Style
30.06.2017

Models mit Makel: Versandhaus erntet Lob & Skepsis

Das britische Online-Versandhaus Asos erregt mit neuen Produktsujets, auf denen Models mit Dehnungsstreifen zu sehen sind, Aufsehen.

Während es früher undenkbar gewesen wäre, Models mit Cellulite oder Dehnungsstreifen zu zeigen, gehört es für Modeunternehmen mittlerweile zum guten Ton, Models auf Werbesujets oder im Webshop unretuschiert abzubilden. Subsummiert werden derartige Neuerungen unter dem Begriff "Body Positivity", einer Strömung, die einen wohlwollenderen Blick auf den eigenen Körper propagiert.

Nun hat sich auch das britische Versandhaus Asos dazu durchgerungen, seinen Mannequins nicht mehr mittels Photoshop die Dehnungsstreifen zu rauben. Auf aktuellen Bademodensujets sieht man auf den Oberschenkeln und Pobacken der Frauen helle Streifen anstatt glattgebügelter Haut.

Lob & Skepsis

Auf Twitter wurde die Aktion zunächst positiv aufgenommen: "Asos, danke dafür, dass ihr (dem Model, Anm. d. Redaktion) ihre Dehnungsstreifen nicht weggemacht habt, sie ist überwältigend und das wird anderen Mädchen helfen ihre (Dehnungsstreifen, Anm. d. Redaktion) zu akzeptieren", schrieb eine Userin. "Dass Asos die Dehnungsstreifen der Mädchen auf den Bademodenfotos nicht wegretuschiert, haucht mir so viel Leben ein, schaut euch an wie wunderschön sie sind", bemerkte eine andere. Die Sujets wurden zudem als "eindrucksvoll", "großartig" und "episch" beschrieben.

Doch im Netz formierte sich auch Skepsis und Kritik an den Bildern. "Ist es wirklich ein Fortschritt, wenn ihr immer noch Models zeigt, die den Körper einer 12-Jährigen haben?", fragte eine Nutzerin via Twitter. "Ich bin total unbeeindruckt, wenn ich ein dünnes weißes Model mit Dehnungsstreifen sehe, die ich an einer Hand abzählen kann", bekrittelte eine andere.

Außerdem stellten einige User infrage, ob die Dehnungsstreifen auf der Haut der Models echt seien: "Vielleicht hat sie gar keine Dehnungsstreifen und man hat sie mittels Airbrush aufgemalt", mutmaßte ein User.

Imagepolitur notwendig

In jüngster Vergangenheit hatte sich das Versandhaus des Öfteren negativer Publicity stellen müssen. Im vergangenen Jahr legte eine Reportage offen, dass Asos die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter nicht ernst nehme. Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter verrieten, dass sie von Führungskräften dazu angehalten wurden, zu bestimmten Tageszeiten keine WC- oder Trinkpausen zu machen. Schichtdienste würden ohne mehr Gehalt kurzfristig geändert und ungerechtfertigte Kündigungen ausgesprochen (mehr dazu hier).

Vor wenigen Wochen sorgte eine Größentabelle des Händlers für Diskussionsstoff, da auf dieser Shorts in UK-Größe 10 als "Large" deklariert wurden. Diese Größe entspricht laut Tabelle der europäischen Konfektionsgröße 38 (mehr dazu hier).