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KURIER-Wahl
07/03/2014

Republik Reinprechtsdorf: Blumen statt Spielautomaten

Anrainer kämpfen gegen die Flurschäden, die das Glücksspiel in Margareten anrichtet.

von Josef Gebhard

"Das Glücksspiel hat zwei Seiten: Eine schlechte und eine noch schlechtere", heißt es in § 13 der Verfassung der Republik Reinprechtsdorf. Noch sucht man den Zwergstaat mitten in Margareten vergebens in Atlanten und auf Google Earth. Doch darum geht es den etwa zehn Staatsbürgern auch gar nicht: Seit etwa zwei Jahren versucht die bunt zusammengewürfelte Gruppe von Nachbarn, die Flurschäden zu beseitigen, die das Kleine Glücksspiel im 5. Bezirk angerichtet hat.

Und die sind enorm. Hat doch die heruntergekommene Reinprechtsdorfer Straße Wien-weit die höchste Glücksspiel-Dichte: "Mittlerweile gibt es auf ihren 900 Metern 88 Automaten Das sind fast 100 Prozent der für den ganzen Bezirk erlaubten Zahl", sagt Wolf Jurjans, seines Zeichens Zeremonienmeister der jungen Republik. Noch sei offen, ob sie mit dem geplanten Aus des Kleinen Glücksspiels Ende des Jahres tatsächlich verschwinden.

Schattenseiten

Viele tragische Geschichten verbergen sich hinter diesen Zahlen. "Einmal kam ein verzweifelter Vater zu uns. Sein Sohn hat sein Auto verkauft, um seine Spielschulden zu tilgen. Gleich darauf hat er sich das Urlaubsgeld auszahlen lassen – und es an nur einem Tag verspielt", erzählt Jurjans. "Natürlich haben wir auch ein Sicherheitsproblem. Glücksspiel zieht die Kriminalität an, immer wieder gab es Überfälle in der Nachbarschaft."

Dass eine zehnköpfige Gruppe wenig gegen die mächtigen Automaten-Konzerne ausrichten kann, ist den Republikanern klar. "Aber wir können ein Gegengewicht schaffen, indem wir unsere Nachbarschaft schöner, lebendiger gestalten", sagt Florian Martys. Zwei Mitmach-Feste auf dem Siebenbrunnenplatz hat die Bürgerinitiative bereits veranstaltet. Jetzt will sie den grauen Platz begrünen. Raum für eine fixe Bepflanzung gibt es hier keinen. Deshalb haben sich die Anrainer eine Pflanzenkiste auf Rädern ausgedacht, die aus ausrangierten Mülltonnen der MA 48 gebastelt wird. Der erste Prototyp soll bald fertig sein, betreut werden die rollenden Blumentröge von Menschen aus der Nachbarschaft.

Mittlerweile würde sie auch die Bezirkspolitik ernst nehmen, sind die Aktivisten überzeugt. Nicht zuletzt ihnen sei es zu verdanken, dass im Herbst ein Bürgerbeteiligungsverfahren zur Belebung der Reinprechtsdorfer Straße startet. Indes macht sich die Republik über erste außenpolitische Aktivitäten Gedanken. Etwa über einen Staatsbesuch in Klein-Reinprechtsdorf in NÖ.

KURIER sucht Wiens Grätzel-Kaiser

Ausschreitungen beim Akademikerball. Das Burgtheater kracht wie eine Kaisersemmel. Und dann auch noch die Wickel um den "Privatbesuch" des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan …

Das Bild, das immer wieder Schlagzeilen von Wien zeichnen, ist oft kein schönes. Walzerseligkeit, Sisi-Kult und Kutschfahrten im Fiaker haben umgekehrt aber auch wenig mit der Lebensrealität der Wienerinnen und Wiener (und der "Zuagrastn") zu tun. Sie finden ihre heile Welt oft im Kleinen. In der Familie, den eigenen vier Wänden, in ihrer Nachbarschaft, im Grätzel.

Genau mit diesen Gemeinschaften wird sich der KURIER in den kommenden Wochen beschäftigen. Bei der großen diesjährigen Sommeraktion können Handarbeitsvereine, Nachbarschaftsgärten oder Jungschargruppen zum "Wiener Grätzel-Kaiser" gewählt werden.

Jetzt bewerben

Sie sind in einem solchen Verein tätig oder kennen Menschen, die sich für die Verbesserung Ihres Grätzels einsetzen – sei es über kulturelle Veranstaltungen, soziales Engagement oder als Hobbygärtner? Dann melden Sie diese bei der Aktion "Wiener Grätzel-Kaiser" an. Ab heute, Donnerstag können interessierte Gruppen und Vereine ihre Bewerbung auf www.kurier.at/graetzel oder per eMail unter graetzel@kurier.at abgeben.

Am 29. Juni beginnt das Voting. Bis einschließlich 6. August können KURIER-Leser ihre Stimme abgeben. Der "Wiener Grätzel-Kaiser" wird am 18. August präsentiert. Der Preis: Ein großes Grätzel-Fest im eigenen Bezirk.