Nach Rückzug von Feller: Verliert das ÖSV-Skiteam seinen größten Star?

Manuel Feller ist körperlich und mental geschlaucht und beendet die Saison vorzeitig. Was für die Fortsetzung seiner Karriere spricht. Und was dagegen.
Manuel Feller gewann in diesem Winter in Kitzbühel und erfüllte sich einen Kindheitstraum

Manuel Feller hat genug, der Olympia-Slalom war bis auf Weiteres der letzte Auftritt des 33-jährigen Skistars. 

„Ich werde weder in Kranjska Gora noch beim Weltcup-Finale in Norwegen an den Start gehen. Es war mental und körperlich eine sehr herausfordernde Saison für mich“, sagt Feller.

  • Welche gesundheitlichen Probleme machen Feller zu schaffen?

Der Tiroler hat seit Jahren ein Kreuz mit dem Kreuz. Etliche Bandscheibenvorfälle haben ihre Spuren hinterlassen und zwingen Feller immer wieder in die Knie. Der 33-Jährige leidet inzwischen unter chronischen Ischias-Beschwerden, dazu wurde Feller in den vergangenen Wochen von einer Schambein-Entzündung und einem Leistenbruch geplagt. 

Der Routinier muss sich nun im Krankenhaus einem Eingriff am Rücken unterziehen, auch der Leistenbruch erfordert wohl eine Operation.

Manuel Feller wird immer wieder von Rückenproblemen geplagt

Manuel Feller wird immer wieder von Rückenproblemen geplagt

  • Wie wirken sich die Beschwerden aus? 

Manuel Feller hat sein Trainingspensum notgedrungen auf ein Minimum zurückgeschraubt. Nicht selten steht er nur einen Tag in der Woche auf der Piste. Vermutlich hat der 33-Jährige von allen Slalomstars sogar die wenigsten Trainingsläufe in den Beinen.

Den Riesentorlauf, in dem er 2018 den ersten seiner 28 Podestplätze im Weltcup eingefahren hatte, ließ Feller zuletzt schon sausen, weil sein Körper nicht mehr mitspielte.

  • Wie wichtig ist Feller für das ÖSV-Slalomteam?

Das ist die falsche Frage: Eigentlich müsste es heißen: Wie wichtig ist Manuel Feller für das ÖSV-Herrenteam? In einer Zeit, in der die Lichtgestalten des Skisports durchwegs aus dem Ausland kommen (Marco Odermatt, Franjo von Allmen, Pinheiro Braathen, Henrik Kristoffersen) ist Feller so etwas wie das letzte österreichische Original und das Gesicht des ÖSV-Teams. 

Als Wortführer und Charismatiker, als Social-Media-Star und bunter Vogel – nicht zuletzt auch als Siegläufer. Von denen gibt es aktuell nicht so viele.

Der ÖSV muss inständig hoffen, dass Manuel Feller noch einige Saisonen anhängt. Das trifft aber auch auf Vincent Kriechmayr (34) zu, den Alleinunterhalter in der Abfahrt.

  • Welche Ziele könnten ihn noch reizen?

Im Grunde kann der 33-Jährige auf eine runde Karriere blicken. Er hat Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften (Slalom 2017) und Olympischen Spielen (Team 2018, Team-Kombi 2026) gewonnen und holte in der Saison 2023/’24 den Slalom-Weltcup, was ihm ein großes Anliegen war.

Mit dem Sieg in Kitzbühel erfüllte sich Feller im Jänner einen Kindheitstraum. „Das war der größte Moment meiner Karriere“, sagte er damals.

Viele große Ziele bleiben da nicht mehr. Aber womöglich reizt es Routinier Manuel Feller ja auch einfach nur, die junge Konkurrenz alt aussehen zu lassen. Mit dem reinen Fokus auf den Slalom ist dem erfahrenen Tiroler jedenfalls noch einiges zuzutrauen.

Manuel Feller gewann heuer endlich sein Heimrennen in Kitzbühel

Manuel Feller gewann heuer endlich sein Heimrennen in Kitzbühel

  • Wie lange ist man im Slalom konkurrenzfähig?

Mit seinen 33 Jahren zählt Manuel Feller zu den ältesten Slalom-Stars. Mit dem Deutschen Linus Straßer stand in diesem Weltcup-Winter nur noch ein zweiter 33-Jähriger auf dem Podium.

Der Engländer Dave Ryding war 35, als er 2022 in Kitzbühel gewann. Gerade bei den Klassikern am Ganslernhang, in Wengen oder Adelboden kann Feller mit seiner Erfahrung punkten - und den Gegnern noch länger um die Ohren fahren.

  • Wirkt Manuel Feller rücktrittsreif?

Er wirkt zumindest gerädert und geschlaucht, dieser Winter hat dem 33-Jährigen alles abverlangt und sehr viel Energie gekostet. „Über die Jahre haben sich bei mir mentale Herausforderungen entwickelt, die im vergangenen Herbst besonders schwierig wurden“, gibt Feller zu. Auch das Privatleben litt darunter.

Auf die Frage nach seiner Zukunft, sagte der zweifache Vater während Olympia zum KURIER: „Grundsätzlich würde ich gerne noch ein bisschen Zeit mit meinen Kindern verbringen, bevor sie im Teenageralter sind und nichts mehr vom Papa wissen wollen.“

Damals erklärte Feller aber auch: „Ich hätte nicht unbedingt die Intention, dass der Olympia-Slalom mein letztes Rennen ist.“

Beim ÖSV geht man jedenfalls davon aus, dass Feller noch den einen oder anderen Winter anhängt. Das vorzeitige Saison-Ende und die OP am Rücken dienen vor allem dazu, eine perfekte Vorbereitung für die nächste Saison garantieren zu können.

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