Beatrix will im April abdanken

Die niederländische Königin kündigte Montag Abend im Fernsehen ihren Rücktritt an.

Die niederländische Königin Beatrix will im April abdanken - zugunsten ihres Sohnes Prinz Willem-Alexander. Die Monarchin gab ihre Entscheidung am Montagabend in einer Fernsehansprache bekannt.  Beatrix wird am Donnerstag 75 Jahre alt. Sie wurde 1980 Monarchin, nachdem ihre Mutter, Königin Juliana, nach 31 Jahren Herrschaft abdankte.

Seit fast 33 Jahren sitzt Königin Beatrix auf dem niederländischen Thron. Lange schon wird darüber spekuliert, nun soll es so weit sein:  Es wird einen Wechsel an der Spitze des Königshauses geben. Die niederländische Königin Beatrix will im April abdanken - zugunsten ihres Sohnes Prinz Willem-Alexander, gab sie kurz vor ihrem 75. Geburstag bekannt. "Die Königin wird ihren 75. Geburtstag im Familienkreise feiern", teilte der Hof mit, als ob es um einen ganz normalen Geburtstag ginge. Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Vor knapp einem Jahr verunglückte Beatrix zweiter Sohn, Prinz Friso, beim Skifahren in Österreich.Er liegt seitdem im Koma in einer Klinik in London. Das Unglück überschattet den Tag. Die Niederländer werden daher nicht nur mit Respekt, sondern auch mit Mitgefühl und Zuneigung an ihre Königin denken. Das zeigte sich bereits in der vergangenen Woche. Bei ihrem Staatsbesuch in Brunei kamen Königin Beatrix plötzlich die Tränen. Beim Treffen mit der niederländischen Gemeinschaft in dem asiatischen Sultanat brach ihre Stimme. Sie hatte mit den Eltern eines siebenjährigen Mädchens gesprochen, das am Neujahrstag ertrunken war. "Diese Tragödie hat Sie alle hier zutiefst getroffen", sagte Beatrix.  In so einem Moment müsse man zueinanderstehen. "Das ist unglaublich wertvoll." Nicht nur die Gäste in Brunei, sondern auch viele Niederländer zu Hause mussten da wohl schlucken. In diesem Moment sahen sie nicht nur ihr Staatsoberhaupt, sondern vor allem eine Mutter. Der Geburtstag der Monarchin wird wie jedes Jahr erst am 30. April, am "Koninginnedag", mit einem Volksfest im ganzen Land gefeiert. Doch schon jetzt sind die Medien im Beatrix-Fieber mit Sondersendungen und Sonderbeilagen, Büchern und Ausstellungen. Dass die Fürstin selbst keinen großen Trubel will, passt auch zum Stil des niederländischen Königshauses. Pomp und großer Luxus würde auch beim noch immer vom Calvinismus geprägten Volk vermutlich nicht gut ankommen. Seit fast 33 Jahren ist Königin Beatrix nicht nur Chefin des Hauses Oranje, sondern auch des Landes. "Die Vorstandsvorsitzende der Firma Niederlande", wird sie oft spöttisch, aber auch anerkennend genannt. Sie arbeitet hart, ist stets gut informiert und ungeheuer pflichtbewusst, loben alle Ministerpräsidenten, die mit ihr zusammenarbeiteten. Sie ist ein Kontrollfreak, lästern vor allem Journalisten. Die Dame mit der stets makellosen Frisur führt gerne die Regie. Und das gilt auch für den Moment des Thronwechsels. Der Moment für einen solchen scheint günstig. Nach zehn Jahren mit fünf Parlamentswahlen scheint nun wieder mehr politische Stabilität im Land eingekehrt zu sein. Und Beatrix hatte einmal in einem ihrer seltenen Interviews selbst angegeben, dass sie ihrem Sohn einen leichten Start ermöglichen will. Außerdem sind Umfragen zufolge die meisten Niederländer davon überzeugt, dass Kronprinz Willem-Alexander gut auf seine Funktion als König vorbereitet ist. Die meisten Untertanen gönnen der Monarchin den Ruhestand, auch wenn sie Beatrix schätzen.  "Ich bin gegen die Monarchie", sagt etwa der Amsterdamer Unternehmer Marc Visser. "Aber sie macht ihre Sache gut." Auch die Ansicht der Verkäuferin Anneke ist wohl stellvertretend für viele: "Vor allem nach dem schrecklichen Unfall von Prinz Friso, sollte sie jetzt Zeit für ihre Familie haben."

