Schröcksnadel: "Die Leute wollen dort skifahren, wo die stärkste Nation zu Hause ist."

© APA/HERBERT NEUBAUER

Ski alpin
10/18/2013

Schröcksnadel: Hirscher verdient "Maier-Bonus"

Der ÖSV-Präsident spricht über die kommende Olympia-Saison und die Ausnahmestellung von Marcel Hirscher.

Der Ski-Winter steht vor der Tür, in einer Woche legen die Alpinen am 26. und 27. Oktober mit den traditionellen Weltcup-Auftakt-Riesentorläufen in Sölden los. Peter Schröcksnadel (72), der seit 1990 an der Spitze des heimischen Skiverbands (ÖSV) steht, sprach vor dem Startschuss im Interview mit der APA über seine Erwartungen für die Olympia-Saison und seine neue Rolle als "Retter des Sommersports".

Marcel Hirscher hat in den vergangenen zwei Saisonen die Alpin-Welt der Herren dominiert, wird sein Siegeszug auch in diesem Winter weitergehen?
Schröcksnadel:
Marcel ist ein fleißiger Trainierer. Ich nehme nicht an, dass er zurückfällt. Das vorrangige Ziel in diesem Winter ist natürlich Olympia, auf das ist alles ausgerichtet."

Wie beurteilen Sie die Chancen auf seinen dritten Gesamt-Weltcup-Sieg in Folge?
Wir wollen uns nicht unnötig vorzeitig unter Druck setzen. Marcel hat aber zweifelsohne wieder das Zeug, den Gesamt-Weltcup zu holen. Das muss auch das Ziel sein, aber so etwas kann man nicht planen, so etwas muss sich ergeben. Die Schwierigkeit ist, dass er nur zwei Disziplinen fährt und da wieder dementsprechend groß punkten müsste. Auch Hannes Reichelt könnte vorne mitmischen, wenn es für ihn in seinen drei Disziplinen nach Wunsch läuft.

Als Superstar genießt Hirscher im ÖSV auch das eine oder andere Extra wie einen eigenen Trainerstab und einen Pressebetreuer.
Das war auch bei Hermann Maier so. Und das ist bei den Skispringern jetzt auch bei Gregor Schlierenzauer so. Diese Vorteile gibt es bei uns dann, wenn man sich das erarbeitet. Diese Leute stehen unter enormem Druck, auch von der Öffentlichkeit und von der Presse her. Deshalb gilt es ein Umfeld zu schaffen, damit sie die Leistungen weiter bringen können. Sonst haben sie keine Chance. Da muss man gut organisiert sein, damit es keinen Einbruch gibt. Das hofft man damit zu vermeiden. Wenn es einen anderen stört, dann kann er ja um zwei Sekunden schneller fahren, dann kriegt er das auch.

Vor einem Jahr hat Ted Ligety die Konkurrenz in Sölden deklassiert, wird er heuer zu biegen sein?
Ligety hat uns vergangenes Jahr in Sölden mit drei Sekunden Vorsprung vorgeführt. Zuerst hat er am meisten übers neue Material geflucht, und dann hat er es mit Abstand am besten umgesetzt. Ich hoffe, dass das nicht mehr passiert. Unser Team arbeitet hart daran, damit wir an ihn herankommen. Neben Hirscher wird auch mit Philipp Schörghofer und Marcel Mathis in Sölden zu rechnen sein.

Wie beurteilen Sie die Ausgangslage für den Weltcup bei den alpinen Damen?
Marlies Schild ist wieder da, und gesund. Anna Fenninger und Kathrin Zettel sind sowieso stark. Michaela Kirchgasser kann, wenn sie sich konsolidiert, sehr schnell fahren. Und Nicole Hosp kann auch jederzeit aufzeigen. Wir haben eine Reihe von Athletinnen mit guten Möglichkeiten, unsere Damen sind sehr stark im Aufwärtstrend.

Haben Sie eigentlich Sorge, dass der Nationencup nach 24 ÖSV-Siegen in Serie nicht an Österreich gehen könnte?
Nein, den werden wir wieder gewinnen, da sind die anderen einfach so weit weg. Für die Öffentlichkeit wird der Nationencup aber lustigerweise erst dann wieder interessant werden, wenn wir ihn einmal nicht gewinnen sollten. So wie zuletzt bei den Skispringern. Welch hohen Stellenwert dieser Preis auch für den Tourismus hat, hat man vor einigen Jahren in der Schweiz gesehen. Da wurden vom Tourismusverband eine Million Franken versprochen, wenn die Schweizer den Cup holen. Denn die Leute im Tourismus wissen: Die Leute wollen dort skifahren, wo die stärkste Nation zu Hause ist.

Österreich droht auf Kosten von "kleinen" Nationen alpine Olympia-Quotenplätze zu verlieren. Glauben Sie noch an eine Wende in der Diskussion?
Scheinbar gibt es da eine Revidierung, weil es offenbar nicht ganz durchdacht war und sich alle großen Nationen beschweren. Beim Treffen des FIS-Vorstands Anfang November wird das sicher zum Thema gemacht werden. Dennoch haben wir uns darauf eingestellt und FIS-Rennen in die Planungen reingenommen, um auf die notwendigen Punkte zu kommen. Unser Ziel sind weiterhin 22 Alpine bei Olympia. Warten wir ab, was rauskommt.

Apropos FIS, wie beurteilen Sie die Auswirkungen der vor einem Jahr vollzogenen Materialreform bei den Alpinen?
Das Ziel wurde ganz klar erreicht, die Verletzungen sind drastisch zurückgegangen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das in Zukunft so bleiben wird. Nicht die Länge, sondern die Breite der Ski waren das große Problem.

Sie sind ja nun auch im Sommersport intensiv engagiert. Wie gefällt Ihnen Ihre neue Aufgabe als ehrenamtlicher Chefkoordinator des Projektes Rio 2016?
Es ist ein sehr interessantes Projekt. Und die Arbeit ist intensiv. Schließlich möchte ich mit sehr, sehr vielen Athleten, Betreuern und Verbänden reden, um einen Überblick zu haben. Man muss die Leute kennenlernen, um einen echten Eindruck zu gewinnen und zu erkennen, wer mit Emotion und Herzblut dabei ist. Im November gibt es weitere richtungsweisende Gesprächsrunden.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, auch im Sommersport mitanzupacken?
Mir ist der Sommer ja nicht völlig fremd. Ich habe Fußball gespielt, bin Boxen gegangen. Aber um das geht es ja gar nicht. Ich war ja auch kein Biathlet oder Skispringer, und wir feiern in diesen Sportarten trotzdem große Erfolge. Es liegt am System. Die Athleten brauchen ein Umfeld, in dem sie sich entwickeln können. Mit einem 4. oder 8. Platz bist du ja nicht weit weg von der Medaille. Mit gutem Training und gutem Material hat man erheblich bessere Voraussetzungen, um dann auch wirklich eine Medaille zu holen. Stimmung und Begeisterung steigen auf jeden Fall schon merklich. Ich bin sicher, dass Medaillen kommen.

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