Schlechtes Benehmen in Öffis: Was die Wiener am meisten stört

Die Wiener Linien wollen demnächst eine Kampagne starten. Im Vorfeld wurde die Stimmungslage der Wienerinnen und Wiener abgefragt.
Zwei Jugendliche sitzen nebeneinander in einer Straßenbahn, einer schaut auf sein Handy, die andere blickt nach unten.

Das Handy in der S-Bahn läutet. Ein Mann hebt ab und über Lautsprecher hört der ganze Waggon seiner Tochter zu, wie sie ihm alles Gute zum Geburtstag wünscht – und dass sie ihn lieb hat. Er antwortet, sichtlich peinlich berührt, mit „Passt schon“. Alle im unmittelbaren Umfeld versuchen merklich, sich trotz der Alltagskomik das Lächeln zu verkneifen.

Mit Amüsement, wie bei dieser Begebenheit vor rund zwei Wochen, endet es aber selten, wenn jemand lautstark in den Öffis sein Handy nutzt. Noch in der ersten Märzhälfte wollen die Wiener Linien und die zuständige Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) darum eine Kampagne gegen lautes Telefonieren in den Öffis präsentieren. Mit „Wiener Schmäh“ soll das passieren, wie Sima im Vorfeld sagte.

Die Wiener SPÖ ließ zuvor erheben, welches Verhalten die Wienerinnen und Wiener im Öffi-Verkehr am meisten stört. 

Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage liegen dem KURIER vor. Demnach fühlen sich tatsächlich 85 Prozent von lautem Telefonieren am meisten gestört. 63 Prozent nervt lautes Musikhören, 41 Prozent mögen es nicht, wenn Erwachsene essen.

73 Prozent für Strafen

Eine deutliche Mehrheit der Öffi-Nutzer würde Strafen für diejenigen befürworten, die sich nicht an die Regeln halten, nämlich 73 Prozent, 23 Prozent sind dagegen, der Rest hat sich der Stimme enthalten. Bei Nicht-Öffi-Nutzern sind die Werte mit 72 zu 21 relativ ähnlich.

Die Grafik zeigt, dass 85 Prozent der Wiener von lautem Telefonieren genervt sind.

Es gibt allerdings einen leichten Generationenunterschied. Bei 60-Jährigen sind 79 Prozent für Strafen, bei unter 30-Jährigen gibt es mit 70 Prozent die wenigsten Befürworter. Frauen sind mit 68 Prozent verhaltener als Männer (76 Prozent).

Unterschiedliche Parteipräferenzen

Unterschiede gibt es in dieser Frage auch, je nachdem, welche Parteipräferenz die Befragten angegeben haben, wenngleich sich alle mehrheitlich für Strafen aussprechen. Am deutlichsten allerdings die Wählerinnen und Wähler von ÖVP (89 Prozent dafür) und FPÖ (80 Prozent dafür). Bei Neos-Wählern sprechen sich 76 Prozent für Strafen aus, bei SPÖ-Wählern 68 Prozent. Zurückhaltender sind Sympathisanten der Grünen (59 Prozent) eingestellt, die wenigsten Befürworter, 51 Prozent, sind bei KPÖ-Wählern zu finden.

In anderen Ländern gibt es bereits Strafen für übermäßigen Lärm durch Handynutzung, etwa in Frankreich oder Portugal.

Die Grafik zeigt, dass sich eine große Mehrheit für Strafen ausspricht.

Bei dem Empfinden der Störfaktoren gibt es keine großen Diskrepanzen unter den Wählern. Lautes Telefonieren sehen nahezu alle Wähler gleich: Am meisten genervt sind die Grün-Wähler mit 89 Prozent, am wenigsten die KPÖ-Wähler mit 75 Prozent.

Am Essen stören sich quer durch alle Parteien zwischen 40 und 45 Prozent – mit einem einzigen Ausreißer: Nur 18 Prozent der Grün-Sympathisanten ärgern sich, wenn in den Öffis gegessen wird. Hunde ohne Beißkorb haben die meiste Ablehnung bei SPÖ-Wählern; 43 Prozent ärgern sich darüber. Bei den Neos sind es nur 29 Prozent.

Nicht zum ersten Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass Wien das Verhalten in Öffis reglementiert. 2019 wurde ein Essverbot in allen U-Bahnen eingeführt, um Verschmutzungen und Geruchsbelästigungen einzudämmen. Damals haben 50.000 Menschen an einer Umfrage der Wiener Linien teilgenommen, zwei Drittel haben sich mal für das Essverbot ausgesprochen.

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