Als "Symbol der nationalen Einheit", wie sie der niederländische Schriftsteller und Adelsexperte Han van Bree einmal nannte, und moderne "Monarchie-Managerin" ist Beatrix bei ihren Landsleuten äußerst beliebt. Umfragen bescheinigten der Königin mit den adretten Kleidern und bisweilen exzentrischen Hüten regelmäßig hohe Sympathiewerte. Auch zu ihrem 30. Thron-Jubiläum im Jahr 2010 hatte sich eine überwältigende Mehrheit der Niederländer Beatrix weiter als Staatsoberhaupt gewünscht, zugleich aber 2013 als ein gutes Jahr für eine Amtsübergabe genannt.

Anders als ihre Mutter verstand sich Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau und von Lippe-Biesterfeld von Beginn an als politische Monarchin. Sie ließ sich mit "Ihre Majestät" anreden, war sich der verfassungsrechtlichen Grenzen ihres Amtes aber bewusst. Ihr Amtsverständnis machte Beatrix deutlich, als Monarchiegegner gewalttätig gegen ihre Krönungszeremonie am 30. April 1980 protestierten. Nicht ein vererbter Machtanspruch, sondern "nur die Bereitschaft, der Gemeinschaft zu dienen", könne der Sinn moderner Monarchie sein, sagte sie.

Ihre Rolle in der Politik

In der niederländischen Politik spielt die Monarchin eine wichtige Rolle. Sie ernennt nicht nur den sogenannten Formateur, der nach Parlamentswahlen mögliche Koalitionen erörtert. Die Königin unterschreibt auch Gesetze und führt den Vorsitz im Staatsrat, der die Regierung bei der Gesetzgebung berät. Zugleich ist der Staatsrat das höchste Verwaltungsgericht.

Nicht zuletzt der Einsatz der Niederlande für den EU-Beitritt Österreichs brachte Beatrix den Orden Großstern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik ein, der 1994 von Bundespräsident Thomas Klestil verliehen wurde. Sie hatte bereits 1961 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande erhalten. Für Aufsehen sorgte während der EU-Sanktionen gegen die schwarz-blaue Bundesregierung im Jahr 2000 ihre Entscheidung, den österreichischen Botschafter von der Gästeliste ihres traditionellen Diners für das diplomatische Corps streichen zu lassen. Zuvor war sie in den Niederlanden kritisiert worden, weil sie trotz der Sanktionen zum Arlberg auf Urlaub fuhr.

Kindheit im Exil

Holland Foto: epa 1946 Beatrix wurde am 31. Jänner 1938 als erstes Kind von Königin Juliana und Prinz Bernhard geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie wegen des Zweiten Weltkriegs größtenteils im britischen und kanadischen Exil. Nach ihrem Jurastudium an der Universität Leiden heiratete die Thronfolgerin 1966 den westdeutschen Diplomaten Claus von Amsberg und sorgte damit in ihrer Heimat für einen nationalen Skandal.

Die Erinnerungen an die deutsche Besatzung waren noch frisch, und viele Niederländer konnten sich damals nicht vorstellen, dass ein ehemaliges Mitglied der Hitlerjugend in den Königspalast einziehen könnte. Prinz Claus gewann mit seiner bockigen Einstellung zum steifen Hofzeremoniell aber bald die Herzen der Menschen. Nach seinem Tod 2002 trauerte das ganze Land mit Beatrix um ihren Mann.

Hochzeiten und Schicksalsschläge

Wie ihre eigene Hochzeit irritierten auch die Heiratspläne von zwei ihrer drei Söhne die Öffentlichkeit in der Poldermonarchie. Beatrix' ältester Sprössling, Kronprinz Willem-Alexander, heiratete 2002 die Argentinierin Maxima Zorreguieta, deren Vater während der Militärdiktatur in dem südamerikanischen Land (1976 bis 1983) Landwirtschaftsminister war. Der Thronfolger durfte Maxima nur heiraten, nachdem geklärt war, dass ihr Vater nicht zur Hochzeit kommt.

Anschließend sorgte die Heirat von Prinz Johan Friso mit Mabel Wisse Smit für Schlagzeilen, weil die bürgerliche Braut eine Beziehung mit dem niederländischen Drogenboss Klaas Bruinsma gehabt haben soll. Um Mabel trotzdem heiraten zu können, verzichtete Johan Friso 2004 auf seinen Thronanspruch.

In jüngerer Vergangenheit Jahren musste Beatrix mehrere Schicksalsschläge verkraften: Am Königinnentag 2009 versuchte ein Mann in der Stadt Apeldoorn mit einem Auto in die Königsfamilie zu rasen; sieben Menschen kamen dabei ums Leben.

