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02/04/2021

Aufschrei ohne Einsicht: Gottschalk verloren im Shitstorm

In der Sendung "Die letzte Instanz" fiel der Moderator durch diskriminierende Aussagen auf. Auf ein Statement wartet man bislang vergebens.

FĂŒr Empörung sorgte die vergangene Woche zum zweiten Mal ausgestrahlte WDR-Sendung "Die letzte Instanz". Konsequent verteidigten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Talkrunde darin rassistische Formulierungen und stritten die Existenz von Alltagsrassismus ab.

Scharfe Kritik gab es vor allem an Thomas Gottschalk, der angab, bei einer KostĂŒmparty in Los Angeles mit Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erfahren zu haben, "wie sich ein Schwarzer fĂŒhlt". Auch der ehemalige "Big Brother"-Teilnehmer JĂŒrgen Milski diskutierte die Frage: "Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?" mit. Am Ende waren sich die GĂ€ste einig und befanden die Forderung nachdem Ende von Rassismus-reproduzierender Sprache als nicht relevant.

Einsicht nach Aufschrei - zumindest teilweise

Nach umfassender Kritik und einem Aufschrei im Netz haben sich die deutsche Schauspielerin Janine Kunze und der Moderator Micky Beisenherz, die ebenfalls an der Sendung teilgenommen hatten fĂŒr ihre Aussagen entschuldigt.

"Mir ist klar geworden, dass ich Menschen, insbesondere die der Sinti und Roma Community, mit meinen unbedachten Äußerungen zutiefst verletzt, als auch diskriminiert habe", schrieb Kunze am Sonntag auf Instagram.

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Beisenherz sagte am Montag in seinem Podcast "Apokalypse und Filterkaffee": "Wenn ich Leute enttĂ€uscht habe, dann tut mir das aufrichtig leid, denn das möchte ich nicht", so der 43-JĂ€hrige. "Wenn da vier Kartoffeln sitzen und ĂŒber Rassismus mit Karten abstimmen, dann ist im Kern ja schon mal etwas falsch, das kannst du so einfach nicht machen", sagte er in seinem Podcast. Als Gesellschaft sei man deutlich weiter, "als im Jahr 2021 noch ernsthaft ĂŒber dieses verdammte Schnitzel zu diskutieren und zu sagen, ich möchte unbedingt das Z-Wort benutzen, wenn ich bestelle."

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Auf Twitter hatten sich zuvor viele Zuschauer und Zuschauerinnen darĂŒber empört, dass die GĂ€ste "empathielos", "unkritisch" und "naiv" mit dem Thema Alltagsrassismus umgegangen seien und sie von oben herab Menschen, die tagtĂ€glich Rassismus und Diskrimierung ausgesetzt sind, ihren Alltag absprechen.

Kunze schrieb in ihrem Statement am Sonntag, als Mutter von drei Kindern sollte sie aufgeklĂ€rter sein. Sie werde kĂŒnftig ihre Wortwahl ĂŒberdenken. "Mein Wunsch ist es, dass wir voneinander lernen". Ihr Statement versah sie mit dem skizzenhaften Bild eines Herzens. Beisenherz sagte in seinem Podcast weiter, er hĂ€tte in der Sendung bei vielen problematischen Aussagen vehementer reagieren mĂŒssen. "Das habe ich verstanden und das nehme ich mit fĂŒrs nĂ€chste Mal."

Am Sonntag hatte auch der Sender Fehler eingerĂ€umt: Die Sendung sei nicht so gelaufen, "wie wir es geplant und uns vorgestellt hatten". In der "letzten Instanz" sollten kontroverse Themen auf unterhaltsame Weise diskutiert werden, und dabei dĂŒrfe natĂŒrlich jeder Gast seine Meinung Ă€ußern. "Aber rĂŒckblickend ist uns klar: Bei so einem sensiblen Thema hĂ€tten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt betroffen sind", hieß es in der Stellungnahme. "Daraus haben wir in jedem Fall gelernt", sagte eine WDR-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Auch auf Instragram bezog man Stellung.

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Von dem bekanntesten aller Teilnehmer wartet man bis dato allerdings vergeblich auf eine Stellungnahme: Thomas Gottschalk. Warum sich der 70-JĂ€hrige nicht zu Wort meldet, bleibt unklar, aber es irritiert.

In der vergangene Woche ausgestrahlten Sendung "Wer stiehlt mir die Show" folgte zudem der nÀchste unangenehme Sager des Entertainers. Nachdem Schauspieler Elyas M'Barek wÀhrend der Sendung seine Mutter angerufen hat, meinte Gottschalk zu Moderator Joko Winterscheidt: "HÀtten wir deine Mutter angerufen, hÀtte sie nicht abgenommen." Immer wieder stichelten beide scherzhaft. "Von allen Witzen, die du je gemacht hast, war das wirklich der böseste", entgegnete ihm Winterscheidt. Gottschalk hatte offenbar nicht bedacht, dass Winterscheidts Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Dass ein Witz auf Kosten anderer mal nach hinten losgehen kann, ist nicht Ungewöhnliches. Doch Gottschalk scheint auch den neuerlichen Aufschrei im Netz aussitzen zu wollen.

Auch von jemandem, der nicht mit den Sozialen Medien aufgewachsen ist, könnte man nun ein Statement erwarten. Ein unbedachter Witz mag die eine Sache sein, der zynischer Umgang mit Rassmus eine andere. Gerade weil Gottschalk Gehör geschenkt wird, sollte er die aktuell wohl noch gesteigerte Aufmerksamkeit fĂŒr AufklĂ€rung nutzen. Vorallem weil die in der WDR-Sendung gefallenen Thesen sich selbst deutlich wiederlegen - wir brauchen die gesellschaftliche Debatte um das Thema Alltagsrassismus mehr denn je.

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