitt 16 Mal pro Stunde das Gesicht berührt. So gelangen die Keime durch Mund, Nase und Augen über die Schleimhäute in den Körper und verursachen dort eine Infektion. Für ihre Untersuchung beobachteten zehn Psychologie-Studierende der SRH Hochschule Heidelberg die Besucher mehrerer öffentlicher Toiletten in und um Heidelberg. Die Ergebnisse erschütterten sie, wie sie selbst sagten.

Die Resultate im Detail

Die Studentinnen schauten insgesamt 1.000 Toilettenbesuchern auf die Finger:

  • Rund 7% verzichteten gänzlich auf das Händewaschen.
  • 27% wuschen ihre Hände nur mit Wasser.
  • Rund 58% benutzten Wasser und Seife, allerdings nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit.
  • Lediglich rund 8% reinigten ihre Hände vorbildlich. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt hierfür eine mindestens 20 Sekunden dauernde Reinigung mit Wasser und Seife nicht nur der Handflächen, sondern auch der Fingerzwischenräume.


Großer Unterschied zwischen Männern und Frauen

Auch zwischen den Geschlechtern bestand ein bedeutender Unterschied im Händewaschverhalten. Während zirka elf Prozent der Männer auf das Reinigungsritual gänzlich verzichteten, waren es bei den Frauen nur drei Prozent. Mit Wasser und Seife, allerdings ohne Berücksichtigung der Intensität, reinigten immerhin 82 Prozent der untersuchten Frauen ihre Hände und reduzierten so die Keimzahl. Bei den Männern waren es nur 51 Prozent. Der Handkontakt mit Männern birgt also ein höheres Übertragungsrisiko. „Dieser Unterschied hat uns schon schockiert“, gesteht die SRH-Studentin Jana Zeeb. „Allein in Deutschland machte die Pharmaindustrie im Jahr 2016 mit Erkältungsmitteln einen Umsatz von über 700 Millionen Euro. Nicht nur die Kosten für den einzelnen, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm“, erklärt Prof. Dr. Frank Musolesi, Leiter der Beobachtungsstudie. Auch die Arbeitsunfähigkeitstage bedeuten Produktionsausfälle in Höhe von mehreren Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft. „Dabei lassen sich Infektionskrankheiten durch regelmäßiges Händewaschen wirksam und kostengünstig vermeiden, und dies ganz ohne Nebenwirkungen“, so Musolesi.

( kurier.at , em ) Erstellt am 01.03.2018