Menstruationstassen sind seit einiger Zeit eine beliebte Alternative zum Tampon.

© Getty Images/iStockphoto/David Pereiras Villag/istockphoto.com

Menstruationstassen: Was frau darüber wissen sollte
07/25/2016

Menstruationstassen: Was frau darüber wissen sollte

Menstruationstassen mögen auf den ersten Blick befremdlich aussehen, sind aber seit geraumer Zeit eine beliebte Alternative zum Tampon.

von Marlene Patsalidis

Umweltfreundlich, schonend zur Scheidenflora und kostengünstig: Menstruationstassen, auch Menstruationsschalen oder Menstruationscups genannt, haben dem Tampon einiges voraus. Dennoch haben viele Frauen beim Wechsel zum wiederverwendbaren Menstruationscup Bedenken.

Die Fakten

Eine Menstruationstasse dient, wie auch der Tampon, dem Auffangen von Regelblut während der Periode. Während der Tampon das Blut aufsaugt, wird die Flüssigkeit in der Menstruationstasse gesammelt und nach dem Entfernen ausgeleert. Eingesetzt werden die Schälchen aus weichem Silikon wie die bekannten sanitären Wegwerfprodukte. Durch das Falten der weichen Tasse wird sie schmal genug, um sie in die Scheide einzuführen und an einer für die Trägerin angenehmen Stelle (in der Regel etwas tiefer als der Tampon) zu positionieren. Dort kann sich die Tasse wieder entfalten.

Das Entfernen

Das Entfernen des Cups gestaltet sich anders, als man es als Frau vom Tampon gewohnt ist. Mithilfe der Beckenbodenmuskulatur drückt man die Tasse nach unten, bis man den Stiel greifen kann. Dann zieht man daran und unterstützt das Herausziehen mit den Bauchmuskeln. Sobald man mit den Fingen der unteren Rand erreicht, drückt man die Wände leicht zusammen, löst so den Unterdruck und nimmt das Schälchen komplett heraus.

Viele Frauen empfinden dies als befremdlich, ernstzunehmende Komplikationen können dabei jedoch nicht auftreten. "Wer zum ersten Mal eine Menstruationstasse verwendet und mit der Handhabung noch nicht so vertraut ist, kann das Entfernen oder Einsetzen der Tasse als frustrierend empfinden. Das ist aber normal, so wie beim ersten Mal Einsetzen von Kontaktlinsen", so Leanka Sayer von Ruby Cup, ein Unternehmen mit Sitz in Barcelona, das Menstruationstassen vertreibt. Bei Erstbenutzerinnen trete Sayer zufolge die Angst die Menstruationstasse in der Vagina verloren zu haben, recht häufig auf. "Es ist aber normal, dass die Tasse ihre Position ändert, je nach dem wie hoch oder tief der Gebärmutterhals der Frau sitzt. Anatomisch ist das aber unmöglich - sie kann nicht verschwinden, nur eben außer Reichweite hinaufgerutscht sein. Aber mit ein bisschen Hilfe der Beckenbodenmuskulatur bekommt man sie leicht wieder heraus", so Sayer.

Das Leeren

Grundsätzlich sollte man eine Menstruationstasse alle vier bis zwölf Stunden leeren, wobei dies auch von der individuellen Stärke der Blutung abhängig ist. Nach dem Entleeren spült man den Cup mit klarem Wasser aus, bevor er wieder eingeführt wird.

Müll vermeiden

Der Zero-Waste-Aspekt ist bei Menstruationscups zentral. Eine Menstruationstasse kann bis zu zehn Jahre wiederverwendet werden. Viele sehen genau hier ein Hygieneproblem. "Wichtig ist es, beim Einführen und Herausnehmen saubere Hände zu haben und die Menstruationstasse nach oder vor jeder Periode auszukochen - das war’s auch schon. Einige Frauen fühlen sich wohler, wenn sie beim Auskochen auch noch eine Sterilisationstablette ins Wasser legen - dieselben die etwas beim Auskochen von Baby Nuckel verwendet werden", so Sayer.

Menstruationstasse - für jederfrau geeignet?

Sayer zufolge spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass jede Frau Menstruationstassen verwenden kann. "Jede Frau ist anatomisch individuell. Das bedeutet, dass es für manche Frauen leichter ist sofort die richtige Tasse zu finden, während andere eventuell verschiedene Modelle ausprobieren müssen", so Sayer. Anatomisch hänge es etwa von der Position des Gebärmutterhalses ab, wie hoch oder tief die Menstruationstasse sitzen kann, ohne dass sie die Frau stört. Auch die Stärke der Regelblutung oder der Beckenbodenmuskulatur sei ausschlaggebend. Durch die verschiedenen Modelle und Größen, die derzeit bereits am Markt erhältlich sind, gebe es jedoch fast für jede Frau den richtigen Cup, sogar für Mädchen und junge Frauen.

