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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/15/2020

Dieser Instagram-Account zeigt: Alltagsrassismus gibt es auch bei uns

In kurzer Zeit erreichte ein junger Deutscher mit seinem Social-Media-Projekt "Was ihr nicht seht" Zehntausende Follower.

von Julia Pfligl

Der Vater meines Mannes sagte zu ihm, als ich schwanger war: „Du weißt, dass ein schwarzes Kind rauskommen kann?“

Geh zurück in dein Land, dich wollen wir hier nicht.

Kind vor der Faschingszeit: „Du kannst nicht als Prinzessin gehen. Es gibt keine, die so aussieht wie du!“

Es sind nur drei Beispiele für Erfahrungen, die auf dem Instagram-Profil „Was ihr nicht seht“ zu lesen sind: Eindringlich schlicht in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund, machen sie deutlich, wie tief Alltagsrassismus gegenüber schwarzen Menschen in unserer Gesellschaft verwurzelt ist – binnen weniger Wochen avancierte der Kanal zur Instagram-Sensation mit 75.000 Abonnenten.

Nicht nur in den USA

Hinter dem Account steht der deutsche Medienmanagement-Student Dominik Lucha, der bis vor Kurzem nichts mit Aktivismus am Hut hatte. Als der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd weltweite Proteste auslöste, begann der 29-Jährige, die Rassismus-Erfahrungen seiner Mitmenschen zu sammeln und zu teilen. „Viele behaupten, Rassismus gebe es nur in den USA. Das sagt man so leicht als weißer Mensch, der das selber nie erlebt hat.“ Darauf bezieht sich auch der Titel seines Projekts, „Was ihr nicht seht“: „Viele sehen es nicht, weil sie nicht dabei sind, oder weil sie denken, dass es nicht so schlimm ist. Durch die persönlichen Geschichten wird alltäglicher Rassismus greifbarer.“

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136 Beispiele von Alltagsrassismus hat Lucha, der in Wien seinen Bachelor gemacht hat, seit 3. Juni geteilt. Das Echo sei so groß, dass er derzeit nur drei bis vier Stunden schlafe. „Viele schreiben mir, dass sie noch nie darüber gesprochen haben oder ihnen nicht geglaubt wird. Sie sind ‚erleichtert’, dass es anderen auch so geht.“

Woher kommst du?

Auch Lucha selbst, der in der Karibik geboren, als Baby adoptiert wurde und in Ravensburg aufwuchs, spricht nur ungern über seine Erfahrungen – zu oft höre er, das sei „doch nur gut gemeint“. Etwa die Frage, woher er wirklich komme. „Die meisten denken sich nichts dabei, aber selber hört man das 20-mal pro Woche. Das kann dazu führen, dass man sich fremd fühlt. Es wird einem das Deutschsein abgesprochen, weil man nicht ins Bild der Person passt.“

Manche Zitate auf seiner Seite lesen sich brutal, andere zunächst harmlos. „Natürlich glauben viele, es ist nicht schlimm, wenn einen jemand als Schokoriegel bezeichnet“, sagt der Schwabe. „Damit geht aber das Othering (Distanzierung der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, von anderen Gruppen) los. Man erhält eine Sonderstellung.“

Sein Projekt soll zeigen, dass Alltagsrassismus weiter reicht, als es sich die meisten zugestehen wollen. Und wie einflussreich Social-Media-Aktionen sein können, weiß man spätestens seit #MeToo.

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