Style
22.02.2016

Dresscode: Was ziehe ich zum Bewerbungsgespräch an?

Eine Expertin verrät, mit welchem Look man einen guten Eindruck macht und welche Fettnäpfchen drohen.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance - eine Weisheit, die vor allem für die berufliche Zukunft entscheidend sein kann. Der KURIER hat bei Farb-, Stil- und Imageberaterin Bettina Kohlweiss nachgefragt, was in punkto Outfit bei einem Bewerbungsgespräch zu beachten ist.

KURIER: Mit welchem Outfit kann man bei einem Bewerbungsgespräch punkten?

Bettina Kohlweiss: Das hängt davon ab, wo Sie zum Bewerbungsgespräch eingeladen sind. Bei einem Wirtschaftsprüfer? Einem Tattoo-Studio? Einem Industrieproduktionsunternehmen? Oder bei einer kleinen Tischlerei? Und für welche Position haben Sie sich beworben?

Das EINE perfekte Bewerbungsoutfit gibt es nicht. Was passend ist, ist abhängig von der Branche, dem Unternehmen und der angestrebten Position. Die Finanzbranche hat einen strengeren Dresscode als die Medienbranche. Größere Unternehmen legen in der Regel mehr Wert auf Bekleidungsvorschriften als kleine Familienbetriebe. Und auch die Position entscheidet, was man trägt: Eine Management-Position oder eine Stelle mit Repräsentationsaufgaben erfordert andere Kleidung als ein Stelle, bei der stark manuell gearbeitet wird.

Unabhängig für welchen Job man sich bewirbt, gibt es jedoch Grundregeln, die sehr entscheidend sein können, wie Sie beim Bewerbungsgespräch abschneiden: Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist das A&O. Ein gepflegter Mensch wird als attraktiver, sympathischer, vitaler und schlussendlich leistungsfähiger wahrgenommen. Mit einem gepflegten Erscheinungsbild drückt man Wertschätzung sich selbst und dem potentiellen Arbeitgeber gegenüber aus.

Das Bewerbungsoutfit soll dezent und von guter Qualität sein sowie eine perfekte Passform haben und zeitgemäß sein. Sie und Ihre Qualitäten und Kompetenzen stehen im Mittelpunkt. Auffällige oder unpassende Details lenken zu stark von der Person ab und vermitteln weniger Seriosität. Gepflegte Kleidung lässt auf Ihre Arbeitsqualität und Ihren Umgang mit Arbeitsmitteln schließen. Zu große Kleidung vermittelt den Eindruck, dass Sie Ihrer Sache und somit dem Job noch nicht gewachsen sind. Und wenn Sie einen Anzug aus den 90iger Jahren tragen, können Sie sich schwer als sehr innovativ und up-to-date mit den letzten fachlichen Neuerungen verkaufen.

Und schlussendlich ist der Wohlfühlfaktor sehr entscheidend: Kleidung ist wie unsere zweite Haut. Nur wer sich in ihr Wohl fühlt, wird Souveränität ausstrahlen. Zusammenfassend kann man sagen: Sie punkten mit einem Bewerbungsoutfit, das Ihre Kompetenz und Persönlichkeit unterstreicht und Ihnen Sicherheit vermittelt.

Können Sie konkrete Outfit-Beispiele nennen?

In den meisten Fällen eignen sich für Bewerbungsgespräche Anzüge, Kostüme oder Kombinationen aus Rock/Kleid/Hose mit Blazer/Sakko in den Business-Farben wie Blau, Grau, Braun oder Schwarz in Kombination mit hellen Oberteilen ohne große, auffällige Muster. Je höher die Position innerhalb der Hierarchie angesiedelt ist, umso dunkler werden die getragenen Farben. Accessoires wie Schmuck, Schuhe, Strümpfe, Gürtel und Taschen sind von guter Qualität und werden dezent eingesetzt. Im Zweifelsfall ziehen Sie sich lieber eine Spur konventioneller als lässiger an.

Was sollten Männer anziehen?

Strebt man eine Managementposition oder eine Position mit Außenwirkung an, ist ein Anzug mit Krawatte Pflicht. Für eine Sachbearbeiter- oder Experten-Stelle in einem Unternehmen, das nicht dem strengen Business-Dresscode unterliegt (wie Finanz, Versicherung, Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsanwaltskanzlei, ...), stellt eine Kombination aus Hose und Sakko in Blau oder Grau mit einem hellen Hemd eine gute Alternative dar. Bei Bewerbung für eine Stelle mit manuellen Tätigkeiten sind auch eine dunkle, unauffällige Hose und ein dezentes Hemd passend.

Wie sieht es mit der Vorstellung für einen Kreativberuf aus?

Das Äußere soll natürlich das kreative Potential ausdrücken. Die Grundgarderobe wie Kostüm, Anzug oder eine Kombination aus Rock/Hose und Blazer/Sakko ist auch bei kreativen Berufen zu empfehlen. Aber gerade im kreativen Bereich haben Sie die Möglichkeit, durch interessante Schnitte oder Stoffe sowie durch spezielle Accessoires und extravagantere Frisuren Ihre Kreativität zu unterstreichen.

Mit welchen Kleidungsstücken tappt man garantiert ins Fettnäpfchen?

Das hängt natürlich vom Job ab, aber das Potential dazu hat in den meisten Fällen typische Freizeit- oder Sportkleidung, kurze Hosen, T-Shirts mit Botschaften, Spaghetti-Träger-Shirts, Flip-Flops und Sandalen, Kleidung in schrille Farben (wie neongelbes Hemd, pinke Bluse) oder unpassenden Materialien (wie schwarzes Lederkostüm, Spitzenkleid und transparente Blusen), zu große Blazer mit viel zu langen Ärmeln, Mini-Röcke, zu enge Kleidung, die Knackwurst-Alarm hervorruft, zu tiefe Dekolletés, große, plakative Musterungen (wie Comic-Krawatten oder -Socken, Blumen-Bluse oder Hawaii-Hemden), schlechte Markenimitationen oder Strümpfe mit Laufmaschen.

Wie bestreitet man diesen Termin im Hochsommer, ohne dabei zu leger zu wirken?

Der Business-Dresscode gilt immer – auch bei 35°C. Aber dank Klimaanlagen, sommerlichen Stoffen aus natürlichen Materialien und eventuell helleren Farben ist es möglich, auch im Hochsommer adäquat gekleidet zum Vorstellungsgespräch zu kommen. Ein verlässliches Deo, Achselpads und Erfrischungssprays sind wertvolle Helferchen. No-Gos sind Kurzarm-Hemden zum Anzug, offene Schuhe, freizügige Kleidung, die zu viel nackte Haut zeigt oder die Sonnenbrille ins Haar gesteckt.