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Wie Menstruations-Apps die Regel enttabuisieren
07/12/2016

Wie Menstruations-Apps die Regel enttabuisieren

Die Wahrnehmung der weiblichen Periode befindet sich im Wandel.

von Marlene Patsalidis

Was Jahrhunderte lang als unsauberes Tabu galt, wird endlich vom schamhaften Image befreit: die weibliche Periode. Mit Hashtag-Kampagnen, die dem Thema eine öffentliche Plattform eröffnen, und Fotostrecken, die mit einem gesunden Maß an Provokation aufrütteln, kämpfen Frauen seit geraumer Zeit für die Enttabuisierung der Regelblutung. Es soll ein gesellschaftliches Klima der Akzeptanz geschaffen werden, das sowohl von Frauen, als auch von Männern gleichsam getragen wird. Dabei spielt der Begriff "Period Positivity" eine zentrale Rolle. Er beschreibt eine positive und anerkennende Einstellung der Menstruation gegenüber. Auch Initiativen wie der Menstrual Hygiene Day (28. Mai) sollen Berührungsängste mit einem der natürlichsten körperlichen Vorgänge abbauen und sie durch einen von Toleranz geprägten Zugang ersetzen.

Menstruationsaktivismus im Wandel der Zeit

Diese unter dem Begriff Menstruationsaktivismus ("Menstrual Activism") subsummierten Projekte und Aktionen sind keinesfalls neu. Ende der 1960er-Jahre setzten sich Frauen erstmals aktiv für eine veränderte Wahrnehmung der weiblichen Periode ein. Ihr Ziel: Veränderung durch Irritation.

Der Name Shigeko Kubota ist dabei eng mit den Anfängen des Menstruationsaktivismus verknüpft. Die japanisch-amerikanische Videokünstlerin malte im Rahmen des Perpetual Fluxfest in New York 1965 in hockender Position mit einem in ihrer Scheide befestigten Pinsel mit roter Farbe auf ein unter ihr liegendes Papier – und zeigte damit erstmals die tiefliegenden gesellschaftlichen Problematiken in Verbindung mit der Sichtbarkeit von Regelblut auf. Das darauf folgende Jahrzehnt war von Aufklärungsarbeit durch Performance-Art, Bücher und Proteste geprägt.

In den 80er-Jahren wurde die Unzulänglichkeit der bis dahin entwickelten Hygieneartikel (vor allem Tampons) für die Frau thematisiert. Dies geschah im Kontext hunderter Fälle des Toxischen Schocksyndroms (TSS), einem lebensgefährlichen Infektionssyndrom bei dem der Körper von Staphylokokken befallen wird. In weiterer Folge wurde die Aufnahmefähigkeit von Tampons reglementiert, um das Auftreten von TSS zu verhindern. Diese anfängliche Grundsatzdebatte über Tampons und andere Hygieneartikel mündete 2015 in die breite Kritik an der Tamponsteuer. In der Europäischen Union steht es den Mitgliedstaaten seit 2016 frei, ob eine Tamponsteuer auf die diversen Produkte aufgeschlagen wird oder nicht.

In den 90er-Jahren und auch nach der Jahrtausendwende wurde der Menstruationsaktivismus in Form von Aufmärschen, Kunstprojekten und Forderungen nach verstärktem medialem Interesse fortgesetzt.

Im März 2015 sorgte schließlich unter anderem die Löschung eines Instagram-Fotos für Aufsehen. Die kanadische Künstlerin Rupi Kaur postete ein Bild einer Frau mit sichtbarem Periodenblutfleck auf ihrer Kleidung und wurde von Instagram abgestraft. Weil das Foto den Community-Richtlinien widerspreche, wurde es entfernt. Schließlich lud die Künstlerin das Bild zusammen mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Entstigmatisierung der Periode erneut hoch – und wurde von Instagram nicht mehr zensiert.

Heute gelten vor allem soziale Medien als Träger von Kritik. Der Anspruch aufzurütteln ist jedoch geblieben.

"Zyklus-Apps verändern den Umgang mit der Monatsblutung radikal"

Doch nicht nur im durch Social Media generierten Öffentlichkeitsraum findet eine Auseinandersetzung mit der Periode statt. Auch im Privaten beschäftigen sich immer mehr Frauen bewusst mit ihrer Periode. So ist beispielsweise das Smartphone mittlerweile zum Medium der Periodenbeobachtung geworden. "Das Internet hat Bewegung in den öffentlichen Diskurs um die Fragen der Periode gebracht. Zyklus-Apps, Kunst aus Menstruationsblut und globale Debatten um die Tampon Tax verändern den Umgang mit der Monatsblutung radikal", schreibt Feministin und Aktivistin Theresa Lehmann auf ihrem Blog. Es gehe primär darum, "sich mit seiner Periode positiv auseinanderzusetzen, den Alltag durch Zyklusapps zu optimieren und schlussendlich ein schönes Bild mit dem Blut auf Instagram zu posten".

Der weibliche Zyklus wird mittlerweile also auch von der Tech-Branche anvisiert. Mit entsprechenden Apps soll Frauen die Beobachtung und Beschreibung ihrer Menstruation erleichtert werden. Nutzerinnen können Daten zu Anfang und Ende der Regel, Schmierblutungen, sexueller Aktivität, physischen (Krämpfen, Blähungen, Schlappheit, etc.) und psychischen Symptomen (Niedergeschlagenheit, Gereiztheit, etc.) und Zervixschleim eintragen und so ihren Zyklus "tracken".

Diese Entwicklung mag zwar das Reizthema "Periode" nicht gänzlich entspannen, es trägt jedoch zum bewussten und unbeschwertem Umgang mit der Blutung bei.

Die besten Zyklusapps im Überblick

Period Tracker

Die App Period Tracker ermöglicht eine übersichtliche Zyklus-Kontrolle mit spielerischem Design. Ein am Startscreen der App erscheinender Button fungiert dabei als zentrales Element der Periodenbeobachtung. Mit der Taste kann man schnell und unkompliziert den Anfang bzw. das Ende der Monatsblutung eingeben. Zahlreiche weitere Features (Kalender, Berechnung des Eisprungs und der Fruchtbarkeit, Erfassung von Stimmungslagen, Sex und Symptomen, Notizfunktion) und ein Perioden-Countdown komplettieren das Angebot der Applikation. iPhone-Nutzerinnen können die App auch mit der Apple Watch synchronisieren.

Die App ist kostenlos für iPhone und Android erhältlich.

Clue

Durch Klarheit und Übersichtlichkeit im Design zeichnet sich die Menstruationsapp Clue aus. Ein in Kreisoptik konzipierter Kalender bildet das Herzstück der App. Das Feature stellt Nutzerinnen auf einen Blick Informationen über den voraussichtlichen Periodenbeginn, fruchtbare Tage und mögliche PMS-Symptome bereit. iPhone-Nutzerinnen können die App auch mit der Apple Watch synchronisieren.

Die App ist kostenlos für iPhone und Android erhältlich.

My Cycles

Auch die App My Cycles hilft bei der Beobachtung der Periode und bietet zudem ein Forum zum Austausch. Registrierte Nutzerinnen können ihre Daten online sichern. iPhone-Nutzerinnen können die App auch mit der Apple Watch synchronisieren.

Die App ist kostenlos für iPhone und Android erhältlich.

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