Ehrgeizig und willensstark: So tickt ÖSV-Star Julia Scheib
Julia Scheib holte als erste Österreicherin seit 2016 den Riesentorlauf-Weltcup
Es war bei der WM 2023 in Courchevel-Méribel, als Julia Scheib mit einer kühnen Ansage aufhorchen ließ. „Das Fernziel ist, dass ich die Riesentorlauf-Kugel wieder nach Österreich hole“, verkündete die steirische WM-Debütantin und erntete vielerorts Kopfschütteln.
Ehrgeizig und zielstrebig
Julia Scheib war zu diesem Zeitpunkt noch ein absoluter Niemand und gerade erst von einer knapp zweijährigen Verletzungspause zurückgekehrt. Eines zeichnete sie aber damals schon aus: ein unbändiger Wille und eine enorme Zielstrebigkeit.
Echte Machtdemonstration
Drei Jahre später hat Julia Scheib ihren kühnen Plan erfolgreich in die Tat umgesetzt. Und das im Stile einer ganz Großen mit einer echten Machtdemonstration beim Riesentorlauf in Åre.
Mit ihrem fünften Saisonsieg holte die 27-Jährige, wie seinerzeit angekündigt, die Riesentorlauf-Kugel wieder nach Österreich. Zehn Jahre nach dem letzten ÖSV-Erfolg durch Eva-Maria Brem.
Julia Scheib nach ihrer Siegesfahrt in Are
„Das fühlt sich unglaublich gut an“, sagte Julia Scheib nach ihrem Meisterstück als Rennläuferin. „Es braucht nämlich so viel, um in unserer Disziplin eine Kugel zu gewinnen. Das macht mich unglaublich stolz.“
Hohe Konstanz
Vor allem ihre Konstanz auf allerhöchstem Niveau war extrem beeindruckend. Julia Scheib hat in dieser Saison nie Zweifel aufkommen lassen, wer die beste Riesentorläuferin der Gegenwart ist: Sie.
Fünf Siege und zwei zweite Plätze – bei zwei Ausfällen – in neun Riesentorläufen sprechen eine eindeutige Sprache. „Es war eine lange Reise“, erklärte die 27-Jährige.
Und es war keineswegs selbstverständlich, dass diese lange Reise durchs Leben, begleitet von Turbulenzen und Rückschlägen, von Schmerzen und Niederlagen, irgendwann in Åre mit einer Kristallkugel belohnt werden würde.
Julia Scheib feierte ihren fünften Saisonsieg
Langer Leidensweg
„Ich bin dankbar, dass meine Eltern mich zum Skifahren gebracht haben“, sagte Scheib am Samstag im ORF-Interview.
In Frauental an der Laßnitz im Süden der Steiermark landen die Kinder eher selten auf der Rennpiste, später in der Skischule in Schladming wurde Scheib als Exotin gehänselt.
2 Kreuzbandrisse
All die Widerstände konnten die ehrgeizige Technikspezialistin nicht stoppen, zwei Kreuzbandrisse und eine langwierige Viruserkrankung waren dafür verantwortlich, dass die Karriere der Juniorenweltmeisterin (2018) erst vor gut drei Jahren richtig Fahrt aufnahm.
Wichtige Erfahrung
„Ich konnte lange Zeit nicht wirklich schmerzfrei Skifahren“, erinnert sich Julia Scheib. „Aber Aufgeben war für mich nie wirklich eine Option. Weil ich immer gewusst habe, dass ich das schnelle Skifahren in mir habe.“
Es dauerte dann freilich bis zu dieser Saison, dass die Vorzeige-Riesentorläuferin ihr enormes Potenzial dann auch regelmäßig abrufen konnte. Zuvor hatten sich allzu oft geniale Schwünge mit verheerenden Fehlern abgewechselt, „ich habe mich in der Vergangenheit auch oft unter Wert verkauft“, weiß Scheib.
Schlüsselmoment für Scheib
Der Schlüsselmoment war ihr erster Weltcupsieg beim Weltcupauftakt im Oktober in Sölden. Genau diese Bestätigung hatte Julia Scheib gebraucht, ab diesem Zeitpunkt startete die Steirerin durch und war in der Erfolgsspur unterwegs. „Durch den ersten Sieg ist viel Druck von mir abgefallen.“
Perfektes Teamwork
Verantwortlich für den Sprung an die Weltspitze war auch der neue ÖSV-Technikcoach Martin Sprenger, mit dem Scheib seit letztem Sommer zusammenarbeitet.
„Er ist ein Profi. Und mit Profis ist es extrem lässig zu arbeiten“, sagt die Seriensiegerin. Sprenger gibt das Kompliment zurück: „Julia ist sehr genau und akribisch. Manchmal muss man sie einbremsen.“
Aber bestimmt nicht beim Jubeln. Julia Scheib ist eher der Typ stille Genießerin, auch nach dem Triumph im Riesentorlauf-Weltcup hielt sich die Steirerin zurück. „Ich freue mich nach innen.“
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