Besonders schwer aber lastete auf ihr der Unfall ihres Sohnes Johan Friso, der im Februar vergangenen Jahr bei einem Lawinenunglück in Lech am Arlberg schwer verletzt wurde und ins Koma fiel - ein Schicksalsschlag von dem sich die stets fröhlich auftretende Monarchin nicht wirklich erholte.

Regierungschef  würdigt Königin

Unmittelbar nach der Ankündigung, abdanken zu wollen, hat Regierungschef Mark Rutte das Wort ergriffen und den unermüdlichen Einsatz der Monarchin für das Land gewürdigt. "Sie ist zu einer niederländischen Ikone geworden", sagte Rutte, der zugleich dem künftigen König Respekt zollte. "Er und Prinzessin Maxima sind perfekt vorbereitet für diese Aufgabe."

Eckpunkte

Königin Beatrix

Fast 33 Jahre ist Königin Beatrix im Amt. Schon länger wurde über einen bevorstehenden Thronwechsel spekuliert.

Holland
Foto: epa

1938: Beatrix Wilhelmina Armgard van Oranien-Nassau kommt am 31. Januar auf Schloss Soestdijk in Baam (Niederlande) zur Welt.

1956: Als offizielle Thronfolgerin tritt sie in den Staatsrat ein. Im selben Jahr beginnt sie ihr Studium an der Universität Leiden - Jura, Soziologie, Geschichte.

1961: Juristische Promotion.

1966: Gegen großen Widerstand in der niederländischen Bevölkerung heiratet sie den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg (1926-2002).

1967-69: Ihre Söhne Willem-Alexander, Johan Friso und Constantijn kommen zur Welt.

1980: Beatrix' Mutter, Königin Juliana, dankt am 30. April ab. Beatrix wird noch am selben Tag gekrönt.

1994: Bundespräsident Thomas Klestil verleiht Beatrix den Orden Großstern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Sie hatte bereits 1961 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande erhalten.

2002: Hochzeit von Thronfolger Willem-Alexander und seiner Braut Maxima aus Argentinien. Am 6. Oktober stirbt Prinz Claus nach langer Krankheit.

2012: Beatrix' Sohn Johan Friso wird beim Skifahren in Lech am Arlberg (Vorarlberg) von einer Lawine verschüttet. Er erleidet einen schweren Hirnschaden und bleibt möglicherweise lebenslang im Wachkoma.

2013: Kurz vor ihrem 75. Geburtstag dankt die Königin ab.

Prinz Willem-Alexander

Holland
Foto: epa

Auch der künftige König der Niederlande hatte seine "Sturm-und-Drang-Zeit". Wegen seiner Zuneigung zum Gerstensaft wurde Willem-Alexander in der Studentenzeit oft als "Prinz Pilsje" verspottet. Wenige Jahre später erlebte man ihn als ernsthaften UN-Experten für Wasser- und Umweltschutz. Um seine elegante Prinzessin Maxima (41) aus Argentinien und die drei entzückenden Töchter Amalia (9), Alexia (7) und Ariane (5) wird der Thronfolger in weiten Teilen des europäischen Hochadels durchaus beneidet.

 Die niederländische Monarchie hat der Kronprinz schon vor Jahren im Auftrag von Königin Beatrix immer wieder bei verschiedensten Verpflichtungen im In- und Ausland würdig vertreten. So lange, dass sich mancher in Holland schon fragte, ob aus Willem-Alexander eine Art "Prinz Charles hinter den Deichen" werden würde. Doch anders als bei den Briten, wo Monarchen meist im Amt das Zeitliche segnen, ehe die Nachfolger ran dürfen, ist bei den Niederländern ein Thronwechsel zu Lebzeiten üblich.

Ungeduld wurde ihm manchmal nachgesagt, doch zumindest nach außen wirkte Willem-Alexander immer so, als würde ihm die Rolle der wichtigsten Stütze seiner gekrönten Mama vollkommen genügen. Stets freundlich und zurückhaltend nahm er die Aufgaben eines Königs im Wartestand wahr.

Dem Rat seines 2002 gestorbenen deutschen Vaters Prinz Claus folgend, hatte er sich bei seiner Ausbildung auf die Wasserwirtschaft konzentriert - einem Königreich angemessen, das sich seit Jahrhunderten gegen die Fluten der Nordsee verteidigen muss und auf ein riesiges System von Kanälen und Pumpstationen angewiesen ist, erst Recht in Zeiten des Klimawandels.

