Wellness
12.10.2017

Immer öfter: Warum Frauen auf die Pille verzichten

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine hormonfreie Verhütungsmethode.

Will man als Frau verhüten, steht eine Bandbreite unterschiedlicher Präparate zur Verfügung. Als besonders sicher bei simpler Anwendung gilt die Antibabypille, sie ist nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel der Österreicherinnen. Laut Österreichischem Verhütungsreport (im Auftrag des Gynmed-Ambulatoriums, Stand 2015) schützen sich 38 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter mit dem Hormonpräparat vor einer ungewollten Schwangerschaft.

Dass die Pille Nebenwirkungen verursachen kann, ist bekannt. Wie viele Frauen betroffen sind, zeigt eine neue Studie aus Deutschland, die belegt, dass die Pille bei jeder zweiten Frau zu unerwünschten Nebeneffekten führt. Aus der Befragung von mehr als 1000 Frauen durch die Siemens-Betriebskrankenkasse geht hervor, dass jede Zehnte unter Depressionen leidet. Häufige Nebenwirkung sind neben Gewichtszunahme (28%) und Kopfschmerz (17%) auch Libidoverlust (9%).

Auch positive Effekte

Die von den befragten Frauen angeführten Nebenwirkungen bestätigt auch Gynäkologe Andreas Nather. Der Mediziner betont, dass es zwischen negativen und positiven Nebenwirkungen des Präparates zu unterscheiden gilt: "Man kann sich die Wirkung der Pille auch zunutze machen." Frauen mit sehr starken und schmerzhaften Blutungen oder schlechtem Hautbild könnten demnach von der Pille profitieren. Generell beobachtet der ärztliche Leiter des Gesundheitszentrums Woman & Health, dass Frauen immer mündiger werden, wenn es um das Thema Verhütung geht. "Die Pille als sicheres Verhütungsmittel zu verschreiben, war früher gang und gäbe. Heute spricht man mehr über die Nebenwirkungen", weiß der Experte. Frauenärzte müssten im Patientengespräch abklären, welches Verhütungsmittel am geeignetsten ist. Zieht die Frau keinen Zusatznutzen aus einer Hormontherapie, versucht Nather eine hormonfreie Verhütung anzubieten.

Unbeliebte Hormone

In Österreich ist bereits seit geraumer Zeit ein Trend weg von hormoneller und hin zu nicht-hormoneller Verhütung beobachtbar. So wenden laut Verhütungsreport mittlerweile 15 Prozent der Frauen nicht-hormonelle Methoden an. Der Großteil vermeidet Hormone wegen befürchteter Nebenwirkungen. Die Hälfte der Frauen, die hormonelle Methoden ablehnen, ist überzeugt, dass Hormone nicht gesund sind. Eine große Rolle spielen negative mediale Berichte über die Pille, die von Todesfällen durch ein erhöhtes Thromboserisiko handeln. Nather zufolge sind derart tragische Fälle auf eine Fahrlässigkeit bei der Verschreibung zurückzuführen. "Wenn ich als Arzt mit Sorgfalt eine Pille verschreibe, muss ich das Thromboserisiko abklären. Ist es erhöht und durch andere Risikofaktoren verstärkt, greife ich zu östrogenfreien Präparaten", erklärt der Gynäkologe. Bei gesunden Frauen, ohne erhöhtes Thromboserisiko, die nicht rauchen oder übergewichtig sind, sei die Pille unbedenklich.

Alternativen am Markt

Dass immer mehr Frauen ohne Hormone verhüten wollen, befürwortet Nather. Wichtig sei, dass über mögliche Alternativen aufklärt wird. Am Markt gibt es derzeit drei Arten hormonfreier Spiralen. Die Kupferspirale, das Kupferkettchen und das Kupferbällchen werden zur Langzeitverhütung in die Gebärmutter eingesetzt. Die Annahme, dass Spiralen nur für Frauen geeignet sind, die bereits ein Kind geboren haben, ist laut Nather überholt. Vorteilhaft sind diese Produkte auch, weil sie eine Kostenersparnis bedeuten: "Die Präparate kosten zwischen 390 und 550 Euro und bleiben bis zu fünf Jahre im Körper."

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