ÖSV-Star Lamparter: Ein 16. Platz reicht zum Sieg im Gesamtweltcup
Johannes Lamparter war in diesem Winter Stammgast auf dem Podium
Wenn sich Johannes Lamparter einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er das durch. Ohne Wenn und Aber, und ganz egal, was die anderen über ihn denken mögen.
Als der Nordische Kombinierer letzten Herbst damit begann, keine Hände mehr zu schütteln, hatten das manche als Spinnerei und Hysterie abgetan.
Allein am Tisch
„Ich will halt nichts aufschnappen. Wenn ich krank werde und eine Woche nicht richtig trainieren kann, wirft mich das weit zurück“, erklärte Lamparter.
Aus diesem Grund ließ er sich in den Wochen vor den Winterspielen daheim immer nur dann am Esstisch blicken, wenn seine Eltern längst gegessen hatten.
Professionell
Diese beiden Episoden zeigen wohl am besten, wie Johannes Lamparter tickt. Wenn es um die Kombination geht, dann überlässt der Rumer nichts dem Zufall und ordnet dem Erfolg alles unter. Und wenn er dafür seine sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren muss.
„Ich habe keinen Kombinierer erlebt, der eine solche Professionalität mitbringt wie der Jo“, sagt Christoph Bieler. Der Chefcoach der Österreicher war selbst Weltmeister und Olympiasieger und kennt sämtliche Kombinierer-Kapazunder von Felix Gottwald bis Mario Stecher.
„Aber Lamparter steht da noch einmal eine Stufe drüber“, beteuert Bieler. „Er hat sich schon als Junger mit allen Details beschäftigt, die für den Erfolg wichtig sein können.“
ÖSV-Cheftrainer Christoph Bieler gerät bei Johannes Lamparter ins Schwärmen
Ehrgeizig
Deshalb zählt der Tiroler mit seinen 24 Jahren auch schon zu den Allergrößten, die dieser Sport hervorgebracht hat. Heute wird Lamparter in Lahti den nächsten Meilenstein setzen, der Triumph im Gesamtweltcup ist nur mehr Formsache.
Mit einem komfortablen Vorsprung von 173 Punkten nimmt der Rumer die letzten beiden Einzelrennen in Angriff, ein 16. Platz würde ihm heute schon reichen, um zum zweiten Mal nach 2022/’23 den Winter als Nummer 1 zu beenden. „Ich will jetzt aber nicht 16. werden, damit ich die Kugel fixiere“, sagt er.
Konstant
Diese Niederungen des Klassements kennt Lamparter ohnehin nur mehr vom Hörensagen. Der Tiroler ist der Inbegriff von Konstanz und war in diesem Winter nie schlechter als Siebenter, gleich zehn Mal sprang und lief der Vorzeige-Kombinierer auf das Stockerl.
So auch zuletzt bei der Weltpremiere der Kombinierer auf der Flugschanze am Kulm. Lamparter ließ sich nicht anmerken, dass diese intensive Saison körperlich und mental Spuren hinterlassen hat.
Nach den erfolgreichen Auftritten bei Olympia (drei Medaillen) musste der 24-Jährige eine Kombination der anderen Art bestreiten: Mit den zwei Disziplinen Ehrungen und Feiern. „Zu Saisonbeginn war ich sicher mehr im Saft“, gibt der Weltcupleader zu. „Aber ich bin wettkampffähig.“
Prämiert
Johannes Lamparter gibt einen würdigen Nachfolger von Jarl Magnus Riiber ab, der in den letzten Jahren die Nordische Kombination auf ein neues Level gehoben hat.
Nach dem Rücktritt des norwegischen Seriensiegers hatten viele mit einem Griss um das oberste Treppchen gerechnet. Doch dieser Platz ist für Johannes Lamparter reserviert, der zum großen Abräumer wird.
Die kleinen Kristallkugeln für die Siege im Massenstart- und Kompaktweltcup hat er bereits sicher. Die große Kristallkugel soll als Krönung in Lahti folgen.
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