"Nicht intellektuell, aber intelligent"

Viele Jahre beriet der Prinz die Vereinten Nationen als Experte für Wassermanagement. Zudem engagierte sich der sehr sportbegeisterte Thronfolger im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Wie seine Mutter hatte Willem-Alexander an der Universität Leiden studiert, wo er zunächst 1993 ein Geschichtsstudium abschloss. Einer seiner Professoren nannte ihn "nicht intellektuell, aber intelligent" - das kommt bei seinen Landsleuten gut an.

Nach mehr als 120 Jahren Herrschaft von Frauen auf dem Thron der Niederlande wird mit König Willem IV. nun wieder ein Mann an der Spitze der Oranje-Dynastie stehen. Doch auch die Niederländer kennen die Spruchweisheit, wonach hinter jedem großen Mann eine starke Frau zu finden ist.

Dass der hochgewachsene Blondschopf sich einst durchsetzte und eine ebenso attraktive wie bodenständige Bürgerliche heiratete, brachte ihm viele Sympathien ein - und stärkte den Ruf der Volksverbundenheit der Oranjes.

Das Paar sorgte für frischen Wind im Königshaus. Schon seit einigen Jahren ist es auf die Thron-Rolle vorbereitet. Bei Meinungsumfragen konnte der blaublütige Wasserexperte seiner Frau allerdings einfach nie das Wasser reichen: Niemand ist in Holland populärer als die schöne und temperamentvolle Gattin. Kein Wunder, dass die Niederländer es mit Begeisterung aufnahmen, dass Prinzessin Maxima künftig ebenfalls den Titel einer Königin tragen darf.

Prinzessin Maxima

Umwerfend wie nie

Prinzessin Maxima stiehlt mit ihren selbstsicher-natürlichen Auftritten allen die Show.

Holland
Foto: epa

Sie tanzte vor kurzem Samba in Brasilien, schwamm durch Amsterdams Grachten und ... ... ist auch bei öffentlichen Besuchen für jeden Scherz zu haben. Dass nicht einmal das britische Sweetheart, Herzogin Kate, Maxima das Wasser reichen kann, wenn es um selbstsicher-natürliche Auftritte geht, beweist die holländische Prinzessin dieser Tage aufs Neue. Der Charme, der aus Argentinien stammenden Maxima, begeistert die Holländer. Sie ist das beliebteste Mitglied des Königshauses - erst an zweiter  Stelle folgt Umfragen zufolge ihre Schwiegermutter, Königin  Beatrix. Die in Buenos Aires aufgewachsene Frohnatur eroberte die niederländischen Herzen mit ihrer warmen, freundlichen und volksnahen Art im Sturm. Fast elf Jahre ist sie jetzt mit Willem-Alexander verheiratet. Ihren eigenen Stil traut sie sich heute deutlicher zu zeigen als noch vor einiger Zeit. Wie selbstverständlich trägt sie ein hautenges Mini-Lederkleid zu einem offiziellen Anlass- Herzogin Kate wäre das wohl doch etwas too much. Bei der königlichen Hochzeit in Luxemburg vor einigen Wochen trägt sie eine auffällige Kreation mit Fasanenfedern - und gewinnt damit Stil-Experten für sich. Emotionen und Leidenschaft, das zeigte die heute 41-Jährige aber schon immer. Ein besonders schmerzvoller Moment: Die Regierung des Sozialdemokraten Wim Kok untersagte damals die Teilnahme ihres Vaters Jorge Zorreguieta an ihrer Hochzeit, weil dieser einst der Militärdiktatur in Argentinien (1976 bis 1983) als Staatssekretär gedient hat. Aus Solidarität blieb auch Maximas Mutter Carmen der Zeremonie fern. Die Braut weinte bei der Trauung bitterlich. Nach den Problemen, die ihre Herkunft gemacht hatte, ging es bei Maxima und Willem-Alexander aber in eine bislang gänzlich skandalfreie Zukunft. Nicht nur die fesche Blondine an Willems Seite wurde im Land beliebt, auch der Prinz selbst konnte sich durch seine Frau von seinem Party-Prinz-Image befreien. Früher verpassten die Holländer Willem-Alexander den Spottnamen "Prins Pilsje" (Pils-Prinz).  Mittlerweile zeigt sich der Prinz als liebender Familienvater - die Partys mit Frischgezapften scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die drei gemeinsamen Töchter tun ihr übriges, um Leben in die königliche Familie zu bringen und die Royals bei den Niederländern und der restlichen Welt beliebt zu machen. Allen voran steht aber noch immer Maxima, die mit ihrer herzlichen Art einfach jeden für sich gewinnen kann. In dieser Hinsicht können auch Kate, Mette-Marit, Mary, Letizia und wie sie alle heißen noch etwas von Maxima lernen.

(APA / cka/mn) Erstellt am
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