OLYMPISCHE SPIELE PEKING 2022: SNOWBOARD M€NNER PARALLEL-RIESENTORLAUF/ KARL (AUT)

© APA/AFP/MARCO BERTORELLO / MARCO BERTORELLO

Porträt
02/08/2022

"Danke Mama": Warum Karl nach Olympia-Gold in Tränen ausbrach

Nach dem Olympiasieg wurde Snowboarder Benjamin Karl emotional. Seine Mutter musste zwei Jobs machen, um seine Karriere zu finanzieren.

von Christoph Geiler

Wenn Benjamin Karl sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann ist er nicht mehr davon abzubringen. Und mag das Ziel noch so hochgesteckt sein. Es gehe für ihn in diesem Winter einzig und allein um Olympiagold, hatte der  36-Jährige im Spätherbst im KURIER-Interview gemeint. "Das wäre die absolute Krönung meiner Karriere. Das I-Tüpfelchen."

Und nicht zum ersten Mal setzte der Niederösterreicher seine hochtrabenden Pläne am Tag X in die Tat um und verpasste mit dem Triumph im Parallel-Riesentorlauf seiner glänzenden  Snowboard-Karriere  den ultimativen goldenen Anstrich.

"Ich habe das nicht gesagt, weil ich angeben und zeigen wollte, was für ein cooler Hund bin. Ich habe diese Ziele angekündigt, weil ich es immer auch in mir gefühlt habe. Das war jedes Mal  eine Überzeugungstat", erklärt Benjamin Karl.

SNOWBOARD-OLY-2022-BEIJING

Erfolg als Kopfsache

Und gerade in einem Sport, in dem der Sieger im Kampf Mann gegen Mann ermittelt wird, ist diese Überzeugung Goldes wert. Fünf WM-Titel und drei Olympia-Medaillen lügen nicht und sprechen für die mentale Stärke von Benjamin Karl.

„Erfolg ist eine Kopfgeschichte“, weiß der Routinier. „Wenn du am Start stehst, geht es im Endeffekt nur mehr um das Mentale. Ob du in der Lage bist, die Welt zu zerreißen, oder ob du dir das in diesem Moment nicht zutraust“, sagt Karl. Denn Snowboarden würde jeder können, der bei Olympia am Start steht. „Du musst es einfach am Tag X auch abrufen.“

Benjamin Karl (*16.Oktober 1985) hat das Alpin-Snowboarden geprägt und alles gewonnen, was es in dieser Sportart zu gewinnen gibt.

WELTMEISTERSCHAFTEN

Gold:

2009: Parallelslalom
2011: Parallelslalom, Parallelriesentorlauf
2013: Parallelriesentorlauf
2021: Parallelslalom

dazu kommen zwei Silber und eine Bronzemedaille

Olympische Spiele

Gold:

2022 (Parallelriesentorlauf)

dazu kommen eine Silber-(2010) und eine Bronzemedaille (2014)

Von Winnermentalität spricht man dann gerne. Benjamin Karl nennt es Durchsetzungsvermögen. Und man muss weit in seine Kindheit im Ötschergebiet zurückgehen, um seiner mentalen Stärke auf die Spur zu kommen. „Meine Mama war alleinerziehend, Geld war nie da. Sie hat zwei Jobs gemacht, damit sie meine Karriere finanzieren kann“, erzählt Karl, der nach seinem Triumph in Peking emotional wurde und mit Tränen in den Augen seiner Mutter und seiner Familie in Osttirol dankte.

"Mama begleitet mich ein Leben lang"

"Ich freue mich dann ganz in Ruhe im Zimmer oder wenn ich am Weg ins Zimmer bin und ich für mich alleine bin, dann werde ich mit meiner Frau telefonieren, mit meinen Kindern. Und die Mama, die begleitet mich ein Leben lang. Dank ihr bin ich da, wo ich bin. Meine Familie, die ist die, wo man die Mama ausgelassen hat, als Anfang 20-Jähriger und ich mich in die Arme meiner Frau begeben habe mehr oder weniger in ein neues Leben, in ein Leben mit Familie. Da bin ich sehr dankbar und stolz, dass ich so eine großartige Familie gefunden habe und so ein großartiges Leben leben darf."

Snowboard - Beijing 2022 Olympic Games

Benjamin Karl erinnert sich daran, dass er schon in jungen Jahren einem extremen Leistungsdruck ausgesetzt war. „Ich habe mich durchboxen müssen. Als ich in die Skihandelsschule nach Schladming gekommen bin, hat es geheißen: Wenn du sitzenbleibst, war’s das mit dem Snowboarden. Ich hatte immer den Druck: Entweder, oder. Du lernst dann automatisch, mit Druck umzugehen.“

Die meisten seiner Gegner haben Respekt, wenn sie im Parallel-Bewerb auf ihn treffen. Weil sie genau wissen, dass dieser Benjamin Karl sich in den wichtigsten Rennen selten einmal eine Schwäche erlaubt.

Benjamin Karl ist in Peking endgültig am Ziel angelangt. Am höchsten Ziel, das er sich gesetzt hat. Er ist jetzt nicht nur Olympiasieger und fünffacher Weltmeister, der Niederösterreicher ist der beste Alpin-Snowboarder, den es je gab.

„Ich wollte immer ein Alleinstellungsmerkmal. Und jetzt bin ich der, der ich bin.“

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