© REUTERS/VASILY FEDOSENKO

Interview
05/13/2022

Eishockey-Tormann Starkbaum: "Manchmal bleibt einem die Luft weg"

Der Wiener ist mit 36 Jahren in bestechender Form. Bei der WM in Finnland lastet viel Druck auf Österreichs Tormann. Ein Gespräch über harte Schüsse und härtere Gegner.

von Peter Karlik

Wenn Österreichs Eishockey-Team am Samstag gegen Schweden erstmals das Eis der Nokia-Arena in Tampere betreten wird (11.20 Uhr/live ORF Sport+), dann wird ein Mann im Mittelpunkt des Geschehens stehen: Bernhard Starkbaum. Der 36-jährige Wiener hat sich nach seinen Leistungen in der abgelaufenen Saison als Einsertormann empfohlen und wird wohl die wichtigsten Partien dieses Turniers absolvieren. Auf ihm lastet besonderer Druck, da Österreich bei einer A-WM eher nur dann ein Spiel gewinnt, wenn der Tormann der beste Mann auf dem Eis ist.

Ob die WM erfolgreich wird, wird aber weniger am Wochenende gegen Schweden oder die USA zu sehen sein als im letzten Vorrundenspiel gegen Großbritannien: Die Briten sind Österreichs Gegner auf dem Weg zum Klassenerhalt. Im Interview spricht Bernhard Starkbaum über seine aktuell gute Form, seine Anfänge und wo Schüsse am meisten schmerzen.

KURIER: Haben Sie manchmal Angst?

Bernhard Starkbaum: Wovor?

Vor dem Schuss.

Sicher tut’s hin und wieder weh. Ich habe eine Ausrüstung an, die dafür gebaut ist. Meine Mitspieler machen das ohne Schutz. Manchmal bleibt einem die Luft weg. Aber das gehört dazu.

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Wo schmerzt es am meisten?

Am Hals oder in tieferen Regionen.

Wenn ein guter Schütze voll abzieht, ist der Puck mit rund 150 km/h kaum zu sehen. Wie kann man da reagieren?

Es ist ein Unterschied, ob man das als Zuschauer von der Seite betrachtet oder als Tormann. Da fliegt die Scheibe auf dich zu. Im Optimalfall siehst du sie von der Schussabgabe bis zu dir.

Österreich hat bei der WM richtig harte Gegner und am Ende das Entscheidungsspiel gegen den Abstieg ...

Wir wissen, dass wir bei der A-WM nur auf starke Gegner treffen. Wenn wir über 60 Minuten kompakt bleiben, unsere Leistung abrufen und auch ein wenig Glück haben, können wir vielleicht in ein paar Spielen ein paar Punkte einheimsen, dann würde es eventuell nicht einmal ein Entscheidungsspiel geben.

Eishockey, Oesterreich - Schweden,

Was muss passieren, damit Österreich den Klassenerhalt schafft?

Wir brauchen 25 Leute, die in jedem Spiel eine Top-Leistung abrufen können. Wir sollten nicht zu weit nach vorne blicken, sondern nur an den nächsten Einsatz denken. Wenn wir das so schaffen wie in manchen Vorbereitungsspielen, dann wird es gelingen.

Bei den Tests war augenscheinlich, dass sich die Spieler gegenseitig sehr unterstützen. Ist das der Charakter der Mannschaft?

Wir halten zusammen, die Spieler blocken Schüsse, stecken Checks für Mitspieler ein, verlangsamen den Gegner. Das sind Kleinigkeiten, die viel ausmachen können.

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Sie haben in der abgelaufenen Saison mehr gespielt als vor der WM 2019 in Bratislava, bei der österreichische Torhüter nur wenig Matchpraxis hatten. Fühlen Sie sich sicherer?

Ich habe mich nie schlecht gefühlt, auch 2019 nicht. Sicher ist, dass wir zu wenige österreichische Goalies haben, die in der Liga spielen. Ich habe aber nie an mir gezweifelt, egal ob beim Verein oder im Team.

Bei den Vienna Capitals und im Nationalteam hatten Sie in dieser Saison neun Spiele, in denen Sie kein Gegentor bekamen. Schaut man als Tormann auf solche Statistiken?

Sicher ist das ein Indikator, dass man ganz okay war. Aber ein Shutout geht nicht nur auf die Kappe vom Goalie. Das liegt auch am Defensivverhalten des Teams. Wenn man Schüsse nur von außen zulässt, ist es umso leichter.

Sie hat den Wert „eines Kleinwagens“, erklärt Christian Nissner, Betreiber des Hockeyshops in der Wiener Steffl-Arena. Den größten Brocken machen die  20 bis 30 Schläger pro Jahr aus, die insgesamt bis zu 9.000 Euro kosten. 

Ein Paar Schienen kostet je 2.500 Euro und wird den Wünschen des Spielers angepasst. Der Helm ohne Design kostet  1.400 Euro, ein Paar Schuhe 1.000 Euro. Insgesamt  kostet Bernhard Starkbaums  Ausstattung fast 24.000 Euro. 

Sie haben für den Fotografen Ihre Ausrüstung aufgelegt. Wie schwer ist das alles?

20 bis 25 Kilo sind es, wenn sie trocken ist. Im Spiel kommen dann noch zwei Liter Schweiß dazu. Für mich ist das aber Alltag. Ich kenne es nicht anders. Ungewohnt ist es, wenn ich mit meinen Kindern auf dem Rathausplatz eislaufen gehe.

Welches ist das wichtigste Teil?

Die Schienen und die Fanghand. Du musst kontinuierlich das gleiche Gefühl im Handschuh haben. Auch die Eislaufschuhe sind wichtig. Normalerweise hat man von allem zwei, die eingespielt sind. In der Regel habe ich auch ein Trainings- und ein Match-Paar.

Wie kamen Sie ins Tor?

Ich bin wegen meines Vaters in der Eishalle aufgewachsen. Er war Profi beim WEV, bei Salzburg und Mödling. Ich war sieben oder acht Jahre alt, wir hatten ein Turnier in Graz und keinen Tormann. Der Trainer hat gefragt, wer ins Tor gehen will. Am Freitag habe ich probiert, die Schoner anzuziehen, und am Samstag dann schon gespielt. In Graz war damals Thomas Vanek. Er hat den Jahrgang dominiert, weil er schon hochschießen konnte. Ich bin aber als Anfänger im Tor nicht runtergegangen, weil ich sonst nicht mehr aufgekommen wäre. Und so habe ich angeblich eine gute Figur gemacht.

Sie haben inzwischen 136 Partien im Nationalteam und holen bald Legende Claus Dalpiaz mit seinen 146 Einsätzen als Rekord-Tormann im Nationalteam ein.

Klar ist das schön. Ich spiele immer sehr gerne für das Nationalteam. Es ist immer Spaß dabei, die Burschen haben eine richtige Hetz. Wenn du dann auch noch die Hymne hörst oder solche Momente erlebst wie den Klassenerhalt oder Olympia, bleibt das ewig in Erinnerung.

Sie sind 36 Jahre alt. Was haben Sie noch vor?

Ich will mich in jedem Training weiterentwickeln. Das ist der Grund, warum ich beim Training meistens der Erste auf dem Eis bin und der Letzte, der runtergeht. Mir macht es extrem Spaß, und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre dranhängen kann.

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