Im Recht: Der Sturz von Skispringer Lukas Müller wird als Arbeitsunfall bewertet. 

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Sport | Wintersport
05/04/2019

Lukas Müller gegen ÖSV: "David gewinnt gegen Goliath“

Der ehemalige Skispringer siegte im Rechtsstreit mit dem ÖSV und übt Kritik am Skiverband.

2016 stürzte Vorspringer Lukas Müller bei der Skiflug-WM am Kulm, er sitzt seither im Rollstuhl. Seit damals führt der 27-Jährige auch einen Rechtsstreit mit dem ÖSV. Es ging um die Frage, ob es sich dabei um einen Freizeit- oder ein Arbeitsunfall gehandelt hat. Der Verwaltungsgerichtshof entschied jetzt zugunsten des Kärntners und bewertete den folgenschweren Sturz als Arbeitsunfall.

KURIER: Was ist in Ihnen vorgegangen, als Sie die positive Nachricht erhalten haben?

Lukas Müller: Das Lustige war ja, dass ich erst von einem Journalisten davon erfahren habe. Ich habe mich dann selbst gegoogelt und so erst die Meldung entdeckt. Ich habe den Text drei Mal durchlesen müssen, weil ich es nicht glauben konnte.

Waren Sie denn pessimistisch?

Nein, ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass das Verwaltungsgericht dermaßen schnell zu einer Entscheidung kommt. Was den Ausgang betrifft, war ich vorsichtig optimistisch, weil einfach gewisse Argumente klar für mich gesprochen haben.

Was bedeutet dieses Urteil?

Es ist nicht nur ein Sieg für mich, sondern für die ganzen Athleten in Österreich, die im Berufssport tätig sind. Es gibt ja viele Urteile, die letztendlich nur für eine Person ausschlaggebend sind. In diesem Fall hat das aber positive Auswirkungen auf Tausende Leute, Sportler genauso wie Betreuer. Ich weiß, dass meine Vorspringerfreunde ab sofort anders behandelt werden als in der Vergangenheit und dass sie eine Absicherung haben, falls ihnen etwas passieren sollte.

Man kann Ihnen die Genugtuung förmlich anhören.

Das bin ich auch. Und ich bin heute auch unglaublich froh, dass ich mir das in den vergangenen Jahren alles angetan habe. Es war nämlich teilweise nicht einfach für mich. Vor allem, wenn du dauernd in der Luft hängst.

Und wer legt sich schon gerne mit dem ÖSV an?

Ich bin von Natur aus keiner, der gerne streitet. Aber in diesem Fall musste das einfach sein, um etwas zu erreichen. Ich habe gewusst, dass mich ein rauer Gegenwind erwartet, wenn ich mich mit dem mächtigsten Verband Österreichs anlege. Aber wenn der David dann wirklich gegen Goliath gewinnt, dann hast du etwas erreicht. Ich habe gezeigt, dass es wert ist, sich gegen gewisse Dinge zu wehren. Wobei mich eines schon extrem stört.

Nämlich?

Ich finde es schade, dass der ÖSV in seiner Erklärung wieder Versicherungssummen erwähnt, die in diesem Verfahren überhaupt keine Rolle spielen. Außerdem stimmen die Zahlen überhaupt nicht, ich habe zum Beispiel von der FIS nicht 350.000 Franken erhalten, wie der ÖSV behauptet, sondern nur etwas mehr als die Hälfte dieser Summe.

Von der FIS, nicht vom ÖSV.

Genau, aus einer Versicherung, die die FIS für die Athleten abgeschlossen hat. Das hat mit dem Skiverband überhaupt nichts zu tun. Dass sich der ÖSV das jetzt auf die eigenen Fahnen heftet, finde ich nicht okay. Das dient nur dazu, mich in ein schlechtes Licht zu rücken. Für mich ist das ein unsportliches Verhalten.

Welche Auswirkungen und Erleichterungen hat dieses Urteil für Sie persönlich?

Meine Zukunft ist jetzt abgesichert. Ich kriege deswegen nicht viel Geld, aber mir werden all die Kosten ersetzt, die durch den Querschnitt anfallen. Und so ein Querschnitt ist nun einmal extrem teuer. Allein im ersten Jahr habe ich 100.000 Euro gebraucht. Jetzt werde ich unterstützt bei Medikamenten, Therapien, Heilbehelfen, beim Umbau von Haus oder Auto – einfach bei allem, was mit dem Querschnitt in Verbindung steht. Und das tut gut. Vor allem, weil ich weiß, dass ich das nicht nur für mich erkämpft habe, sondern für viele andere. Mit diesem Urteil ist ein bisschen vorgesorgt: Falls es wieder jemanden erwischen sollte, dann hat der zumindest eine Absicherung.