Wellness
01.02.2018

Fitness-Bloggerin: "War abgemagert und erschöpft"

"Diese Bilder zeigen nicht, wie ich wirklich aussehe", schrieb Anna Rhodes kürzlich auf Instagram.

Scrollt man durch die Fotosharingplattform Instagram, bekommt man schnell das Gefühl, unzulänglich zu sein. Vor allem die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann beim Anblick diverser Fitness-Blogger in Schieflage geraten. Fitness-Bloggerin Anna Rhodes aus St Albans, einer Stadt im Süden Englands, hat in einem Posting nun klargestellt, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie auf Social Media scheinen. Konkret würden stark bearbeitete und gestellte Bilder verschleiern, in welcher physischen und psychischen Verfassung der oder die Abgebildete tatsächlich ist.

Um ihr Argument zu untermauern, zog die Britin ein Bild von sich heran, das bei einem Profi-Shooting entstand. Darauf ist die junge Frau mit gestähltem Körper, gesundem Teint und wallendem Haar abgebildet. Zusammen mit dieser Aufnahme teilte sie ein Foto, welches sie zur selben Zeit zeigt. Auf dem zweiten Bild ist Rhodes blass, wirkt abgemagert und ausgezehrt. Ihr Körper sei damals wegen einer "Extremdiät" stark belastet gewesen. Man solle nicht nach jenen Körpern streben, die man auf professionellen Fitness-Fotos sieht, meint die Bloggerin.

Schuldgefühle

Als sie kürzlich von einem Bekannten auf das Bild angesprochen wurde und Lob und Anerkennung dafür erntete, wurde sie von Schuldgefühlen erfüllt. "Es hat in mir Gefühle der Schuld ausgelöst. Diese Bilder sind mit professionellem Licht, viel Selbstbräuner, Tonnen von Make-up, guten Posen und einer Figur, die durch eine extreme Diät bedingt war, entstanden." Die Bilder würden nicht "repräsentieren, wie ich wirklich im echten Leben ausgesehen habe." Aufgrund des geringen Körperfettanteils, den sie damals aufwies, sei sie "abgemagert und erschöpft" gewesen.

Damals wog sie nur 44 Kilogramm, heute sind es 57. Eine Tatsache, über die Rhodes froh ist. Sie sei in eine Abnehmsucht geschlittert und glücklich, diese hinter sich gelassen zu haben. "Wenn ich zurückblicke erkenne ich mich fast nicht wieder. (...) Ich hatte eine Essstörung, die unter dem Deckmantel 'Fitness' lief und ich habe keine Angst das zuzugeben", so die Bloggerin.

Frauen und Männern, die auf Instagram aktiv sind, rät sie: "Das nächste Mal, wenn ihr eure liebsten Fitspo-Bilder ("Fitspo", Abkürzung für Fitness-Inspiration, Anm. d. Redaktion) anseht, bitte erinnert euch daran, dass sie 1. wahrscheinlich nur für ganz kurze Zeit so aussehen, 2., dass man das nicht erreichen kann, wenn man kein Fitness-Fanatiker ist, und selbst dann ist es hart, und 3. viiiieeel Selbstbräuner im Einsatz war."

Fitnessblogger in der Kritik

Fitnessblogger wie Anna Rhodes gibt es viele. Oft trügt der Schein. Dass die Fülle an Bildern von Fitnessbloggern, die im Netz kursieren und meist jüngere Frauen zum Abnehmen motivieren, auch eine Problematik bedient, machte unter anderem ein Geständnis der international bekannten Fitnessbloggerin Celia Learmonth deutlich. Die Gründerin des "London Fitness Guide" gab 2015 auf Instagram zu, ein gestörtes Verhältnis zu Essen zu haben. Ihren Fans hätte sie durch ihre Social-Media-Präsenz eine Lüge verkauft (mehr dazu hier).

Der schädliche Einfluss, den derartige Bilder und Profile auf die Userschaft, und in erster Linie junge Mädchen und Frauen, haben, ist längst erwiesen. Forscher der Universität Adelaide in Australien hielten in einer im Jänner dieses Jahres veröffentlichten Studie fest, dass Frauen, die unter dem Hashtag "fitspiration" posten, eher Gefahr laufen, eine Essstörung zu entwickeln. 2015 belegten australische Forscher der Flinders University einen ähnlichen Effekt.

Der regelrechte Fitnesshype, der auf Instagram als idealer Lifestyle angepriesen wird, geht nicht selten mit einer gestörten Selbstwahrnehmung und/oder Essstörungen einher. Experten sprechen dann von dem Phänomen "Instarexic", eine Wortkreation aus "Instagram" und "anorexic", dem englischen Wort für "magersüchtig".