Menstruationscups als "gesunde Alternative"

In puncto Gesundheit bietet eine Menstruationstasse Vorteile. "Das medizinische Silikon der Menstruationstasse wird vom Körper problemlos vertragen und ist antiallergen. Im Gegensatz zu Tampons bietet dieses Material auch keine nährhafte Fläche für jene Bakterien, die das toxische Schocksyndrom (TSS) induzieren. Das bedeutet zwar nicht, dass TSS 100 zu Prozent ausgeschlossen werden kann, aber zumindest verhält sich das Material, im Gegensatz zu Tampons, neutral", erklärt Sayer. Zudem sei der Cup schonender für die Scheidenflora und erhalte das natürliche Milieu aufrecht, während bei Tampons oft Scheidentrockenheit auftritt. Frauen, die eine Menstruationstasse verwenden, würden sogar von verminderten Regelschmerzen berichten. Größere, repräsentative Studien gibt es dazu derzeit aber noch nicht.

Auch im Zuge der Diskussion über die Giftstoffbelastung verschiedenster Hygieneartikel werden Menstruationscups seit geraumer Zeit diskutiert. Die Markteinführung von Bio-Tampons sei Sayer zufolge zwar definitiv ein sehr begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung, dennoch würden auch diese Tampons den natürlichen ph-Haushalt der Vagina stören wodurch es im schlimmsten Fall zu unangenehmer Vaginaltrockenheit oder Infektionen kommen könne. Menstruationstassen kämen hingegen gänzlich ohne Giftstoffe, Parfums oder Bleichmittel aus.

Über Ruby Cup

Ruby Cup vertreibt Menstruationstassen und agiert dabei als Social Business. Nach dem Motto "Buy One Give One", werden Mädchen in Afrika gefördert. Für jeden online verkauften Ruby Cup wird ein zweiter an ein Schulmädchen in Afrika gespendet.

Auf der Website des Unternehmens finden Frauen auch breitgefächerte Informationen zum verwandten Themen und Frauengesundheit im Allgemeinen. So wird beispielsweise die Darstellung von Menstruation in der Werbung (Stichwort "blaues" Blut) thematisiert. Sayer zufolge ist dies sehr problematisch: "Die Menstruation wird als etwas dargestellt, was sie einfach nicht ist. Menstruation ist nicht blau, sondern dunkelrot, manchmal sogar bräunlich, kann stark und dickflüssig ausfallen oder leicht und dünnflüssig. Menstruation sieht, schlicht und einfach, nicht schön aus. Aber sie in einer meist weißen Umgebung mit blauer Flüssigkeit verkaufen zu wollen, trägt dazu bei, dass Frauen sich dazu gezwungen sehen, die Menstruation, so wie sie wirklich ist, zu vertuschen: bloß nicht über die starken Regelkrämpfe reden oder sich anmerken lassen, dass man gerade seine Tage hat. Anstatt mit einer Ärztin oder Freundinnen darüber zu reden, schweigen sie über eine sehr starke Regel oder schlimme Krämpfe, die ein eventuelles Indiz auf ein gesundheitliches Problem sein könnten." Viele Mädchen und Frauen würden sich zudem schämen, dass sie keine leichte Periode haben, wie die Frauen aus der Werbung.

Insgesamt sei die Darstellung schlichtweg unrealistisch: "Ich bezweifle auch, dass sich die meisten Frauen, die gerade ihre Periode haben, dazu Lust haben, in engen weißen Jeans Tennis spielen zu gehen oder in einem weißen, leichten Kleidchen durchs Schlafzimmer zu hüpfen", so Sayer. Um die weibliche Periode als Ganzes zu entstigmatisieren bedürfe es umfassender Aufklärungsarbeit. Die Regelblutung müsse als etwas Natürliches angesehen und weder weggeschwiegen noch vertuscht werden. "Frauen und Mädchen muss die Scham genommen werden, zumindest mit anderen Frauen offen über ihre Periode sprechen zu können, damit sie wissen, was normal ist. Oder einfach offen zugeben zu können, dass man gerade keine Lust auf etwas hat, weil man starke Regelschmerzen hat, oder sich einfach müde und ausgelaugt fühlt, wäre ein kleiner Schritt dorthin."