Marcel Hirscher war die vergangenen Jahre der König der Pisten.

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Sport Wintersport
08/30/2019

Rücktritt: Marcel Hirscher hört auf

Zum Abschied des Skistars kommen sogar CNN und die New York Times nach Salzburg.

von Christoph Geiler, Wolfgang Winheim

Als Marcel Hirscher im letzten Sommer nicht wusste, wie es mit ihm weiter gehen soll, da ließ er sich von Videos seiner besten Läufe inspirieren. „Die habe ich mir auf youtube angesehen. Und danach habe ich mir gedacht: ,Es wäre schade, jetzt aufzuhören“, erzählte Marcel Hirscher im Juli 2018. „Ich habe noch nicht den Schneid und die Courage zu sagen: ,Das war’s jetzt, Auf Wiedersehen.’“

Ein Jahr später könnte sich der Salzburger Skistar stundenlang die spektakulärsten Sequenzen seiner Laufbahn zu Gemüte führen, allein dieser Aha-Effekt vom vergangenen Sommer würde sich nicht mehr einstellen. Mit 30 Jahren ist Marcel Hirscher jetzt an dem Punkt seiner Karriere angelangt, über den er sich schon seit längerem den Kopf zerbrochen hat: Den Schlusspunkt.

Am Mittwoch wird Marcel Hirscher in Salzburg offiziell seinen Rücktritt verkünden. Am Freitag ließ der 30-Jährige die Einladungen für die Pressekonferenz im Veranstaltungszentrum Gusswerk verschicken, das Motto der Abendveranstaltung: Rückblick, Einblick, Ausblick.

Marcel Hirschers Karriere in Bildern: 

Die große Leere

Noch vor wenigen Wochen waren Trainer, Kollegen und Wegbegleiter optimistisch gewesen, dass der achtfache Gesamtweltcupsieger doch noch eine Saison anhängen würde. Erste Zweifel kamen schließlich auf, als Hirscher kurzfristig sein alljährliches Sommergespräch platzen ließ und sich weitere Bedenkzeit erbat. Über den Sommer scheint in ihm endgültig der Entschluss gereift zu sein, ab sofort einen weiten Bogen um den Skiweltcup zu machen.

Rücktrittsgedanken hatten Hirscher freilich schon länger begleitet. Auch wenn beim Seriensieger oft vieles so einfach und traumwandlerisch ausgesehen hat, die Rolle als Skiheld der Nation und das Leben im Rampenlicht haben viel Kraft gekostet. „Nach der Saison kommt immer die große Leere“, hat der Salzburger einmal im KURIER-Interview erzählt.

Schon nach dem sehnsüchtig erwarteten Gewinn der Olympischen Goldmedaille 2018 in Pyeongchang, der letzten Trophäe, die in seiner Sammlung noch gefehlt hatte, hatte Hirscher sich ernsthaft die Sinnfrage gestellt. Die Geburt seines Sohnes, der im Herbst ein Jahr alt wird, hat die Entscheidung zum Rücktritt weiter reifen lassen. „Ich bin jetzt nicht mehr nur der Skisportler und die Person der Öffentlichkeit, sondern auch Familienvater. Das möchte ich sehr ernst nehmen.“

Der große Rummel

Im letzten Winter war Marcel Hirscher dieser Spagat zwischen Familienvater und Siegläufer exzellent gelungen, wie WM-Gold im Slalom und der achte Gesamtweltcupsieg in Folge zeigten. Ein würdigeres Ende einer Karriere kann ein Champion wie er gar nicht haben. „Die Gefahr ist riesengroß, dass man den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst“, hatte er letzten Sommer gemeint und schon damals versichert, seinem Bauchgefühl vertrauen zu wollen. „Es soll leicht gehen und eine Freude machen. Schlussendlich merkst du das schnell, wenn du nicht mehr bereit bist, dich zu schinden.“

Als Hirscher 2018 zu seinem bislang letzten Sommergespräch ins Schloss Fuschl gebeten hatte, waren bereits knapp 100 Reporter ins Salzburger Land gekommen. Am Mittwoch wird das Medieninteresse alle Dimensionen sprengen: Mehrere Sender, darunter ORF und Servus TV, übertragen Hirschers Abschied live zur Prime Time, sogar CNN und die New York Times schicken ihre Korrespondenten – bei den meisten seiner 67 Weltcupsiege hat nicht so ein Rummel um Marcel Hirscher geherrscht.

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