Nach Bronze in der Kombination: "Ich habe aus früheren Fehlern gelernt"

Obwohl Stefan Rettenegger im Teamsprint über seine Füße stolperte, durften der Salzburger und sein ÖSV-Kollege Johannes Lamparter die Bronzemedaille bejubeln.
Stefan Rettenegger und Johannes Lamparter jubeln mit ihren Bronzemedaillen.

Als Stefan Rettenegger auf der Schlussrunde über seine eigenen Beine stolperte und kopfüber in den Schnee purzelte, schien sich wieder einmal alles gegen ihn verschworen zu haben. Der Salzburger hadert ja gefühlt schon die ganze Saison mit dem Kombinierer-Gott und präsentiert sich dabei gerne verärgert bis resigniert. Und es hätte irgendwie zu Stefan Rettenegger gepasst, wäre den Österreichern wegen seines Patzers die sichere Medaille im Team-Sprint noch durch die Finger gerutscht.

Retteneggers Purzelbaum sollte aber glücklicherweise ohne weitreichende Folgen bleiben: Zum einen, weil hinter ihm die Konkurrenten aus Deutschland und Japan in der tiefen Loipe ebenfalls auf dem Hosenboden gelandet waren; zum anderen, weil der Salzburger nach seinem Missgeschick nicht in Panik verfiel, sondern seinen Part souverän abspulte. „Ich bin nicht wie ein Hendl ohne Kopf gelaufen, sondern ruhig geblieben. Da habe ich aus früheren Fehlern gelernt“, sagte Rettenegger nach dem Gewinn der Bronzemedaille mit Johannes Lamparter im Teamsprint.

Schwierige Mission

Damit gingen diese Winterspiele für Österreichs Nordische Kombinierer mit einer weiteren Feier zu Ende. Drei Medaillen in drei Bewerben sind eine glänzende Ausbeute, wobei der dritte Platz im Teamsprint wohl die schwierigste Mission war. Nicht nur wegen des Loipen-Patzers von Stefan Rettenegger. Denn zur Halbzeit waren die beiden Österreicher als Fünfte noch weit von den Medaillenpositionen entfernt. Fast eine halbe Minute trennte das Duo vor dem 2 x 7,5-Kilometer-Langlauf von den führenden Deutschen. „Wir haben das Springen verbockt“, wusste ÖSV-Cheftrainer Christoph Bieler, ohne aber den Glauben an die Medaille zu verlieren. „Das Schöne an der Kombination ist, dass es eine zweite Disziplin gibt, in der man wieder alles gutmachen kann“, ergänzte Johannes Lamparter.

Aufholjagd

Gesagt, getan, gelaufen – und wieder gutgemacht. Bereits nach wenigen Kilometern hatte Stefan Rettenegger den großen Rückstand wettgemacht und zur Spitzengruppe aufgeschlossen. Danach entwickelte sich ein taktisches Loipen-Geplänkel, ehe im Finish die beiden Stürze richtungsweisend wurden im Kampf um die Podestplätze.

Nordic Combined - Team Sprint, Cross-Country

Richtige Reihenfolge: Norwegen gewann vor Finnland und dem ÖSV-Duo den Team-Sprint. 

Stefan Rettenegger war dann die Erleichterung anzusehen, dass sein Missgeschick nicht bestraft wurde und Schlussläufer Johannes Lamparter hinter Norwegen und Finnland als Dritter ins Ziel kam. „Medaillengewinner bei Olympia, das hört sich schon sehr cool an“, sagte der 24-Jährige nach dem größten Erfolg seiner Karriere.

Rekordjagd

Johannes Lamparter hat inzwischen mit olympischen Siegeszeremonien schon eine gewisse Routine. Nach der großen Enttäuschung 2022 in Peking, als er leer ausgegangen war, reist der Tiroler mit zwei Silbermedaillen im Einzel und Teambronze aus dem Fleimstal ab. „Ich kann mit diesen Spielen megahappy sein“, erklärte der 24-Jährige.

Der Erfolgshunger des Tirolers ist damit aber noch lange nicht gestillt. Johannes Lamparter verfolgt in diesem Winter noch große Ziele: Als erst zweiter österreichischer Kombinierer nach Klaus Sulzenbacher könnte der 24-Jährige zum zweiten Mal den Gesamtweltcup gewinnen.

Dazu macht Lamparter Jagd auf den österreichischen Rekordmann Felix Gottwald, der 23 Weltcupsiege feiern konnte. Johannes Lamparter ist mittlerweile nur mehr einen Sieg von seinem Vorbild entfernt.

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