Telefonieren und Essen in Wiener Öffis verboten: So reagieren Fahrgäste
Lautes Telefonieren und Essen verboten: Die Wiener Linien starten eine neue Bewusstseinskampagne, die an die Hausordnung in U-Bahn, Bim und Co. erinnern soll.
Lautstarke Telefonate, die mehr private Infos verraten, als einem lieb ist, penetranter Leberkäs-Geruch vom essenden Sitznachbarn und wuchtige Rucksäcke, die einem unabsichtlich ins Gesicht gedrückt werden: In den Öffis gibt es so manches Verhalten, das den ohnehin oft gehetzten und stressigen Weg zur Arbeit auf die Probe stellt.
Dabei gibt es längst eine Hausordnung für U-Bahn, Bim und Bus. Blöd nur, wenn sich manche partout nicht daran halten und dann die Allgemeinheit dafür büßen muss.
Wiener Linien starten Kampagne für mehr Rücksicht in den Öffis
Die Wiener Linien und Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) haben daher für Anfang März eine Bewusstseinskampagne angekündigt, die zu mehr Rücksicht und Respekt aufruft und die Öffi-Fahrt für alle angenehmer machen soll. Mit einer "Portion Schmäh" und einem "Augenzwinkern" sollen die Fahrgäste motiviert werden, sich an die Regeln für ein gutes Miteinander zu halten.
Wer dafür eine Extrawurst braucht, muss dann allerdings auch mit Geldstrafen rechnen.
Über zwei Millionen Menschen nutzen täglich die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien. Um ein möglichst reibungsloses und angenehmes Miteinander zu gewährleisten, sind gewisse Regeln unerlässlich. In der Hausordnung der Wiener Linien heißt es, dass "jedes Verhalten, das die ruhige Privatsphäre anderer Menschen nachhaltig stört", verboten ist. Die Regeln gelten innerhalb der gesamten Stationsanlage – vom Schriftzug des Stationsnamens im Ein- bzw. Ausgangsbereich bis zur Bahnsteigkante.
Was ist in den Öffis verboten?
Folgende Dinge sind in den Öffis unter anderem untersagt:
- Jede Handlung, die den reibungslosen Betriebsablauf verhindert
- Ein- und Aussteigen nach Abfertigung der Fahrzeuge
- Belästigung oder Gefährdung anderer Fahrgäste
- Essen in den Fahrzeugen (der Transport von Speisen in geschlossenen Behältnissen ist erlaubt)
- Konsum von alkoholischen Getränken
- Lärm machen
- Musizieren
- Stehen oder knien auf den Sitzen
- Verunreinigung der Fahrzeuge und Anlagen
- Betteln
- Rauchen oder Dampfen von E-Zigaretten
- Fahren mit Fahrrädern, Skateboards, Inlineskates oder Scootern
- Hunde ohne Beißkorb und Leine zu führen
50-Euro-Strafe bei Verstoß gegen Hausordnung
Was vielen wohl nicht bewusst ist: Zur Hausordnung gehört auch, dass große Rucksäcke aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste vor dem Einsteigen abgenommen und in der Hand oder vor dem Körper getragen werden sollten. Stadträtin Ulli Sima konkretisierte im Vorfeld das Ziel der neuen Kampagne: "Im Fokus stehen Verhaltensweisen, die wohl jeder Fahrgast kennt und sich oftmals darüber ärgert." Konkret nennt sie
- lautes Telefonieren über Lautsprecher,
- Musikhören ohne Kopfhörer
- und Rucksäcke am Rücken (tragen).
Wer gegen die Regeln verstößt, muss mit einer Geldstrafe von 50 Euro rechnen. Gegenüber dem KURIER betonten die Wiener Linien jedoch: "In einem ersten Schritt sind keine Strafen geplant, sondern Bewusstseinsbildung."
Wie kommen die Regeln bei den Fahrgästen an?
In den sozialen Netzwerken wird rege über die bevorstehende Kampagne diskutiert. Auf Instagram finden sich vorwiegend positive Rückmeldungen. In der Kommentarspalte heißt es etwa:
- "Gott sei Dank! Diese Ich-Gesellschaft nervt schon so! 🙌"
- "@wienerlinien finde ich mega!!! Danke"
- "Omg, danke, danke danke! Ich will nach der Arbeit einfach nur Ruhe, aber die Leute benehmen sich, als wären sie bereits zu Hause. Rücksichtslos."
- "Super 👍🏽 Es ist ein Beförderungsmittel und keine fahrbare Telefonzelle."
- "Komplett richtig, da es sehr störend ist. 👏"
- "Ich finde es super. Ich bin jeden Tag unterwegs mit Bus, Bahn und so weiter … Es ist immer sehr laut. Ich finde es respektlos gegenüber anderen Leuten, so laut zu telefonieren."
Telefonieren und Essen gänzlich verboten?
Es gibt aber auch kritische Stimmen. Einige Nutzer halten die Maßnahmen für "übertrieben", andere äußern Bedenken und zeigen Verunsicherung:
- "Was ist, wenn ein Kind Hunger bekommt und zum Schreien anfängt, weil es nichts zu essen bekommt? Oder gibt es da eine Ausnahme?"
- "Ich komm von einem 12-Stunden-Dienst, fahre eine halbe Stunde mit der Schnellbahn oder auch eine Stunde und ich muss noch warten, ich darf nicht essen? Das ist sowas von unmenschlich."
Statement der Wiener Linien
Wie streng sind die Regeln in Bezug auf Essen und Telefonieren in den Öffis? Ist dies grundsätzlich untersagt, oder gibt es Ausnahmen?
Auf Anfrage des KURIER stellen die Wiener Linien klar, dass ausschließlich "lautes Telefonieren" beziehungsweise das "Telefonieren über Lautsprecher" von dem Verbot betroffen ist. Telefongespräche in normaler Lautstärke blieben weiterhin in den Öffis erlaubt.
- Das Essverbot besteht übrigens bereits seit 2019, nur möchte man künftig verstärkt auf die Einhaltung achten.
- Die Wiener Linien betonen zudem, dass die Service- und Sicherheitsmitarbeitenden, welche die Einhaltung der Regeln kontrollieren, dabei "sensibel und mit Augenmaß" vorgehen werden.
Wir werden keinem Kleinkind, das Hunger hat, das Kipferl wegnehmen.
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