69th Four Hills Tournament

© EPA / PHILIPP GUELLAND

Sport Wintersport
01/03/2021

Tournee: Stoch nach Sieg in Innsbruck neuer Führender, Kraft Achter

Stefan Kraft wird als Achter bester Österreicher, Michael Hayböck rutscht auf Rang neun zurück.

von Christoph Geiler

Wenn jemand Philipp Aschenwald vor dem Bewerb gesagt hätte, dass er am Bergisel nur 3,3 hinter Halvor Egner Granerud liegen würde, der Zillertaler hätte wahrscheinlich sofort unterschrieben. Der Norweger Granerud ist in diesem Winter das Maß aller Skisprungdinge, mit fünf Saisonsiegen führt er souverän den Weltcup an und war auch zur Halbzeit der Vierschanzentournee die Nummer eins.

Wer also mit ihm auf Augenhöhe ist, der müsste doch eigentlich nach einem Wettkampf Luftsprünge machen, möchte man meinen.

Doch Philipp Aschenwald war nach dem Heimspringen nicht zum Jubeln zumute, vielmehr schlich der beste Österreicher in der Tourneewertung nach Rang 22 mit gesenktem Haupt von der Bergiselschanze. Und mit ihm Halbzeitleader Halvor Granerud und der Deutsche Karl Geiger, der bis Innsbruck sein erster Herausforderer war.

Verpatzte Sprünge

Am Bergisel wurden die zwei Tourneefavoriten nun mir nichts, dir nichts zu Außenseitern degradiert, die jetzt schon ein kleines Skisprungwunder benötigen, um beim Finale in Bischofshofen noch ganz oben auf dem Stockerl zu landen.

Beide vermurksten völlig ihren ersten Sprung, beide retteten sich nur durch den K.-o.-Modus, der ausschließlich bei der Tournee zur Anwendung kommt, in den Finaldurchgang. Bei einem herkömmlichen Weltcupbewerb wäre der Arbeitstag von Halvor Egner Granerud (35.) und Karl Geiger (37.) schon früher zu Ende gewesen.

Der Norweger schimpfte danach wie ein Rohrspatz. „In Innsbruck ist es jedes Jahr das Gleiche. An meinem Sprung ist es nicht gelegen.“ Granerud schob die Schuld an seinem schlechten Abschneiden (15.) und den Verlust der Gesamtführung auf den schlechten Wind und die Rennjury.

Schwache Ausrede

Ob es sich der 24-jährige Norweger damit nicht vielleicht etwas zu leicht macht? Es ist kein Geheimnis, dass der Bergisel nicht gerade zu den Lieblingsschanzen des Skandinaviers zählt. Und der Wind mag zwar eine Rolle gespielt haben, doch nimmt man jetzt rein die Windpunkte als Maßstab, dann hätten weder Granerud (-7,1 Windpunkte) noch Geiger (-5,5) im ersten Durchgang gegenüber Kamil Stoch (-6,6) dermaßen abfallen dürfen.

Der Pole war mit seinem Sprung zwischen den beiden an der Reihe, und er spielte dabei auf beeindruckende Weise all seine Erfahrung und Klasse aus. Auch schien Kamil Stoch und seinen Teamkollegen Dawid Kubacki der enge Gesamtstand in der Tourneewertung nicht sonderlich zu beschäftigten. Das mag auch daran liegen, dass die beiden die Tournee schon einmal gewonnen haben und wissen, worauf es zwischen Oberstdorf und Bischofshofen am meisten ankommt: nämlich auf Nervenstärke und Konstanz.

Perfekte Technik

Diese Eigenschaften stellen die beiden erfahrenen Polen nach dem turbulenten Start in die Tournee – die polnische Mannschaft war nach einem vermeintlich positiven Coronatest kurzzeitig ausgeschlossen worden – eindrucksvoll unter Beweis.

Allen voran Kamil Stoch, der am Bergisel auch optisch in einer eigenen Liga sprang (5 Mal die Note 19,5) und mit dem Tagessieg die Führung in der Tournee-Gesamtwertung übernahm. Sein erster Verfolger ist nun Landsmann und Titelverteidiger Dawid Kubacki, der am Bergisel Dritter wurde. Das bisherige norwegisch-deutsche Führungsduo wurde auf die Plätze drei und vier durchgereicht, nachdem Granerud (15.) und Geiger (16.) im Finale nicht mehr der große Sprung nach vorne gelang und sie nun mit mehr als 20 Punkten Rückstand nach Bischofshofen reisen.

