Die KURIER-Illustration des Modegurus stammt von der mehrfach preisgekrönten Künstlerin Blagovesta Bakardjieva.

© KURIER/Blagovesta Bakardjieva

Style
02/24/2019

Wie steht es um die Modewelt nach Karl Lagerfeld?

Jetzt tritt eine Frau in Lagerfelds Fußstapfen – und es gibt noch weitere Hoffnungsträger.

von Maria Zelenko

„Das ist die eine ultimative Sache“, sagte Marc Jacobs, als er 2005 gefragt wurde, ob er sich außer der Arbeit für sein gleichnamiges Label noch einen anderen Job vorstellen könne. Die Stelle als Kreativdirektor bei Chanel sei die einzige Aufgabe, bei der es ihm in den Fingern jucke, wenn er an sie denke.

Zu diesem Zeitpunkt war Karl Lagerfeld bereits seit 22 Jahren an der Spitze des französischen Luxusunternehmens – mit einem Vertrag auf Lebzeiten in der Tasche. Wohl kaum ein Job war unter Designer-Kollegen so begehrt wie seiner.

Als Designer war Lagerfeld eine Ikone, als Person umstritten. Im Laufe seiner Karriere äußerte er sich immer wieder negativ über Frauen, die nicht seinem Schönheitsideal entsprachen. Dass er nur äußerst dünne Models buchte, verteidigte er gegenüber dem Focus mit den Worten: „Niemand will kurvige Frauen sehen.“ Einige Jahre später behauptete er, dass Übergewicht ein größeres gesellschaftliches Problem sei als Magersucht.

Weibliche Zukunft

Eine Frau tritt jetzt das Erbe des am Dienstag verstorbenen Exzentrikers an. Das französische Modehaus ernannte bereits wenige Stunden nach seinem Ableben Virginie Viard zur Nachfolgerin. Die Leiterin des Kreativstudios von Chanel arbeitete mehr als 30 Jahre lang Seite an Seite mit dem Genie. Ob sie ihre Entwürfe auch an kurvigen Models präsentieren wird, werden die kommenden Fashion Weeks zeigen. Dort fehlt mit Karl Lagerfeld ab sofort einer der wichtigsten Namen, den die Modewelt jemals hervorgebracht hat.

Sind mit seinem Tod die Zeiten der ganz Großen vorbei? Christian Dior starb bereits 1957, im Jahr 2008 erlag Yves Saint Laurent seiner schweren Krankheit. Lagerfeld schaffte es als einer der wenigen aus dem Schatten eines großen Modehauses hervorzutreten und selbst zur Marke zu werden. Selbst Schüler wussten, wer er war.

Großes Erbe

Lagerfelds modisches Erbe ist gewaltig, dennoch mangelt es der Branche nicht an Visionären. Marc Jacobs läutete bei Louis Vuitton 1997 eine neue Ära ein, indem er das Logo des französischen Luxusunternehmens von Künstlern neu interpretieren ließ. Eine Idee, die das Modehaus von seinem leicht verstaubten Image befreite. Sein Kollege Haider Ackermann wurde aufgrund seiner beeindruckenden Entwürfe von der renommierten Modekritikerin Suzy Menkes als „seltene Zukunftshoffnung“ bezeichnet.

Designer-Kollegen wie Pierpaolo Piccioli, Hedi Slimane, Phoebe Philo und Alber Elbaz gehören dank wegweisender Kollektionen für Modehäuser wie Celine, Saint Laurent und Lanvin bereits zu den bedeutendsten Namen der Branche.

Sie alle können Lagerfeld nicht ersetzen – beweisen jedoch, dass die Modewelt optimistisch nach vorne blicken kann.

Die großen Namen im Modebusiness

Phoebe Philo

Mit ihrer Arbeit für Celine prägte Phoebe Philo (46) das Bild der modernen, starken Frau. Mit minimalistischen und  aussdrucksstarken Kollektionen baute sie sich eine treue Fangemeinde auf.

Celine

Ende 2017 gab Philo  ihren Abschied bekannt. Sie wolle sich auf ihre Familie konzentrieren.  Es dürfte (hoffentlich) nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Französin einer neuen Aufgabe bei einem Modehaus stellt – oder ihr eigenes gründet.

Pierpaolo Piccioli

Acht Jahre lang arbeitete Pierpaolo Piccioli (51) Seite an Seite mit Maria Grazia Chiuri an den Kollektionen von Valentino. Seit letztere 2016 zu Dior wechselte, ist der Italiener alleine für Kreationen des berühmten Modehauses verantwortlich.

Valentino

Für seine ultrafemininen, farbenfrohen Entwürfe gibt es auf der Fashion Week regelmäßig Standing Ovations. Vor allem seine Haute-Couture-Entwürfe sind bei Hollywood-Stars beliebt.

Hedi Slimane

Hedi Slimane (50) gilt als Enfant terrible der Modewelt.  Saint Laurent bescherte er von 2012 bis 2016 Rekordumsätze. Sein Geheimnis: Mode, die vor Sex-Appeal nur so strotzt. Seit 2018 sitzt der Franzose an der Spitze von Celine.

Saint Laurent

Zuvor war das Modehaus für minimalistische Entwürfe bekannt, jetzt können auch dort Kundinnen zwischen Leoparden-Röcken und Glitzerkleidern wählen – nicht allen gefällt es.

Alber Elbaz

Alber Elbaz (57) wuchs in einer jüdischen Familie marokkanischer Herkunft auf. 1996 zog der Designer nach Paris, wo er für Saint Laurent und später für Lanvin arbeitete.

Lanvin

Unter ihm stiegen die Umsatzzahlen des französischen Modehauses drastisch an, jedoch gab er im Oktober 2015 bekannt, dass er das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlasse. Bisher hat Elbaz bei keiner anderen großen Marke als Chefdesigner angeheuert.

Marc Jacobs

Auch wenn sein eigenes Label in den vergangenen Jahren finanziell ins Schleudern kam, gehört Marc Jacobs (55) nach wie vor zu den größten Talenten der Branche.

Marc Jacobs

Weltweit bekannt wurde der US-Amerikaner durch seine Tätigkeit bei Louis Vuitton, wo er von 1997 bis 2013 als Kreativdirektor fungierte. Unter seiner Leitung kooperierte das Modehaus  mit Künstlern wie Stephen Sprouse und Takashi Murakami.

Haider Ackermann

 Sein Handwerk lernte der Kolumbianer Haider Ackermann (47) unter anderem bei John Galliano, bis er 2002 sein eigenes Label gründete. Klare Linienführungen, eine Vorliebe für asymmetrische Schnitte und Drapierungen sind typisch für den 47-Jährigen.

Berluti

2016 ernannte ihn das Modehaus Berluti zum Chefdesigner, jedoch verließ er die Firma nach drei Saisonen. Heute konzentriert er sich ausschließlich auf sein Label.

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