Emma Aicher: Die „neue Shiffrin“ fordert das Original heraus
Generationen-Duell auf Augenhöhe: Mikaela Shiffrin (31) bekommt es mit Emma Aicher (22) zu tun
Mikaela Shiffrin muss es gerade vorkommen, als würde sie gegen sich selbst fahren. Gegen ihr jüngeres Ebenbild, Mikaela Shiffrin 2.0.
Vergleiche mit dem US-Superstar, der sämtliche Rekorde im Skisport pulverisiert hat, mögen ja grundsätzlich unzulässig sein, in Emma Aicher findet sich aber eine Gegnerin wieder, die durchaus an Mikaela Shiffrin erinnert.
Emma Aicher (li.) fordert Mikaela Shiffrin (re.) heraus
Letzte Allrounderin
Wenn die junge Deutsche zum Beispiel innerhalb weniger Tage in Slalom und Super-G aufs Podium fährt und Allrounder-Qualitäten unter Beweis stellt, wie man sie auch von Shiffrin in früheren Zeiten kannte.
Die 31-jährige US-Amerikanerin ist bis heute die letzte Läuferin, die in allen Disziplinen gewinnen konnte. Aicher (22), da sind sich die Experten einig, wird es ihr irgendwann gleichtun.
Senkrechtstarterin
Die Senkrechtstarterin dieses Winters ist in der Weltcupsaison 2025/’26 in allen Disziplinen zumindest in die Top vier gefahren – und eben deshalb hat Shiffrin beim Weltcupfinale in Norwegen so einen Riesenrespekt vor der jungen Herausforderin.
Denn Emma Aicher ist es nach den letzten Leistungen tatsächlich zuzutrauen, in den verbleibenden vier Rennen die 140 Punkte Rückstand auf Shiffrin wettzumachen und sich noch sensationell die große Kristallkugel zu sichern.
„Um ehrlich zu sein, hätte sie es sich verdient“, gibt selbst Mikaela Shiffrin zu. „Sie fährt in jeder Disziplin unglaublich.“
Locker & unbekümmert
Neben der exzellenten Skitechnik ist Aichers großer Trumpf vor allem ihre Unbekümmertheit, die mitunter wie völlige Wurschtigkeit rüberkommt. Auf die Frage nach der Strategie für das Finale in Norwegen meinte die 22-Jährige nur lapidar: „Gut Skifahren und Spaß haben!“
Und das nimmt man Emma Aicher auch ab. Im Gegensatz zu Mikaela Shiffrin hat die 22-Jährige beim Weltcupfinale, das am Samstag mit der Abfahrt (12.30 Uhr) gestartet wird, nichts zu verlieren.
Rücktrittsgerüchte
Für den US-Star bietet sich hingegen womöglich die letzte Gelegenheit auf die große Kristallkugel. Seit 15 Jahren ist Shiffrin im Weltcup dabei, es ranken sich Gerüchte, dass sie nach dieser Saison gemeinsam mit ihrem Freund Aleksander Aamodt Kilde abtritt.
Mikaela Shiffrin zollt Emma Aicher großen Respekt
Gestresst
So oder so spürt Mikaela Shiffrin, dass sie von Jungstar Emma Aicher unter Druck gesetzt wird. Deshalb ist sie zuletzt auch von ihrem Plan abgewichen und im Super-G im Fassatal gestartet.
Eigentlich wollte sich die 109-fache Weltcupsiegerin auf die Technikbewerbe konzentrieren, jetzt sieht sich Shiffrin dazu gezwungen, auch beim Finale im Super-G anzutreten, um im Idealfall wertvolle Weltcuppunkte abzustauben.
Das setzt Shiffrin unter Stress, seit ihrem schweren Sturz 2024 in Killington, bei dem sie sich den Stock in den Unterbauch gebohrt hatte, meidet sie das Risiko.
Österreichischer Coach
Emma Aicher hat derweil noch das Privileg der Jugend, bislang ist die Tochter einer Schwedin und eines Deutschen noch ohne Rück- und Tiefschläge durch die Karriere gekommen.
Ihr unversehrter Körper, aber auch ihr ökonomischer Fahrstil erlauben es Emma Aicher, Wochenende für Wochenende in allen Rennen am Start zu stehen. In diesem Winter hat die 22-Jährige nur den Riesentorlauf am Kronplatz verpasst.
Einer der Wegbegleiter beim steilen Aufstieg an die Weltspitze ist der Tiroler Andreas Puelacher. Der langjährige Chefcoach der ÖSV-Herren trainiert seit 2022 das deutsche Frauen-Team und hat sofort erkannt, welches Potenzial in Aicher steckt. „Die Emma wird eine Rakete“, prophezeite Puelacher schon früh.
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