Dort ist alles angerichtet für den nächsten polnischen Triumph bei der Traditionsveranstaltung. Hatten vor einigen Jahren noch die ÖSV-Adler die Tournee dominiert, so haben mittlerweile die Polen die Lufthoheit: Bei den letzten vier Auflagen kam der Sieger drei Mal aus Polen.

Die Österreicher in der Statistenrolle

Es zieht sich wie ein roter Faden durch diese 69. Tournee: Im Training und in der Qualifikation halten die Österreicher noch mit den Allerbesten mit und landen sogar regelmäßig in den Top drei. Aber im Wettkampf fallen die ÖSV-Adler dann regelmäßig ab und verpassen den Sprung auf das Siegespodest.

Auch das Bergiselspringen endete für die Hausherren ernüchternd, nachdem am Samstag noch der zweite Platz von Daniel Huber in der Qualifikation und ein starker mannschaftlicher Auftritt (gleich zwölf Österreicher hatten sich für den Bewerb qualifiziert) bejubelt worden waren.

Im Wettkamp reichte es dann erneut nur zu den Rängen acht (Stefan Kraft) und neun (Michael Hayböck), wobei die beiden Österreicher mit diesen Platzierungen angesichts der letzten Leistungen gar nicht einmal so unzufrieden waren. Hayböck hatte es bis Innsbruck nie in den Finaldurchgang geschafft, Kraft war beim Neujahrsspringen als 28. abgestürzt.

In der Gesamtwertung ist der beste Österreicher an die neunte Position abgerutscht: Philipp Aschenwald konnte den Aufwärtstrend der letzten Springen nicht fortsetzen und musste sich beim Heimbewerb mit Rang 22 begnügen.

3. Bewerb der Vierschanzen-Tournee:

1.

Kamil Stoch (POL)

261,6

(127,5/130,0)

2.

Anze Lanisek (SLO)

249,6

(127,5/123,5)

3.

Dawid Kubacki (POL)

248,3

(126,0/127,0)

4.

Piotr Zyla (POL)

246,2

(126,5/124,5)

5.

Yukiya Sato (JPN)

245,6

(126,5/130,0)

6.

Markus Eisenbichler (GER)

245,0

(120,5/128,5)

7.

Ryoyu Kobayashi (JPN)

244,3

(132,0/123,0)

8.

Stefan Kraft (AUT)

243,5

(121,0/127,0)

9.

Michael Hayböck (AUT)

242,5

(127,5/123,0)

10.

Gregor Deschwanden (SUI)

240,6

(124,5/126,5)

11.

Peter Prevc (SLO)

239,4

(122,5/128,0)

12.

Robert Johansson (NOR)

238,2

(123,0/127,5)

13.

Martin Hamann (GER)

235,4

(130,0/124,5)

14.

Daniel-Andre Tande (NOR)

235,2

(121,0/128,0)

15.

Halvor Egner Granerud (NOR)

234,3

(116,5/127,5)

16.

Karl Geiger (GER)

234,2

(117,0/128,5)

17.

Daniel Huber (AUT)

233,8

(123,0/122,0)

18.

Andrzej Stekala (POL)

233,3

(126,5/120,0)

19.

Aleksander Zniszczol (POL)

232,9

(128,0/126,5)

20.

Keiichi Sato (JPN)

231,8

(123,0/122,0)

21.

Niko Kytosaho (FIN)

231,7

(128,0/125,0)

22.

Philipp Aschenwald (AUT)

231,0

(123,5/123,0)

23.

Cene Prevc (SLO)

228,4

(125,5/122,0)

24.

Maximilian Steiner (AUT)

226,7

(130,5/117,0)

25.

Johann Andre Forfang (NOR)

226,5

(123,0/122,0)

26.

Michail Nasarow (RUS)

224,2

(125,0/122,0)

27.

Antti Aalto (FIN)

224,1

(127,0/122,5)

28.

Thomas Lackner (AUT)

223,0

(125,0/121,5)

29.

Mackenzie Boyd-Clowes (CAN)

222,8

(123,0/121,5)

30.

Domen Prevc (SLO)

221,0

(126,0/116,5)

U.a. nicht für 2. Durchgang qualifiziert: 32. Gregor Schlierenzauer - 33. Clemens Leitner - 38. Markus Schiffner - 42. Jan Hörl - 49. Timon-Pascal Kahofer - 50. Manuel Fettner (alle AUT)

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