Lautes Telefonieren: Sima will besseres Benehmen in den Öffis
Es ist eine Unsitte, die man in den Öffis regelmäßig beobachten kann – oder besser gesagt: der man lauschen kann. Immer mehr Menschen telefonieren mit dem Smartphone nicht mehr (wie eigentlich gedacht) am Ohr – sondern halten sich das Gerät (meist im Lautsprecher-Modus) vor den Mund.
Das ist praktisch für die Mitreisenden, weil sie auf diese Weise nicht nur eine Hälfte der Konversation, sondern gleich beide Seiten mitverfolgen können. Vor allem aber ist es – Spaß beiseite – nervtötend. Gerade zu Stoßzeiten, in denen die Öffis voll sind.
Wie der KURIER in Erfahrung gebracht hat, soll es mit dem schlechten Benehmen in U-Bahn, Bus und Bim bald vorbei sein. Denn die Wiener Linien starten Anfang des nächsten Jahres eine Bewusstseinskampagne für mehr Rücksicht und besseres Benehmen in den Öffis.
Eine Rückkehr
Die neue Initiative markiert auch politisch einen Wechsel für das Unternehmen – oder besser gesagt: eine Rückkehr. Die Wiener Linien lagen bis 2020 in der Verantwortung von Ulli Sima. Dann übernahm Peter Hanke (SPÖ), der mittlerweile Verkehrsminister ist. Er nutzte die riesige Bühne, die die Öffis für (Eigen-PR) bieten, nur spärlich. Anders als Sima zuvor: Sie verstand sich seit jeher darauf, strenge Maßnahmen mit augenzwinkernd-skurriler PR-Begleitmusik zu entschärfen.
Ihren Ruf als Law-and-Order-Politikerin verdiente sie sich erstmals, als sie gegen Hundekot in der Stadt vorging. Die „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“-Schilder mit dem treuherzig blickenden Hund sind heute Kult. In der U-Bahn setzt Sima Anfang 2019 ein Essverbot um, das medial und in der Stadt kontroversiell diskutiert wurde. (Befürchtungen von Jungmüttern, für ihren Kekse-essenden Nachwuchs im Kinderwagen gestraft zu werden, sollten sich nicht bewahrheiten.) Auch damals warb Sima mit Sujets für ihre Initiative, die in Erinnerung blieben: Mit an TV-Serien angelehnten Slogans zeigten Plakate den „Tatort Leberkäs“ und die „Pizza Kriminale“, zudem gab es Stiegenbeklebungen und Durchsagen.
Keine Duft-U-Bahn
Simas bislang letzte, weniger erfolgreiche Aktion: die „Duft-U-Bahn“. In ausgewählten Zügen wurden Gerüche getestet – von „Happy Enjoy“ (Sandelholz und Moschus) bis „Relax“ (mit Jasmin, Melone und Rose).
Bei einer anschließenden Umfrage sprachen sich zwei Drittel der Teilnehmer gegen eine Weiterführung aus. Nun will die Stadträtin wieder „mit Augenzwinkern und einer Portion Schmäh“ die Fahrgäste „daran erinnern“, welche Regeln es in den Öffis gibt.
An gutes Benehmen erinnern
„Im Fokus stehen Verhaltensweisen, die wohl jeder Fahrgast kennt und sich oftmals darüber ärgert“, sagt Sima. Konkret: „Lautes Telefonieren über Lautsprecher, Musikhören ohne Kopfhörer, Rucksäcke am Rücken.“
Auch an das geltende Essverbot will man durch die Kampagne „erinnern“. Neben verstärkten Kontrollen durch die Mitarbeiter der Wiener Linien wird es auch diesmal eine Kampagne geben, mit der man eine externe Agentur beauftragt hat. Nähere Details werden derzeit noch nicht verraten. Auch sonst setzt Sima auf das Thema Sicherheit: Die 110 Securitys, die seit 2017 im ganzen Netz unterwegs und die mit Bodycams ausgestattet sind, werden bis 2028 auf insgesamt 150 aufgestockt. Wie bisher sind 15.000 Kameras im Einsatz, die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt.
Weitergeführt werden auch die „U-Bahn-Stars“ – also Musiker, die in den Stationen aufspielen. Sima hat die Idee einst aus London importiert. Die Aktion solle dazu führen, dass „die Situation in den Stationen angenehmer erlebt wird“, so die Stadträtin. Seit 2017 spielen mehr als 140 Musiker (legal) in den U-Bahn-Stationen.
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