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Sport Wintersport
10/24/2019

Fall Liensberger: "Nicht mal für Hirscher wurde so ein Aufwand betrieben"

Der Materialstreit der Vorarlbergerin sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Am Samstag steht endlich wieder der Sport im Mittelpunkt.

von Christoph Geiler

Katharina Liensberger hätte wohl einige Rennen gewinnen müssen, um annähernd so viel Aufmerksamkeit zu erhalten, wie sie der Vorarlbergerin in den vergangenen Wochen zuteil wurde. Man konnte beinahe den Eindruck bekommen, als gäbe es im österreichischen Skisport kein anderes Thema als den leidigen Material-Streit, den sich die 22-Jährige mit dem ÖSV liefert.

Auch bei der Eröffnung des Rossignol-Stores in der Innsbrucker Altstadt waren Katharina Liensberger und ihr Verhalten das Gesprächsthema Nummer eins. Auf allzu großes Verständnis stieß die 22-Jährige bei den Gästen nicht, nachdem sie in den letzten Tagen weder wie ausgemacht zum Training in Sölden erschienen war, noch bis Mittwoch den notwendigen neuen Ausrüstervertrag mit Rossignol unterschrieben hatte.

Dass die französische Skifirma der abtrünnigen Vorarlbergerin überhaupt noch ein Angebot vorgelegt hat, ist keineswegs selbstverständlich. "Wir können auch ohne Katharina Liensberger leben", stellte Rennservice-Direktor Stephane Mougin klar.

700.000 Euro

Erst seit zwei Wochen trainierte sie wieder auf ihren alten Rossignol-Latten, nachdem ihr erhoffter Deal mit Kästle geplatzt war. Erwartungsgemäß geplatzt war. „Es war sehr früh ablesbar, dass es so nicht gehen wird. Das ist ihr auch so kommuniziert worden", erzählt ÖSV-Sportchef Anton Giger und verweist auf mehrseitige Emails und lange Telefonate.

In den vergangenen beiden Wochen hatte der ÖSV alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Liensberger in der Kürze der Zeit noch eine perfekte Vorbereitung für den Riesentorlauf in Sölden zu ermöglichen. Ihr wurde mit Edi Unterberger der frühere Servicemann von Marcel Hirscher zur Seite gestellt, "wir haben sogar die Originalski und die Originalschuhe vom Vorjahr für sie aufgetrieben", erzählt Anton Giger.

"Nicht einmal für Marcel Hirscher wurde so ein Aufwand betrieben wie in den letzten Wochen für sie", konstatiert ÖSV-Herren-Chef Andreas Puelacher. Und Giger ergänzt: "Es weiß ja keiner, wie viel Geld da drinnen steckt, bis man eine Läuferin so weit bringt wie die Kathi. Wenn man alles zusammenrechnet, sind das 700.000 Euro."

Neuer Anlauf

Liensbergers Kolleginnen ließ die Causa Prima im österreichischen Skisport keineswegs kalt. "Natürlich ist das im Team ein Thema", berichtet Eva-Maria Brem und meint vielsagend: "Wenn ich zu dieser Situation was sagen müsste, dann wäre das etwas, was ich mich nicht gerne sagen hören würde."

Eva-Maria Brem ist jene Läuferin, die in Sölden sportlich im Fokus steht. In Abwesenheit der verletzten Stephanie Brunner (Kreuzbandriss), die 2018 in Killington für den letzten österreichischen Podestplatz in einem Riesentorlauf gesorgt hatte. Und in Abwesenheit der rekonvaleszenten Anna Veith (Kreuzbandriss), der letzten österreichischen Siegerin in dieser Disziplin (2016).

Eva-Maria Brem war im Riesentorlauf schon einmal die Nummer eins der Welt und  holte in der Saison 2015/’16 die kleine Kristallkugel. Danach wurde ihre Karriere von einem Unterschenkelbruch gestoppt. "Ich bin nach der Verletzung mit einem großen Ziel zurück gekommen: Und das heißt, noch einmal ganz vorne mitspielen", sagt Brem.

Und Katharina Liensberger? Die könnte im Slalom in Levi (23.11.) wieder an den Start gehen. Sofern sie bis dahin den Ausrüstervertrag unterzeichnet hat. Mit Rossignol, denn der Deal mit Kästle wird wohl nicht mehr zustande kommen. Der Austria Skipool hat den Vierjahres-Vertrag mit der Vorarlberger Skifirma vorzeitig mit dem Stichtag 30.April 2021 gekündigt, wäre aber für Neuverhandlungen bereit.

Das bedeutet für Liensberger, dass sie wohl oder übel auf Rossignol-Material zurückgreifen muss,will sie in dieser Saison noch ein Rennen fahren. Wie sagt doch gleich Sportchef Anton Giger: "Die Tür steht offen, sie muss nur durchgehen." Aber auch er gibt zu: "Gut gelaufen ist die Sache bisher nicht."

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