Wellness
20.10.2017

Stigma: Warum Regelblut in dieser Werbung rot ist

Regelblut ist in Werbungen für Hygieneartikel stets blau. Die britische Marke Bodyform verzichtet auf sterile Verklärung und zeigt die Monatsblutung, wie sie ist: rot. Darin gezeigt werden die blutigen Füße einer Ballerina und Frauen, die sich beim Skateboarden oder Rugby spielen Schrammen holen.

Die weibliche Periode galt Jahrhunderte lang als unsauberes Tabu. Nun wird die Monatsblutung Stück für Stück vom schamhaften Image befreit. Dazu gehört auch, dass Regelblut in der Werbung nicht mehr als blaue Flüssigkeit gezeigt wird. Mit der Realität hat diese Darstellung nämlich nichts zu tun.

Die Marke Bodyform, die Monatshygiene-Produkte verkauft, zeigt nach 2016 zum zweiten Mal "Echtblut" in einem Werbespot für Binden. Das berichtet unter anderem die BBC.

Rot statt Blau

Die Entscheidung gegen die blaue Flüssigkeit, die in der Werbung klassischerweise auf Binden getröpfelt wird, um ihre Saugfähigkeit zu demonstrieren, traf Bodyform, nachdem eine Umfrage ergab, dass 74 Prozent der Frauen sich ehrlichere Darstellungsformen in der Werbung wünschen.

Auf Basis der Erhebung konzipierte man die Kampagne #bloodnormal. Der Clip zur Kampagne zeigt eine Frau unter der Dusche, ihr läuft Blut am Oberschenkel hinunter. Auch ein Mann kommt im Video vor: Er kauft Binden im Supermarkt. Außerdem wird rote Flüssigkeit auf das beworbene Binden-Produkt geleert. "Die Regel ist normal. Sie zu zeigen, sollte es auch sein", lautet der Slogan zum Spot, der am Ende eingeblendet wird.

Stigma thematisieren

Mit der Kampagne wolle man "das Stigma rund um die Periode in Frage stellen", heißt es seitens des Unternehmens. Tanja Grubna von Essity, dem Mutterkonzern von Bodyform, sagte der BBC: "Wir glauben, dass es wie bei jedem anderen Tabu ist: Je öfter Menschen damit konfrontiert werden, desto normaler wird es für sie."

Es ist nicht das erste Mal, dass Bodyform mit einer Werbung mit der Tradition, Menstruationsblut als blaue Flüssigkeit zu zeigen, bricht. Vergangenes Jahr zeigte man die blutigen Füße einer Ballerina, Frauen, die sich beim Skateboarden oder Rugby spielen Schrammen holen und rotes Regelblut (mehr dazu hier).

Der neue Werbeclip wird im Netz großteils positiv aufgenommen:

Die Periode im Wandel

Langsam, aber sicher wird die weibliche Menstruation von ihrem unsauberen Image befreit. Mit Werbungen, wie jene von Bodyform, Hashtag-Kampagnen, die dem Thema eine öffentliche Plattform eröffnen, und Fotostrecken, die mit einem gesunden Maß an Provokation aufrütteln, kämpfen Frauen (und auch Männer) auf der ganzen Welt für die Enttabuisierung der Regelblutung.

Es soll ein gesellschaftliches Klima der Akzeptanz geschaffen werden, das sowohl von Frauen als auch von Männern gleichsam getragen wird. Dabei spielt der Begriff "Period Positivity" eine zentrale Rolle. Er beschreibt eine positive und anerkennende Einstellung gegenüber der Menstruation. Auch Initiativen wie der Menstrual Hygiene Day (28. Mai) sollen Berührungsängste mit einem der natürlichsten körperlichen Vorgänge abbauen und sie durch einen von Toleranz geprägten Zugang ersetzen.